Von Objekten und Sexismus…

Dann bin ich wohl eine Triebtäterin?!

„Aber natürlich, Schnuckie!“ – „Danke Schnitte.“ So oder so ähnlich gestaltet sich die Konversation zwischen mir und männlichen Mitmenschen, die ich kenne und schätze. Ganz Konkret wurden diese Worte in einer Konversation zwischen mir und einem Unikollegen verwendet. Wir haben keine Beziehung (weder sexuell, noch romantisch) und weder er, noch ich stören uns daran, so miteinander zu sprechen/schreiben. Ich habe die Angewohnheit, Menschen mit Schatzilein oder Schnuckie zu bezeichnen, auch wenn ich ihnen nach „gesellschaftlicher Norm“, keine Spitznamen geben dürfte. Für mich ist das ein Symbol der Freundschaft und Nähe, ein Ausdruck von Ich mag dich. Wenn jetzt ein Mann wutentbrannt aufspringen und mir vorwerfen würde, ich sei Sexistisch, würde ich wohl zu lachen beginnen. Aber hätten sie nicht genauso ein Recht darauf, wie es wir Frauen verlangen und haben?

Ich habe diese ganze Sexismus Debatte satt, weil sie so dermaßen Scheinheilig ist! Ich fühle mich nicht bedroht, wenn ein Mann mir ein Kompliment macht und ich kann auch sehr gut NEIN sagen, wenn mir etwas nicht in den Kram passt. Ich bin mündig und kann mich wehren. Und Frauen brauchen nicht abfällig behaupten, dass alle Männer triebgesteuerte Tiere sind. Denn wir Frauen nutzen ihre Triebe gerne aus. Fast jede Frau weiß ganz genau, welche Hebel sie in Bewegung setzen muss, wenn sie einen Mann verführen will. Die „Waffen“ einer Frau sind zwar subtiler, aber um nichts besser. Auch Frauen machen Männer zu Objekten. Da stehen wir unseren männlichen Artgenossen um nichts nach. Spätestens seit „Sex and the City“ sollte die ganze Gesellschaft wissen, dass auch Frauen Männer als Sexsymbole sehen.

Traurig ist es, dass die wahren Opfer sexistischer Übergriffe in den Hintergrund treten müssen, weil heutzutage schon ein falscher Blick als Belästigung klassifiziert wird. Scheiße man! Ein Mienenfeld ist das, auf dem sich unsere männlichen Mitmenschen bewegen. Wie soll denn da noch jemand wissen, was okay ist? Ja, es gibt durchaus die gierigen Männer, die ihre Hände und abwertenden Worte nicht bei sich behalten können, aber sooo viele sind das gar nicht! Neulich hat mich ein Freund mit „Baby“ angeschrieben. Ich fand es irgendwie süß (auch wenn ich den Kosenamen Baby nicht so gerne mag), aber auf mein Nachfragen, ob das jetzt auch tatsächlich an mich gerichtet war (nicht, weil ich mich aufregen wollte, ich wollte nur sichergehen, dass er bewusst mich verniedlicht hat), entschuldigte er sich für diese sexistische Bezeichnung. Wenn du das liest (und ich weiß, dass du das tust): Ich fand es total süß und absolut NICHT sexistisch von dir!

Wenn ich als Frau keine Lust habe, mich an jeder Ecke anbaggern zu lassen, dann kann ich das auch verhindern. Ich muss nicht jeden Tag meine Reize öffentlich zur Schau stellen. In einem Artikel las ich neulich: Welche Frau macht sich denn nur für sich alleine so zurecht? Oder kennt ihr welche, die alleine zu Hause im sexy Outfit und komplett geschminkt und zurechtgemacht vor dem Fernseher sitzen? Für sich selbst? NEIN! Die meisten Frauen, die sich sexy in der Öffentlichkeit präsentieren, wollen dafür auch ein Feedback. Und da die meisten Männer sehr gut auf optische Reize reagieren, wissen Frauen genau was sie tun müssen um dieses Feedback zu erhalten. Sexismus brüllen sie dann, wenn es leider der falsche Mann war! Aber ganz ehrlich? Selbst schuld!!! Und hier muss eine deutliche Grenze zwischen wahrem Sexismus und „falschem“ Feedback gezogen werden. Nur leider verschwimmt diese Grenze immer mehr. Und ACHTUNG: Ich stelle hier auf keinen Fall, den ernstzunehmenden Sexismus in Frage!!!

