Es war einmal…

…eine zarte, kleine und süße südamerikanische Prinzessin. Sie machte eine Reise in das weit entfernte, wunderschöne Dänemark. Überrascht musste sie feststellen, dass die dänische Bevölkerung (egal ob Mann oder Frau), freundlich, gut ange- und erzogen und schön ist. Egal wohin sie sah, um sie herum befand sich die pure Schönheit, gepaart mit Sexappeal. Zu dick aufgetragen? Ist ja auch ein Märchen! Obwohl… Die Prinzessin traf bereits nach kurzer Zeit auf einen Prinzen. Hellblaue Augen, fast goldenes Haar und ein Lächeln, wie es nur die größten Lausbuben drauf haben. Charmant und höflich (typisch nordisch, dort ist man nicht so aufdringlich) umgarnte er sie, bis die beiden sich Hals über Kopf ineinander verliebten. Doch die Prinzessin war auf Reisen und als sie, traurigerweise, sein Land wieder verlassen musste, verblieben sie in Brieffreundschaft (auch Fernbeziehung genannt). Die Zeit verging und die Sehnsucht nach ihrem Liebsten fraß die Prinzessin beinahe auf. Also beschloss sie, ihr Hab und Gut zu packen und zurück in sein schönes, freundliches Land zu gehen. Sie wollte unbedingt bei ihm sein, koste es, was es wolle. Der Prinz freute sich sehr. Doch bald sollten dicke, schwarze Wolken auf ihrem Liebeshimmel aufziehen. Der Prinz erkannte, dass es ernst wurde und beschloss seinen Rückzug: „Ich bin noch nicht so weit, etwas Richtiges anzufangen.“ Und da stand sie nun, die kleine Prinzessin. In einem fremden Land ohne ihren Prinzen. Und wie geht das Märchen aus?

Diese Geschichte beruht selbstverständlich auf einer wahren Begebenheit. Und sie ist bei weitem nicht neu. Das ehemalige Pärchen ist heute seit knapp einem halben Jahr getrennt. Als ich die beiden das erste Mal sah, kamen sie mir dennoch wie ein Pärchen vor. Sie agierten auch wie eines. Doch nach ein paar Stunden und einigen Flaschen Wein und Bier lockerten sich bei allen Beteiligten die Zungen. Ich bemerkte seine Flirtbereitschaft und so musste ich einfach mal bei ihr nachfragen, ob er ihr Freund sei. Nein, er ist nicht ihr Freund. Okay! Die Situation war dennoch komisch. Für eine reine Sexfreundschaft waren sie zu intim. Eine ganz normale Freundschaft konnte ich gleich ausschließen, also hakte ich nach. Er hat die Beziehung beendet, kurz nachdem sie nach Kopenhagen zum studieren kam. Sie sagte zum studieren, aber ich bin nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen. Wir Frauen sind oft sehr mutig, wenn es um die Liebe geht. Im Namen der Liebe lassen viele einiges über sich ergehen (tun viele Männer sicher auch, ich meine aber etwas anderes). Frauen haben die Tendenz, etwas so lange zu probieren, bis es wirklich nicht mehr geht. Jede Chance wird genutzt, egal, wie klein der Hoffnungsschimmer ist. Meine nächste Frage war, ob sie denn noch mit ihm schlafen würde. Ja, sie tut es! Herrgott nochmal. Wieso haben so unzählig viele Menschen keinen Stolz mehr, wenn es um Herzensangelegenheiten geht? Wir werden komplette Volltrottel, wenn wir lieben.

