Der Frauenscanner

Jede Frau besitzt ein „Scanprogramm“. Ich kann jetzt leider nicht erklären, inwiefern dieses Programm von der Natur als sinnvoll erachtet wird, aber wir alle haben es. Manche etwas ausgeprägter als andere, nur zu verleugnen ist es nicht. Interessant ist jedoch, dass dieses Programm anderen Frauen gegenüber stärker eingesetzt wird als wir es für Männer nutzen. Wie das funktioniert, erkläre ich euch gerne:

Frauen haben ihren Radar immer angeschaltet. Die nähere Umgebung, bis zu 1km, wird komplett erfasst und kontrolliert. Nehmen wir als Beispiel eine junge Frau, die an einer Busstation wartet und kreieren folgendes Szenario: Außer ihr befinden sich zwei ältere Damen, ein asiatisches Pärchen, eine junge Frau mit ihrem Kind und zwei Jungs mit einem Mädchen im Schlepptau, wobei einer der Jungs offenbar der derzeitige Freund des mitgeschleppten Mädchens ist, an besagtem Ort. Los geht das Scanprogramm.

Zuallererst wird die Umgebung auf die Geschlechter hin sortiert. Wir haben in unserem Beispiel 3 männliche Mitmenschen und insgesamt 6 Weibchen. Das Kind ist schon einmal rausgefallen, weil es keine „Bedrohung“ für die Beobachterin darstellt. Nehmen wir weiter an, die Frau ist Mitte zwanzig und österreichischer Abstammung. Damit fallen die älteren Damen aus dem Radar, bei denen ist die Blütezeit schon vorbei und je nach Geschmackssache auch das asiatische Pärchen. Pärchen sind für Singledamen manchmal eine richtige Qual, sie können jedoch auch einfach nur uninteressant sein. Als nächstes kommt die Dreiergruppe mit den Jungs und dem Mädchen. Sie sind zwar zu jung, aber die kindliche Figur in den viel zu kurzen Shorts und die Coolness, die das Mädchen an den Tag legt, finden dennoch kurz Beachtung. Bleibt noch die ungefähr gleichalte Mutter übrig, die rein logisch betrachtet gar keine Mutter sein kann, weil sie so unglaublich schlank ist.

Und los geht es, das Vergleichen. Da hat die ein Kind und dann trotzdem eine so schöne Figur, so pralle, aber kleine Brüste. Was für eine nette Haarfarbe, aber man kann die Extensions sehen. Vielleicht sollte sie mehr Geld in den Frisör investieren. Und diese dünnen Ärmchen. Möglicherweise hat sie eine Essstörung. Zu dünn ist sie auf jeden Fall. Und diese Gelnägel, die waren ja noch nie schön. Aber ihre Sonnenbrille kann was. STOP!

Es ist zum Verrücktwerden. Frauen und ihr ewiges Gejammere über sich selbst und über andere. Opfer sind dann eh meist die Männer. Vor kurzem wurde mir unterstellt, ich würde manchmal Aussagen tätigen, die nur zum Zwecke des „Komplimenteerlangens“ dienen. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich da noch relativ locker bin, hauptsächlich meine Freundinnen damit belaste. Aber naja, auch ich erkenne meine Frauenstörungen an. Einem richtigen Mann ist es nicht wichtig, ob alles an uns perfekt ist. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und wenn sich ein Mann für mich entscheidet, dann treffe ich seine Geschmacksknospen auch. Kein Wunder, dass unsere männlichen Mitmenschen schnell genervt und überfordert sind mit unserem selbstüberkritischen Genörgel. Ist ja auch wie ein Mienenfeld, auf dem sie sich bewegen. Egal, ob sie die Wahrheit sagen oder sich eine nette, kleine Lüge einfallen lassen, es kann schnell daneben gehen und BUMM! Nun verstehe ich auch endlich, warum Männer oft sagen, dass sie gerne eine Frau haben, die selbstbewusst ist. Und mit selbstbewusst ist bitte nicht arrogant gemeint.