Natürlich soll Frau anziehen können, was sie will ohne gleich von jedem paarungswilligen Männchen besprungen zu werden. Aber wir sind auch nur Menschen, die einem biologischen Fortpflanzungstrieb folgen. Ja, Männer sollten sich teilweise besser zu beherrschen Wissen und ihre Schwänze nicht gleich zu leichtsinnig auspacken. Aber auch Frauen sollten ihre Reize nicht ständig auf einem Silbertablett servieren. Da kann ja sogar ich als Frau teilweise nicht mehr wegsehen. Es ist fast ein bisschen ein gemeines Spielchen, das wir da spielen. Und den Männern da alleine die Schuld zu geben, halte ich für falsch und ungerecht. Es ist immer wichtig, darauf zu achten, welche Signale ich aussende. Und wenn mir ein Mann, einfach auf den Hintern greift, dann könnte ich ihm eine knallen, ja. Aber ich muss auch darüber nachdenken, welche Signale ich ausgesendet habe, dass es überhaupt so weit gekommen ist?! Mir persönlich ist es noch nicht sehr oft passiert, dass Männer (außer sie sind sehr stark alkoholisiert) einfach so meinen Hintern betatscht haben. Aber ich habe Freundinnen, bei denen ist das fast schon Routine. Meist sind das Frauen, die ein recht geringes Selbstwertgefühl besitzen. Aber diese Behauptung kann ich jetzt nicht komplett stützen, also belasse ich es einfach mal so.

Und jetzt nochmal ganz ehrlich und auf den Punkt gebracht: Wenn jeder Mann, dem ich mal auf den Hintern geklopft habe, mich wegen Belästigung angezeigt hätte, dann wäre ich wohl eine polizeilich eingetragene, mögliche Triebtäterin oder so etwas. Aber darüber lacht unsere „emanzipierte“ Gesellschaft nur.

Nichtbeziehungsgeneration?

Beziehungsratgeber ade!

Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel von einer jungen Frau gelesen, die über die Bindungsangst der Männer ihrer Generation schreibt. Sie ist Anfang 30 und muss feststellen, dass die meisten Männer in ihrem Alter vor richtigen Beziehungen davonlaufen. Also beschließt sie, Beziehungsratgeber zu kaufen und herauszufinden, was sie denn falsch macht. In fast jedem Buch wird ihr erklärt, dass sie sich rar machen, auf keinen Fall zu früh mit ihm ins Bett gehen und seinen Jagdinstikt fördern soll. Also legt sie los mit ihrem Projekt und befolgt sämtliche Anweisungen. Natürlich funktioniert das ganze Spiel recht gut, aber sie lässt es dann doch sein. Sie habe nämlich keine Lust, sich verstellen zu müssen. Damit schicke ich ihr einen gedanklichen High-Five und schließe mich ihrer Meinung an. Das Interessante ist, dass es teilweise wohl tatsächlich so abläuft. Je weniger Interesse eine Frau an einem Mann zeigt, desto interessanter ist sie für ihn.

Eine meiner Freundinnen hatte vor kurzem einen ONS (wurde auch mal wieder Zeit). Am nächsten Tag musste sie in die Arbeit, also schlich sie sich aus seiner Wohnung. Am Abend zuvor hatten sie Nummern ausgetauscht und siehe da, ein paar Stunden später kam schon: „Wohin bist du denn verschwunden?“ Seit über einer Woche meldet er sich bereits regelmäßig. Sie findet ihn ganz süß, ist aber nicht verknallt in ihn. Zeit hat sie derzeit nur begrenzt, also ist sie fast schon dazu gezwungen, sich rar zu machen. Das macht sie scheinbar sehr interessant für ihn. Jagdinstikt aktiviert! Mission erfüllt. Sie werden sich wieder treffen. Weil er so hartnäckig ist. Die Frage, die sich stellt, ist, ob er auch so reagiert hätte, wenn sie noch länger in seinem Bett geblieben wäre, den Tag „gezwungenermaßen“ mit ihm verbracht hätte? In den meisten Fällen schreckt das die Männer so sehr ab, dass sie zwar versprechen, sich wieder zu melden, es dann aber oft nur tun, um den nächsten Fick klarzumachen. Manchmal kommt auch gar nichts mehr.

