Dann bin ich wohl eine Triebtäterin?!
„Aber natürlich, Schnuckie!“ – „Danke Schnitte.“ So oder so ähnlich gestaltet sich die Konversation zwischen mir und männlichen Mitmenschen, die ich kenne und schätze. Ganz Konkret wurden diese Worte in einer Konversation zwischen mir und einem Unikollegen verwendet. Wir haben keine Beziehung (weder sexuell, noch romantisch) und weder er, noch ich stören uns daran, so miteinander zu sprechen/schreiben. Ich habe die Angewohnheit, Menschen mit Schatzilein oder Schnuckie zu bezeichnen, auch wenn ich ihnen nach „gesellschaftlicher Norm“, keine Spitznamen geben dürfte. Für mich ist das ein Symbol der Freundschaft und Nähe, ein Ausdruck von Ich mag dich. Wenn jetzt ein Mann wutentbrannt aufspringen und mir vorwerfen würde, ich sei Sexistisch, würde ich wohl zu lachen beginnen. Aber hätten sie nicht genauso ein Recht darauf, wie es wir Frauen verlangen und haben?
Ich habe diese ganze Sexismus Debatte satt, weil sie so dermaßen Scheinheilig ist! Ich fühle mich nicht bedroht, wenn ein Mann mir ein Kompliment macht und ich kann auch sehr gut NEIN sagen, wenn mir etwas nicht in den Kram passt. Ich bin mündig und kann mich wehren. Und Frauen brauchen nicht abfällig behaupten, dass alle Männer triebgesteuerte Tiere sind. Denn wir Frauen nutzen ihre Triebe gerne aus. Fast jede Frau weiß ganz genau, welche Hebel sie in Bewegung setzen muss, wenn sie einen Mann verführen will. Die „Waffen“ einer Frau sind zwar subtiler, aber um nichts besser. Auch Frauen machen Männer zu Objekten. Da stehen wir unseren männlichen Artgenossen um nichts nach. Spätestens seit „Sex and the City“ sollte die ganze Gesellschaft wissen, dass auch Frauen Männer als Sexsymbole sehen.
Traurig ist es, dass die wahren Opfer sexistischer Übergriffe in den Hintergrund treten müssen, weil heutzutage schon ein falscher Blick als Belästigung klassifiziert wird. Scheiße man! Ein Mienenfeld ist das, auf dem sich unsere männlichen Mitmenschen bewegen. Wie soll denn da noch jemand wissen, was okay ist? Ja, es gibt durchaus die gierigen Männer, die ihre Hände und abwertenden Worte nicht bei sich behalten können, aber sooo viele sind das gar nicht! Neulich hat mich ein Freund mit „Baby“ angeschrieben. Ich fand es irgendwie süß (auch wenn ich den Kosenamen Baby nicht so gerne mag), aber auf mein Nachfragen, ob das jetzt auch tatsächlich an mich gerichtet war (nicht, weil ich mich aufregen wollte, ich wollte nur sichergehen, dass er bewusst mich verniedlicht hat), entschuldigte er sich für diese sexistische Bezeichnung. Wenn du das liest (und ich weiß, dass du das tust): Ich fand es total süß und absolut NICHT sexistisch von dir!
Wenn ich als Frau keine Lust habe, mich an jeder Ecke anbaggern zu lassen, dann kann ich das auch verhindern. Ich muss nicht jeden Tag meine Reize öffentlich zur Schau stellen. In einem Artikel las ich neulich: Welche Frau macht sich denn nur für sich alleine so zurecht? Oder kennt ihr welche, die alleine zu Hause im sexy Outfit und komplett geschminkt und zurechtgemacht vor dem Fernseher sitzen? Für sich selbst? NEIN! Die meisten Frauen, die sich sexy in der Öffentlichkeit präsentieren, wollen dafür auch ein Feedback. Und da die meisten Männer sehr gut auf optische Reize reagieren, wissen Frauen genau was sie tun müssen um dieses Feedback zu erhalten. Sexismus brüllen sie dann, wenn es leider der falsche Mann war! Aber ganz ehrlich? Selbst schuld!!! Und hier muss eine deutliche Grenze zwischen wahrem Sexismus und „falschem“ Feedback gezogen werden. Nur leider verschwimmt diese Grenze immer mehr. Und ACHTUNG: Ich stelle hier auf keinen Fall, den ernstzunehmenden Sexismus in Frage!!!
Natürlich soll Frau anziehen können, was sie will ohne gleich von jedem paarungswilligen Männchen besprungen zu werden. Aber wir sind auch nur Menschen, die einem biologischen Fortpflanzungstrieb folgen. Ja, Männer sollten sich teilweise besser zu beherrschen Wissen und ihre Schwänze nicht gleich zu leichtsinnig auspacken. Aber auch Frauen sollten ihre Reize nicht ständig auf einem Silbertablett servieren. Da kann ja sogar ich als Frau teilweise nicht mehr wegsehen. Es ist fast ein bisschen ein gemeines Spielchen, das wir da spielen. Und den Männern da alleine die Schuld zu geben, halte ich für falsch und ungerecht. Es ist immer wichtig, darauf zu achten, welche Signale ich aussende. Und wenn mir ein Mann, einfach auf den Hintern greift, dann könnte ich ihm eine knallen, ja. Aber ich muss auch darüber nachdenken, welche Signale ich ausgesendet habe, dass es überhaupt so weit gekommen ist?! Mir persönlich ist es noch nicht sehr oft passiert, dass Männer (außer sie sind sehr stark alkoholisiert) einfach so meinen Hintern betatscht haben. Aber ich habe Freundinnen, bei denen ist das fast schon Routine. Meist sind das Frauen, die ein recht geringes Selbstwertgefühl besitzen. Aber diese Behauptung kann ich jetzt nicht komplett stützen, also belasse ich es einfach mal so.
Und jetzt nochmal ganz ehrlich und auf den Punkt gebracht: Wenn jeder Mann, dem ich mal auf den Hintern geklopft habe, mich wegen Belästigung angezeigt hätte, dann wäre ich wohl eine polizeilich eingetragene, mögliche Triebtäterin oder so etwas. Aber darüber lacht unsere „emanzipierte“ Gesellschaft nur.