Er genießt und schweigt. Sie liebt ihn, er hat sie gern, würde jedoch bestimmt nicht lange zögern, wenn eine andere Dame Spaß mit ihm haben will. Und diese Möglichkeiten hat er sicher immer wieder. Mir hat er ja auch gefallen. Nur mein Anstand und meine Lebenseinstellung haben mich davon abgehalten, ihm ein unmoralisches Angebot zu machen. Trotz Alkohol! Das Traurige an dieser Geschichte ist, dass sie auf ihn wartet. Denn er lässt sie immer noch ein wenig hoffen. Er wäre schön blöd, wenn er diese Situation nicht ausnützen würde. Und dabei möchte ich ihm keineswegs Kaltherzigkeit unterstellen. Jeder wird gerne begehrt. Und wenn man das mit sich machen lässt, dann ist man (tut mir leid, aber ist so) selbst schuld. Ist irgendwie auch eine Art von Prostitution. Jeder von uns hat aus Liebe schon Blödsinn gemacht oder mit sich machen lassen. Aber wenn wir lernen, was wir wirklich wollen, dann lernen wir auch, was Liebe tatsächlich bedeutet. Und mit jedem Mal werden wir besser. Vor allem uns selbst gegenüber.

Ich persönlich habe diese leidigen Spielchen satt. Früher oder später wird sich einer von den beiden neu verlieben. Ist er es, wird ihr Herz noch einmal brechen und wahrscheinlich ist dieser Schmerz dann unheimlich groß. Ist sie es, wird er vielleicht eifersüchtig sein. Es kann auch passieren, dass er es kurz bereut, sie verlassen zu haben und es noch einmal versuchen will. Aber er will es nicht wirklich (Ausnahmen bestätigen die Regel). Mein Gott, kann man denn nicht einfach schon vorher wissen, was man will?! Ich wünsche ihr, dass sie sich so richtig Hals über Kopf neu verliebt und dann auch die nötige Kraft hat, dieses Spiel zu beenden. Denn leider ist es in den meisten Fällen so, dass erst eine neue, andere Person uns von unserer Vergangenheit lösen kann. Ist scheiße, passiert aber oft genug. Und was ist die Moral von der Geschicht: Lieben tut man oder nicht!

…und wenn sie noch nicht neu verliebt ist, dann vögeln sie noch heute!

 

Der Frauenscanner

Jede Frau besitzt ein „Scanprogramm“. Ich kann jetzt leider nicht erklären, inwiefern dieses Programm von der Natur als sinnvoll erachtet wird, aber wir alle haben es. Manche etwas ausgeprägter als andere, nur zu verleugnen ist es nicht. Interessant ist jedoch, dass dieses Programm anderen Frauen gegenüber stärker eingesetzt wird als wir es für Männer nutzen. Wie das funktioniert, erkläre ich euch gerne:

Frauen haben ihren Radar immer angeschaltet. Die nähere Umgebung, bis zu 1km, wird komplett erfasst und kontrolliert. Nehmen wir als Beispiel eine junge Frau, die an einer Busstation wartet und kreieren folgendes Szenario: Außer ihr befinden sich zwei ältere Damen, ein asiatisches Pärchen, eine junge Frau mit ihrem Kind und zwei Jungs mit einem Mädchen im Schlepptau, wobei einer der Jungs offenbar der derzeitige Freund des mitgeschleppten Mädchens ist, an besagtem Ort. Los geht das Scanprogramm.

Zuallererst wird die Umgebung auf die Geschlechter hin sortiert. Wir haben in unserem Beispiel 3 männliche Mitmenschen und insgesamt 6 Weibchen. Das Kind ist schon einmal rausgefallen, weil es keine „Bedrohung“ für die Beobachterin darstellt. Nehmen wir weiter an, die Frau ist Mitte zwanzig und österreichischer Abstammung. Damit fallen die älteren Damen aus dem Radar, bei denen ist die Blütezeit schon vorbei und je nach Geschmackssache auch das asiatische Pärchen. Pärchen sind für Singledamen manchmal eine richtige Qual, sie können jedoch auch einfach nur uninteressant sein. Als nächstes kommt die Dreiergruppe mit den Jungs und dem Mädchen. Sie sind zwar zu jung, aber die kindliche Figur in den viel zu kurzen Shorts und die Coolness, die das Mädchen an den Tag legt, finden dennoch kurz Beachtung. Bleibt noch die ungefähr gleichalte Mutter übrig, die rein logisch betrachtet gar keine Mutter sein kann, weil sie so unglaublich schlank ist.