Judith aus dem Artikel schreibt dazu: „Der heutige Mann vertritt anscheinend das gleiche Wertesystem wie meine Oma.“ Damit meint sie die offensichtliche Tatsache, dass eine sexuell selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will, nicht das beste Beziehungsmaterial darstellt. Zumindest wird das vielerorts behauptet und aus eigenen und erzählten Erfahrungen kann ich das leider nur bestätigen. Je mehr eine Frau weiß, was sie im Bett will, desto weniger will der Mann mit ihr zusammen sein. Er will zwar immer wieder mit ihr schlafen (weil es ja ganz toll ist), aber die Frau, die er vielleicht eines Tages heiraten möchte, sollte eher die heilige Maria verkörpern als Maria Magdalena. Heutzutage gibt es immer noch Artikel in Frauenmagazinen, die bspw. folgende Titel tragen: „Frauen, die mit mehr als 11 Männern Sex hatten, werden niemals heiraten.“ – „Die durchschnittliche Frau hatte mit 8,9 Männern Sex.“ Ähm, okay?! Wollen solche Artikel in uns Frauen Schuldgefühle wecken? Dürfen wir noch immer nicht unseren Gelüsten nachgehen? Und warum sollten über 11 Geschlechtspartner verhindern, dass ich einen Mann treffe, der mich eines Tages heiraten wird? Und so etwas in unserer Zeit! Da kommt mir manchmal wirklich der Gedanke, ob vielleicht Männer solche Artikel geschrieben haben. Zumindest haben sie wohl die Studien zu den genannten Zahlen gemacht.

Dennoch muss man betonen, dass man wie immer auf keinen Fall alle Männer in eine Schublade stecken darf. Ich habe herausgefunden, dass die Männer aus der Generation meiner Mutter (40+) teilweise wesentlich reflektierter und offener geworden sind. Sie sind selten „Opfer“ der Scheidungen ihrer Eltern geworden, sondern waren eher selbst an ihnen beteiligt. Sie haben gelernt, dass Frauen heutzutage unabhängiger und selbstständiger sind und können damit meistens auch besser umgehen. Die Männer meiner Generation (25+) waren oftmals „Opfer“ der Scheidungen ihrer Eltern. Selten waren die Scheidungsraten so hoch wie bei den Kindern bzw. deren Eltern meiner Generation. Viele Männer sind vorrangig mit Frauen aufgewachsen. Sie haben zwar gelernt, dass Frauen unabhängig und selbstständig sind, vermissten/vermissen jedoch die klassische Familienkonstellation. Eine mögliche Erklärung für das „bindungsunfähige Verhalten“ meiner Generation? Und welche Rolle spielt dabei auch die Angst vor Enttäuschungen oder gar etwas zu verpassen? Fehlt den jungen Männern einfach noch die Reife für die nötige Reflexion? Aber auch die Frauen meiner Generation tendieren bereits zu vermehrter Bindungsunfähigkeit. Dennoch haben wir eine biologische, innere Uhr, die uns fast dazu zwingt, mit Anfang 30 endlich den Mann für eine Familiengründung zu finden. Und dieses Problem fällt für Männer weg. Ja, Judith hat recht, wenn sie schreibt, dass Männer damit die Macht über unsere Beziehungen haben.

Neulich fragte mich ein Freund, warum es immer noch so ist, dass Frauen von Männern erwarten, dass jene den ersten Schritt machen. Warum die old-school- Version noch immer so gefragt ist. Gegenfrage: Warum erwarten Männer immer noch von Frauen, dass sie brave marienartige Engelwesen voller Unschuld sind? Das ist doch auch old-school! Das ist leider ein Henne – Ei Problem, auf das ich keine baldige Antwort erwarte. Aber ich erwarte, dass sowohl Männer als auch Frauen ihre emotionalen und sexuellen Bedürfnisse mehr gemeinsam reflektieren. Und was ist dafür noch immer die beste Methode? Kommunikation!

Die Arschlochtheorie

Warum stehen Frauen auf Arschlöcher? Diese Frage beschäftigt offensichtlich recht viele Männer, denn ich höre sie immer wieder. Und ganz ehrlich? Wir Frauen fragen uns das auch des Öfteren. Es ist ein seltsames Phänomen, denn im Grunde wollen wir einen von den Guten. Vor kurzem sprach ich mit einer Freundin darüber, dass Erfahrungen sich in unseren Genen einpflanzen. Sie sind zwar veränderbar, aber wenn ich etwas verinnerlicht habe und nicht dazu bereit bin, es zu verändern, gebe ich diese Informationen an meine Kinder weiter. Sie beendete dieses Gespräch mit dem Satz: „Und doch sind meine Eltern an allem schuld!“ Also habe ich mal darüber nachgedacht.