Ich weiß, es ist schwer, seine eigene Schönheit anzuerkennen und als einzigartig zu betrachten. Das Scanprogramm funktioniert wunderbar genau in den Bereichen, die wir an uns selbst nicht mögen. Aber der einen passt ihr Schlanksein außerordentlich gut, während eine andere mit weiblichen Kurven weit mehr Sexappeal an den Tag legt, als wenn sie dieselbe Figur wie die Erstgenannte hätte. Vielleicht hat die eine lange, tolle Stelzen, während die andere zwar kürzere, aber dafür schöner geformte Beine hat. Wieder eine andere hat vielleicht einen flacheren Popo, dafür kann die nächste mit ihrem größeren Hinterteil saugut tanzen und es bewegen. Mag sein, dass die eine größere Brüste hat, aber die andere in ihrer Körperrelation wunderschön ist, weil ihr keine größeren Brüste stehen würden. Ich könnte das noch ewig so weiter führen, aber ich denke, es ist klar, was ich sagen will.

So oft haben wir schon gehört, dass es nichts bringt, sich mit anderen zu vergleichen. Außer vielleicht Unglück, Selbstzweifel und Stress. Wer´s mag, bitte. Ich beschäftige mich dann doch lieber mit anderen Themen. Charlotte Roche wurde mal in einem Interview gefragt, was sie sich wünschen würde, wenn sie einen Wunsch frei hätte: „Dass meine Tochter eines Tages ein gutes Körpergefühl hat!“ war ihre Antwort. Damit bringt sie es mit einem Satz auf den Punkt. Ein berühmtes Zitat von Coco Chanel ist mir in diesem Sinne auch noch eingefallen, was meiner Meinung nach viel zu oft „falsch“ interpretiert wird: “Eine Frau sollte sich jeden Tag so anziehen, als könnte sie ihrer großen Liebe begegnen.” Ich denke nicht, dass damit gemeint ist, sich jeden Tag bis zum Deppertwerden aufzubrezeln. Dort ein Haar wegzupfen, da den Bauch einziehen und hier die allerhöchsten Schuhe aus dem eigenen Sortiment. NEIN. Meiner Meinung nach sollte eine Frau nur das tragen, worin sie sich am wohlsten fühlt. Denn immer dann, wenn ich gerade nicht penibel auf mein Outfit achte, sondern einfach mal das anziehe, worin ich mich wirklich frei und natürlich bewegen kann, ernte ich die schönsten, freundlichsten und besten Blicke.

Das kleine Wörtchen “Nein”!

Es gibt durchaus romantische Geschichten, aber sie haben nicht immer ein Happy End.

Als er mir langsam über den Hintern strich und mir ins Ohr flüsterte, was er alles an meinem Körper gerne küssen würde, spürte ich die Wärme in meiner Schamgegend. Sein Hauch in meinem Nacken verursachte eine Gänsehaut auf meinem Rücken und ich stöhnte leise auf. Ich schloss die Augen, atmete tief ein, drehte mich um und stieß ihn von mir weg. „Ich habe es dir schon einmal gesagt und daran hat sich nichts geändert: Nein!“. Hastig steige ich in das nächste Taxi und schaue kein einziges Mal zurück. Auf seine SMS am nächsten Morgen habe ich bis heute nicht geantwortet.