Und los geht es, das Vergleichen. Da hat die ein Kind und dann trotzdem eine so schöne Figur, so pralle, aber kleine Brüste. Was für eine nette Haarfarbe, aber man kann die Extensions sehen. Vielleicht sollte sie mehr Geld in den Frisör investieren. Und diese dünnen Ärmchen. Möglicherweise hat sie eine Essstörung. Zu dünn ist sie auf jeden Fall. Und diese Gelnägel, die waren ja noch nie schön. Aber ihre Sonnenbrille kann was. STOP!

Es ist zum Verrücktwerden. Frauen und ihr ewiges Gejammere über sich selbst und über andere. Opfer sind dann eh meist die Männer. Vor kurzem wurde mir unterstellt, ich würde manchmal Aussagen tätigen, die nur zum Zwecke des „Komplimenteerlangens“ dienen. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich da noch relativ locker bin, hauptsächlich meine Freundinnen damit belaste. Aber naja, auch ich erkenne meine Frauenstörungen an. Einem richtigen Mann ist es nicht wichtig, ob alles an uns perfekt ist. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und wenn sich ein Mann für mich entscheidet, dann treffe ich seine Geschmacksknospen auch. Kein Wunder, dass unsere männlichen Mitmenschen schnell genervt und überfordert sind mit unserem selbstüberkritischen Genörgel. Ist ja auch wie ein Mienenfeld, auf dem sie sich bewegen. Egal, ob sie die Wahrheit sagen oder sich eine nette, kleine Lüge einfallen lassen, es kann schnell daneben gehen und BUMM! Nun verstehe ich auch endlich, warum Männer oft sagen, dass sie gerne eine Frau haben, die selbstbewusst ist. Und mit selbstbewusst ist bitte nicht arrogant gemeint.

Ich weiß, es ist schwer, seine eigene Schönheit anzuerkennen und als einzigartig zu betrachten. Das Scanprogramm funktioniert wunderbar genau in den Bereichen, die wir an uns selbst nicht mögen. Aber der einen passt ihr Schlanksein außerordentlich gut, während eine andere mit weiblichen Kurven weit mehr Sexappeal an den Tag legt, als wenn sie dieselbe Figur wie die Erstgenannte hätte. Vielleicht hat die eine lange, tolle Stelzen, während die andere zwar kürzere, aber dafür schöner geformte Beine hat. Wieder eine andere hat vielleicht einen flacheren Popo, dafür kann die nächste mit ihrem größeren Hinterteil saugut tanzen und es bewegen. Mag sein, dass die eine größere Brüste hat, aber die andere in ihrer Körperrelation wunderschön ist, weil ihr keine größeren Brüste stehen würden. Ich könnte das noch ewig so weiter führen, aber ich denke, es ist klar, was ich sagen will.

So oft haben wir schon gehört, dass es nichts bringt, sich mit anderen zu vergleichen. Außer vielleicht Unglück, Selbstzweifel und Stress. Wer´s mag, bitte. Ich beschäftige mich dann doch lieber mit anderen Themen. Charlotte Roche wurde mal in einem Interview gefragt, was sie sich wünschen würde, wenn sie einen Wunsch frei hätte: „Dass meine Tochter eines Tages ein gutes Körpergefühl hat!“ war ihre Antwort. Damit bringt sie es mit einem Satz auf den Punkt. Ein berühmtes Zitat von Coco Chanel ist mir in diesem Sinne auch noch eingefallen, was meiner Meinung nach viel zu oft „falsch“ interpretiert wird: “Eine Frau sollte sich jeden Tag so anziehen, als könnte sie ihrer großen Liebe begegnen.” Ich denke nicht, dass damit gemeint ist, sich jeden Tag bis zum Deppertwerden aufzubrezeln. Dort ein Haar wegzupfen, da den Bauch einziehen und hier die allerhöchsten Schuhe aus dem eigenen Sortiment. NEIN. Meiner Meinung nach sollte eine Frau nur das tragen, worin sie sich am wohlsten fühlt. Denn immer dann, wenn ich gerade nicht penibel auf mein Outfit achte, sondern einfach mal das anziehe, worin ich mich wirklich frei und natürlich bewegen kann, ernte ich die schönsten, freundlichsten und besten Blicke.