Über Jahrhunderte hinweg wurden Frauen immer als „niedrigere Wesen“ von Männern behandelt. Nicht in allen Kulturen. Es gibt durchaus Gemeinschaften, in denen die Frau gefeiert und geehrt wird. Aber im Grunde kann man sagen, dass auf dieser Welt Frauen viel mehr Verachtung und Erniedrigung entgegengebracht wird als Männern. In Kairo ist es noch immer nicht gerne gesehen, wenn eine Frau eine Vergewaltigung oder sexuelle Belästigung anzeigt und in den meisten muslimischen Ländern werden junge Mädchen noch immer beschnitten, obwohl es gegen das Gesetz ist. In vielen ländlichen Gebieten sind Frauen Hausfrauen und Mütter, während die Männer „die harte Arbeit“ verrichten. Das alles sind Muster, die sich über viele Generationen hinweg eingeprägt haben. Damit wurden diese Merkmale auch von Generation zu Generation weitergegeben.

Ich brauche nicht mal Jahrhunderte zurückgehen. Jahrzehnte reichen auch und eine Analyse meiner Familiengeschichte, um zu sehen, welche Muster weitergegeben wurden. Immer wieder gab und gibt es Frauen, die sich gegen konventionelle Rollenmuster auflehnen, aber es ist eine schwere Arbeit. Dennoch haben Frauen in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht, während man bei manchen Männern das Gefühl hat, sie seien in „einem Vakuum stehen geblieben“. Der Satz stammt von einem Freund von mir und ich finde ihn ganz toll. Aber auch die Männer müssen sich alte Rollenmuster ansehen und bearbeiten. Noch immer gibt es genug, die sich gerne eine schwache, nicht sonderlich intelligente Frau suchen, die zu ihnen hinauf sieht. Männliches Ego und so. Ist ein Muster, das den Männern in ihren Genen weitergegeben wurde.

Jetzt haben wir aber ein Problem: Die moderne Frau arbeitet wie eine Besessene daran, sich selbst neu zu erfinden und einzugliedern. Die Entwicklung ist rasant. Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir nicht wählen oder studieren durften. Und in vielen Ländern ist es noch immer traurige Realität. Aber mit der Entwicklung der Frau und der etwas rückständigen Entwicklung vieler Männer, verlieren sich die Geschlechter zunehmend. Der emanzipierte Mann formt sich erst, da ist die emanzipierte Frau bereits auf der Überholspur. Damit entsteht jedoch ein Ungleichgewicht.  „Frauen werden zu Konkurrentinnen der Männer“, sagte neulich eine andere Freundin zu mir. Und dennoch blieb etwas in unseren Genen erhalten, an dem wir noch immer so akribisch arbeiten und es nicht verstehen.

Das Arschloch: „Ein Player bleibt ein Player, egal wie die Frau ist“ musste ich neulich auf meiner Twitterwall lesen. Was ist an ihnen so anziehend? Vielleicht verkörpern sie eine ursprüngliche Form des Mannes? Möglicherweise sind wir in dieser Entwicklung noch nicht so weit wie in anderen Bereichen? Der Mann, der eine Frau erniedrigt, ist fest in unseren Genen verankert und es würde viel Arbeit bedeuten, das wieder aufzulösen. Sexuelle Phantasien über Männer, die Frauen beherrschen sind weit verbreitet und immer noch suchen viele Vergewaltigungsopfer die Schuld oft bei sich selbst. Welch tiefe Prägung haben wir hier noch zu überwinden! Frau durfte nicht voll und ganz Frau sein und sie kann es noch immer nicht richtig. Die Rucksäcke unserer Vergangenheit sind schwer. Die neue Generation ist stark, aber sie hat es nicht leicht, wenn unsere männlichen Artgenossen nicht mithelfen.

Das Bewusstsein darüber ist der erste Schritt nach vorne. Wenn wir unsere Gene verändern können, dann sollten wir das auch schleunigst tun. Nicht nur, um Frauen in der Politik oder in Führungspositionen zu haben, sondern auch, um unsere eigenen Beziehungen und unsere eigene Sexualität zu genießen. Vielleicht ist das Arschloch eine Rechtfertigung für ein noch immer viel zu tabuisiertes Thema? Schmutziger Sex mit einem Arschloch lässt uns die Verantwortung an sie abwälzen. Er ist ja so ein Arschloch, er hat mich hintergangen und erniedrigt. Aber vielleicht wollten wir hintergangen und erniedrigt werden, weil wir das so fest in uns verankert haben? Möglicherweise zieht uns ein Arschloch so sehr an, dass unser gesamtes verwirrtes biologisches System nach Fortpflanzung schreit. War ja über Jahrhunderte auch so.