Alles fing damit an, dass meine engste Freundin und ich uns mal wieder einen Liebesschinken reingezogen haben. Muss hin und wieder einfach mal sein. Danach sinnierten wir über die Liebe und das nichts so ist wie in scheiß Filmen. Ist nämlich viel komplizierter und sollte ich natürlich an den darauffolgenden Tagen auch zu spüren kriegen. Ich stehe also im Supermarkt beim obligatorischen Obstkauf, als neben mir ein recht attraktiver, etwas hilflos erscheinender Brite mich anspricht. Er möchte wissen, wo er seine Trauben abwiegen kann. Ich helfe ihm, er freut sich über mein gutes Englisch und wir kommen ins Gespräch. Kurze Zeit später tauschen wir unsere Nummern aus und ich rufe meine Freundinnen, an um ihnen von meiner filmreifen Begegnung zu erzählen. Als wäre das nicht genug, kommt auch schon zwanzig Minuten später eine SMS von ihm. Er möchte etwas trinken gehen. Facebook sei Dank finde ich ihn recht schnell, um mich zu erkundigen, wen ich denn da kennengelernt habe. Fotograf, über dreißig, lebt und arbeitet derzeit in Wien. Hat sogar eine eigene Homepage. Nicht schlecht. In einer Beziehung mit … okay schlecht, aber ist halt so. Bin mir sowieso nicht sicher, ob es zwischen uns so etwas wie eine erotische Anziehung gibt. Toll ist die Geschichte dennoch. Ich adde ihn, er nimmt mich an. Auf seiner Pinnwand strahlt mir das Foto eines frisch geborenen Babys entgegen. Darunter zahlreiche Gratulanten. Ich schlucke. Freundin und Baby. Okay, er weiß, dass ich es jetzt weiß. Wir treffen uns also nur, weil er Fotograf ist und ich Redakteurin bin. Rein aus beruflichen Gründen. Schön gedacht, weit gefehlt. Nach ein paar Tassen Punsch und lustigen Gesprächen mit unseren Freunden beginnt er, mich zu berühren. Zunächst nur ganz vorsichtig unter dem Tisch an meinem Oberschenkel. Danach versucht er, mit der Hand unter mein Shirt zu fahren. Ich hindere ihn daran. Wir mögen uns. Aber in meinem Kopf schrillt eine ganz laute Alarmglocke: ATTENTION DANGEROUS! Je später der Abend, desto schöner die Gäste. Bei der Verabschiedung drückt er mich an eine Hausmauer und steckt mir die Zunge in den Mund. Einige Sekunden später überreiße ich mit meinem alkoholgetränkten Gehirn, was da passiert und stoße ihn weg. Alarmglocken! Ich erkläre ihm, dass das nicht geht und bitte ihn, zu gehen. Warum ich eigentlich “Nein” sagen muss und  -bei seinen Umständen- nicht er sich zusammenreißen kann, ist mir sowohl klar als auch total unklar. Ein halbes Jahr vergeht, ohne dass wir Kontakt haben. Vor ein paar Tagen kommt plötzlich eine Nachricht von ihm auf Facebook, ob wir uns nicht mal wieder treffen wollen. Gras müsste ja bereits über die Sache gewachsen sein. Ich verabrede mich mit meinen Freundinnen und lade ihn dazu ein. Wir sind eine Gruppe, also wird das schon passen. Freunde halt. Wieder schön gedacht, weit gefehlt. Was dann passierte, konnte man bereits zu Beginn lesen. Am nächsten Tag kam die Entschuldigungs-SMS mit einem Freundeangebot und auf ein baldiges Wiedersehen. „Nein“! „Nein“ aus moralischen Gründen und „Nein“ aus Selbstschutz. ATTENTION DANGEROUS! Ich bin keine Frau, die die zweite Geige spielt. War ich noch nie (na gut, ist schon mal passiert, war aber eine Ausnahme) und werde ich auch nicht (mehr) sein. Dafür bin ich zu selbstsicher und stolz geworden. „Nein“ zu sagen tut gut. Können nicht viele und wird auch nicht immer richtig verstanden. Ich kenne Frauen, die fahren quer durch Österreich, um sich von einem Mann durchficken zu lassen, den sie übers Internet kennen. Tut mir Leid ihr Süßen, ihr wisst ich bin ehrlich und direkt, aber das ist Muschi auf Rädern und viel zu bequem. Also für ihn, nicht für sie. Ich möchte nehmen dürfen und nicht nur geben. Ich habe erkannt, dass ein „Nein“ zu Respekt führt. Nicht nur bei Männern, auch bei anderen Frauen. Es stimmt, „Nein“ bedeutet nicht immer Nein für die Ewigkeit. „Nein“ ist situationsbedingt und vielleicht kommt daher auch die „männliche Überzeugung“, dass Nein Ja bedeutet. Aber es gibt durchaus Neins, die das bedeuten, was sie aussagen sollen. In diesem Fall habe ich nicht „Nein“ zu ihm gesagt, weil er mir wirklich sehr gut gefällt. Ich habe „Nein“ zu mir gesagt. „Nein“ dazu, mich unter meinem Wert „zu verkaufen“. Viel zu viele Frauen tun/können das nicht. Und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, nicht auch einmal so wie sie gewesen zu sein. Umso mehr klopfe ich mir heute auf die Schulter und erfreue mich an meiner „Wertsteigerung“. Vielleicht hat diese Geschichte ja doch ein Happy End?!