Wir brüllen so laut nach Gleichberechtigung. Aber Gleichberechtigung ist es nicht, Männer selbst zu erniedrigen und wegzuwerfen. Gleichberechtigung ist, zu verstehen, dass jeder Mensch Mensch ist. Egal welches Geschlecht er besitzt. Und jeder Mensch braucht unterschiedlich lange für seine Entwicklung und wie sagt man so schön: jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Es liegt in der Natur des Menschen, sich zu entwickeln. Es gibt kein schwaches oder starkes Geschlecht, sondern nur schwache und starke Menschen. Und diese Generation hat sehr viele starke Menschen, sie entwickeln sich nur unterschiedlich schnell.

Och ist das süß…

Wenn man ein Studium ausgesucht hat, welches zu 90% aus Frauen besteht und im Freundeskreis männliche Freunde fehlen, dann kann es passieren, dass man als Frau plötzlich ein Problem mit Frauen hat. Zumindest geht es mir so. Früher hatte ich sehr viele Männer als Freunde. Ich war damals zwar noch jünger, aber ein Luder war ich dennoch. Trotzdem konnte ich mit Männern sehr gut befreundet sein. Ich genieße die Atmosphäre von Testosteron. Deswegen gehe ich auch gerne zum Public Viewing. Bier, Männer, die voller Enthusiasmus grölen, und ein sehr angenehmer Ausgleich zu den vielen Frauen in meinem Leben. Ich vermisse Männerfreundschaften.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es sich nicht geil anfühlt, die einzige Frau in einer Männerrunde zu sein. Auf eine Frau wird eher Rücksicht genommen und der ein oder andere begehrt sie auch. Ob es unfair ist, wenn man dabei seine Reize spielen lässt? Ich denke, das kommt ganz darauf an, wie viel man spielt. Ein bisschen flirten, ein bisschen blödeln. Das ist schon okay. Immerhin habe ich keinen Schwanz, das ist offensichtlich und das mit den Titten lässt sich, in meinem Fall, auch nur schwer verbergen. Und wäre es nicht gegen jegliches biologische Gesetz, wenn man die Sexualität ganz aus dem Spiel lässt?

Mir fehlt einfach dieses: „Och ist das süß“- Gen. Wenn mir jemand ein Foto von seinem Baby zeigt, dann kann ich das einfach nicht sagen. Es sprudelt auch nicht so aus mir heraus. Ich denke mir dann eher so Sachen wie: „Könnte mal ein hübscher junger Mann werden“ oder so etwas in der Art. Aber kann man das auch sagen? „Das wächst sich noch aus!“ Eltern finden ihre Kinder immer total schön und ganz toll. „Die Nase hat’s eindeutig vom Papa.“ Das kann man sagen und während ich es eigentlich komisch finde, ein Kind mit der Nase eines erwachsenen Mannes zu sehen, verstehen die Eltern das als ein Kompliment. Seltsam? Ja, es ist seltsam, eine Pädagogin zu sein, die Kinder nicht sonderlich mag. Aber ich bin ja auch Wissenschaftlerin und Pädagogik gibt es nicht nur für Kinder. Ja, der Name sagt das zwar, aber unser Feld hat sich (durch lebenslanges Lernen) auf den gesamten Lebenslauf ausgebreitet. Sexualpädagogik bei Kleinkindern wäre wohl auch etwas fehl am Platz. Obwohl es auch da Arbeitsfelder gibt, die sehr wichtig sind.

Zurück zum eigentlichen Thema: Ich mag die meisten Frauen nicht sonderlich. Wenn ich mich selbst dabei ertappe, gerade ein frauentypisches Klischee zu erfüllen, ärgere ich mich grün und blau. Frauen reden viel, aber sie reden auch viel um den heißen Brei. Das Eigentliche geht bei den stundenlangen „Warum will er mich denn nur nicht?“-Analysen irgendwann verloren. Frauen können tatsächlich irrsinnig lange sauer sein wegen einer Sache, die manch einer am nächsten Tag nicht mehr weiß. Zickenalarm! Mag ich auch nicht. Ich bekomme dann manchmal sogar Schnappatmung, weil ich nicht mehr zuhören kann. Meine engsten Freundinnen sind nicht ganz so mühsam, obwohl das auch zyklusbedingt ist. Und damit meine ich nicht den Menstruationszyklus, sondern eher Zyklen, die auf Grund der verschiedenen Lebensphasen entstehen. Andere Freundinnen von mir halte ich nur in einer bestimmten Dosis aus. Die haben das komplette Frauenpaket mitbekommen. Und aus meinem Studium hab ich mir genau die ausgesucht, die am besten mit mir klar kommen und mir zumindest ein bisschen ähnlich sind. So einfach bin ich nämlich auch nicht. Ich schreibe nicht nur so, ja, ich rede die meiste Zeit auch so.

Und was bitte soll dieses Gendern? Echt jetzt! Ich fühle mich absolut NICHT in meiner Weiblichkeit bedroht, wenn jemand in seinem Vortrag „werte Kollegen“ statt „werte Kollegen und Kolleginnen“ sagt. Ich finde es sogar seltsam und es dauert länger. Ich mach mich immer lustig über das Gendern und betone dann das I ganz speziell bei „KollegInnen”. Find ich total unnötig. Meine Brüste fallen nicht ab, wenn man mich nicht mit „-Innen” anspricht und das „Problem“ ist damit jetzt auch nicht unbedingt gelöst. Welches Problem eigentlich? Darüber müsste ich jetzt wohl noch einen politisch angehauchten Text verfassen oder gleich ein Buch schreiben. Zeit zu kurz, verschiebe ich auf morgen. Emanzipation und so.

Bin ich weniger weiblich, wenn ich mich mit Männern besser verstehe? Bin ich weniger weiblich, wenn ich das „Och, ist das süß“-Gen nicht besitze? Bin ich weniger weiblich, wenn ich nicht „richtig“ angesprochen werde und mich das einfach nicht tangiert? Mein Kalender, meine Zigaretten und mein Laptop sind rosa, meine Fingernägel lackiert und ich verwende jeden Tag Mascara und Parfüm. Ab und zu weine ich und ich kann auch stundenlang über ein und denselben Blödsinn reden. Hin und wieder trage ich High Heels und ich lästere über andere Frauen. Damit habe ich wohl genug Klischees erfüllt. Ich bin definitiv eine Frau und ich fühle mich in keinster Weise benachteiligt oder unterdrückt. Und wisst ihr warum? Weil ich es einfach nicht zulasse!

Der Frauenscanner

Jede Frau besitzt ein „Scanprogramm“. Ich kann jetzt leider nicht erklären, inwiefern dieses Programm von der Natur als sinnvoll erachtet wird, aber wir alle haben es. Manche etwas ausgeprägter als andere, nur zu verleugnen ist es nicht. Interessant ist jedoch, dass dieses Programm anderen Frauen gegenüber stärker eingesetzt wird als wir es für Männer nutzen. Wie das funktioniert, erkläre ich euch gerne:

Frauen haben ihren Radar immer angeschaltet. Die nähere Umgebung, bis zu 1km, wird komplett erfasst und kontrolliert. Nehmen wir als Beispiel eine junge Frau, die an einer Busstation wartet und kreieren folgendes Szenario: Außer ihr befinden sich zwei ältere Damen, ein asiatisches Pärchen, eine junge Frau mit ihrem Kind und zwei Jungs mit einem Mädchen im Schlepptau, wobei einer der Jungs offenbar der derzeitige Freund des mitgeschleppten Mädchens ist, an besagtem Ort. Los geht das Scanprogramm.

Zuallererst wird die Umgebung auf die Geschlechter hin sortiert. Wir haben in unserem Beispiel 3 männliche Mitmenschen und insgesamt 6 Weibchen. Das Kind ist schon einmal rausgefallen, weil es keine „Bedrohung“ für die Beobachterin darstellt. Nehmen wir weiter an, die Frau ist Mitte zwanzig und österreichischer Abstammung. Damit fallen die älteren Damen aus dem Radar, bei denen ist die Blütezeit schon vorbei und je nach Geschmackssache auch das asiatische Pärchen. Pärchen sind für Singledamen manchmal eine richtige Qual, sie können jedoch auch einfach nur uninteressant sein. Als nächstes kommt die Dreiergruppe mit den Jungs und dem Mädchen. Sie sind zwar zu jung, aber die kindliche Figur in den viel zu kurzen Shorts und die Coolness, die das Mädchen an den Tag legt, finden dennoch kurz Beachtung. Bleibt noch die ungefähr gleichalte Mutter übrig, die rein logisch betrachtet gar keine Mutter sein kann, weil sie so unglaublich schlank ist.

Und los geht es, das Vergleichen. Da hat die ein Kind und dann trotzdem eine so schöne Figur, so pralle, aber kleine Brüste. Was für eine nette Haarfarbe, aber man kann die Extensions sehen. Vielleicht sollte sie mehr Geld in den Frisör investieren. Und diese dünnen Ärmchen. Möglicherweise hat sie eine Essstörung. Zu dünn ist sie auf jeden Fall. Und diese Gelnägel, die waren ja noch nie schön. Aber ihre Sonnenbrille kann was. STOP!

Es ist zum Verrücktwerden. Frauen und ihr ewiges Gejammere über sich selbst und über andere. Opfer sind dann eh meist die Männer. Vor kurzem wurde mir unterstellt, ich würde manchmal Aussagen tätigen, die nur zum Zwecke des „Komplimenteerlangens“ dienen. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich da noch relativ locker bin, hauptsächlich meine Freundinnen damit belaste. Aber naja, auch ich erkenne meine Frauenstörungen an. Einem richtigen Mann ist es nicht wichtig, ob alles an uns perfekt ist. Jeder hat seinen eigenen Geschmack und wenn sich ein Mann für mich entscheidet, dann treffe ich seine Geschmacksknospen auch. Kein Wunder, dass unsere männlichen Mitmenschen schnell genervt und überfordert sind mit unserem selbstüberkritischen Genörgel. Ist ja auch wie ein Mienenfeld, auf dem sie sich bewegen. Egal, ob sie die Wahrheit sagen oder sich eine nette, kleine Lüge einfallen lassen, es kann schnell daneben gehen und BUMM! Nun verstehe ich auch endlich, warum Männer oft sagen, dass sie gerne eine Frau haben, die selbstbewusst ist. Und mit selbstbewusst ist bitte nicht arrogant gemeint.

Ich weiß, es ist schwer, seine eigene Schönheit anzuerkennen und als einzigartig zu betrachten. Das Scanprogramm funktioniert wunderbar genau in den Bereichen, die wir an uns selbst nicht mögen. Aber der einen passt ihr Schlanksein außerordentlich gut, während eine andere mit weiblichen Kurven weit mehr Sexappeal an den Tag legt, als wenn sie dieselbe Figur wie die Erstgenannte hätte. Vielleicht hat die eine lange, tolle Stelzen, während die andere zwar kürzere, aber dafür schöner geformte Beine hat. Wieder eine andere hat vielleicht einen flacheren Popo, dafür kann die nächste mit ihrem größeren Hinterteil saugut tanzen und es bewegen. Mag sein, dass die eine größere Brüste hat, aber die andere in ihrer Körperrelation wunderschön ist, weil ihr keine größeren Brüste stehen würden. Ich könnte das noch ewig so weiter führen, aber ich denke, es ist klar, was ich sagen will.

So oft haben wir schon gehört, dass es nichts bringt, sich mit anderen zu vergleichen. Außer vielleicht Unglück, Selbstzweifel und Stress. Wer´s mag, bitte. Ich beschäftige mich dann doch lieber mit anderen Themen. Charlotte Roche wurde mal in einem Interview gefragt, was sie sich wünschen würde, wenn sie einen Wunsch frei hätte: „Dass meine Tochter eines Tages ein gutes Körpergefühl hat!“ war ihre Antwort. Damit bringt sie es mit einem Satz auf den Punkt. Ein berühmtes Zitat von Coco Chanel ist mir in diesem Sinne auch noch eingefallen, was meiner Meinung nach viel zu oft „falsch“ interpretiert wird: “Eine Frau sollte sich jeden Tag so anziehen, als könnte sie ihrer großen Liebe begegnen.” Ich denke nicht, dass damit gemeint ist, sich jeden Tag bis zum Deppertwerden aufzubrezeln. Dort ein Haar wegzupfen, da den Bauch einziehen und hier die allerhöchsten Schuhe aus dem eigenen Sortiment. NEIN. Meiner Meinung nach sollte eine Frau nur das tragen, worin sie sich am wohlsten fühlt. Denn immer dann, wenn ich gerade nicht penibel auf mein Outfit achte, sondern einfach mal das anziehe, worin ich mich wirklich frei und natürlich bewegen kann, ernte ich die schönsten, freundlichsten und besten Blicke.

“He´s just not that into you”

Blöde Frauengene! Es gibt da nämlich so eine Sache, die Frauen unheimlich gut können. Wobei hier das Unheimliche hervorzuheben ist. Wir haben da so eine bestimmte „Fähigkeit“. Zerdenken nenne ich sie liebevoll. Und es ist jedes Mal eine Höllenfahrt. Angeblich wissen Männer viel schneller, was sie wollen, als wir Frauen das tun. Darum beneide ich meine männlichen Mitmenschen auch sehr. Laut einer aktuellen Studie – ja, manchmal muss auch ich das sagen – wissen Männer innerhalb kürzester Zeit, ob eine Frau für sie Beziehungs- oder nur Fickpotential hat. Und während sich so manche Frau tagelang den Kopf darüber zerbricht, ob er denn jetzt zu ihr passt, sie wirklich gerne hat oder sie irgendetwas „falsch“ gemacht haben könnte, sind die meisten Männer schon wieder ganz woanders. Oder sie sind immer noch da und warten geduldig, bis Frau alles zerdacht hat.

Feinsäuberlich in alle möglichen Einzelteile werden Situationen und Geschehnisse zerlegt. Ob man dort vielleicht zu viel, da vielleicht zu wenig gemacht hat. Bedeutet diese SMS jetzt wirklich mehr oder hat er das nur aus einer Laune heraus geschrieben? Könnte es sein, dass morgen alles wieder anders ist? Bin ich zu dick, zu dünn, zu blöd oder zu intelligent? Habe ich mich beim Blasen dumm angestellt? Vielleicht hätte ich den Sack doch besser vorsichtiger angreifen sollen? Hätten wir wirklich schon so schnell miteinander schlafen sollen? Hab ich da vielleicht zu viel und an anderer Stelle zu wenig gesagt? Gefällt ihm meine Intimrasur möglicherweise nicht?

Ja, so ein Frauenhirn ist manchmal wirklich sehr, sehr, sehr anstrengend. Im Gegensatz dazu hat es ein Mann oft wesentlich einfacher mit sich selbst. Nicht nur, dass Männer offensichtlich ein besseres Körpergefühl haben, sie zerdenken auch nicht alles und jeden Scheiß. Die sind da viel intuitiver und bodenständiger. Während viele Damen mit ihren Gedanken auf anderen Sphären schweben, verpassen die Männchen nicht die Welt um sich herum. Eher das Gegenteil ist der Fall. An dieser Stelle möchte ich jedoch mit einem alten Vorurteil aufräumen: Wir Frauen verlieben uns nicht, weil wir einen guten ONS hatten. Mal abgesehen davon, dass wir uns selten so schnell verlieben, können wir durchaus sehr gut Sex und Gefühle trennen. Also wenn ich jetzt mal von mir ausgehe. Wäre ja eine Katastrophe gewesen, wenn ich mich jedes Mal verliebt hätte. Nicht, dass es jetzt sooo oft passiert wäre, also die ONS. Aber ich verliebe mich halt auch nicht in jeden dahergelaufenen Trottel. Das Fatale sind nette Männer. Sobald ein Mann nett zu uns ist, geht so ein automatisches Programm los. Also, wenn er uns auch gefällt natürlich. Nicht nur, weil er nett ist. Er wird auf Beziehungstauglichkeit abgecheckt. Solange nicht sicher ist, ob er besteht, führen wir uns auf, als seien wir verliebt. Damit er nicht gleich wieder abhaut. Wir sind aber nicht sofort verliebt, wir zerdenken nur gerade. Und dazu brauchen wir ein Pokerface. Ist gemein? Ja, finde ich auch.

Viel gemeiner ist jedoch, dass wir damit den Männern die Entscheidungsmacht über unsere Beziehungen in die Hände legen. Während wir also so am Zerdenken sind und vielleicht nach einiger Zeit drauf kommen, dass er gut zu uns passen würde, hat er die Entscheidung bereits getroffen. Hat sie für ihn Beziehungspotential, wird er wohl brav ihre „Verliebtsheitsphase“ abwarten oder auch mitmachen, weil er es ja bereits ist – verliebt. Ist sie jedoch nur Fickpotential, braucht Frau sich nicht wundern, wenn er nach zwei Wochen ihren Namen nicht mehr weiß. Für ihn ist die Geschichte ja schon erledigt. Spätestens seit Sex and the City sollten wir wissen: „Er steht einfach nicht so auf dich!“. Ja, so einfach ist das. Wenn Mann wirklich will, dann macht er auch. Da gibt es nicht viel zu zerdenken.

Manchmal habe ich es wirklich satt, dieses Frauengen. Und wenn dann wieder-zum gefühlten 100sten Mal-eine Freundin mit dem Satz zu mir kommt: „Er war so süß und lieb zu mir und nachdem wir uns gesehen haben, meldet er sich nicht mehr“ hält mich nur die Freundschaft davon ab, ihren Kopf nicht bis zur Bewusstlosigkeit gegen einen Tisch zu schlagen.