Wann ist ein Mann ein Mann?

...oder: Wie Männer ihre Lust zeigen dürfen!

Die Rolle des Mannes in unserer heutigen Gesellschaft ist nicht unbedingt eine leichte. Ich verstehe die Orientierungslosigkeit vieler und es ist definitiv schwieriger geworden. Die klassische Rollenverteilung fällt zunehmend weg, auch wenn es immer noch viele Menschen gibt, die gerne traditionelle Beziehungen leben. Aber es gibt auch immer mehr Frauen, die das nicht mehr wollen. Und auch viele Männer sehnen sich nach anderen Formen der Beziehung als der Mutter-Vater-Kind Geschichte. Im Rahmen meiner Ausbildung lerne ich so vieles und oft begegnen mir durch diese Arbeit Menschen, die Dinge besser formulieren können als ich. Und wenn ich dann endlich die Worte gefunden habe, die ich suchte, dann schreibe ich natürlich gleich einen Text darüber.

Es gibt nun mal Männer und Frauen, das kann man nicht leugnen. Manch eine/r (vor allem die lästigen Genderexperten) schreit: „Wir sind alle Menschen!“ Ja natürlich sind wir das, aber warum sollen wir uns deswegen unser Geschlecht absprechen lassen? Im Tierreich gibt es ja auch Männchen und Weibchen und nicht nur Tiere und es gibt ja auch ganz viele verschiedene Arten von Tieren. Welch eine Farce wäre das, wenn man einen Frosch in die selbe “Kategorie” stecken würde wie einen Löwen? Gerade die Vielfältigkeit der Menschheit und der Tierwelt ist es doch, die unsere Welt so wunderbar macht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass durch den zwanghaften Versuch, uns alle gleich machen zu wollen, das Besondere verloren geht. Und wir sind jede/r für sich besonders, egal ob Mann oder Frau. Aber ein Mann wird niemals das fühlen können, was eine Frau fühlt und umgekehrt. Schon gar nicht beim Sex! Nirgends sind wir mehr Mann und Frau, als bei dieser wunderbaren Sache. Und das ist vollkommen in Ordnung so. Nur weil wir uns durch unsere Geschlechter voneinander unterscheiden heißt es ja nicht, dass wir unser Menschsein, schon gar nicht unsere Individualität verlieren. Aber genug davon, ich musste das nur mal klar stellen.

Während eines Seminars sprachen wir mit unserem Lehrgangsleiter über Fallbeispiele aus seiner Praxis. Es kommt immer öfter vor, dass Frauen mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind, weil der männliche Partner seine eigene Sexualität auf ihrer aufbaut. Wie das zu verstehen ist? Es gibt Männer (und davon mittlerweile sogar recht viele), die ihre Lust abhängig von der Lust des Anderen machen. Viele Frauen kennen Sätze wie: „Du bist ja gar nicht gekommen, alles in Ordnung?“ oder „Kommst du bald?“ oder „Bist du gekommen?“. Dieses Phänomen tritt sehr häufig auf und ich weiß gar nicht, wie oft Frauen schon versucht haben zu erklären, dass wir nicht jedes Mal einen vaginalen Orgasmus brauchen um guten Sex zu haben. Es gibt Frauen, die während dem Sex überhaupt nicht kommen können. Dann liegt das aber nicht am Mann. Er ist deswegen kein schlechter Liebhaber, absolut nicht! Es ist nicht fair, die Verantwortung für guten Sex in eine Hand zu legen. Indem ein Mann seine Lust von einer Frau abhängig macht, übergibt er ihr die Verantwortung dafür. „Es macht mir nur Spaß, wenn du Spaß hast!“ ist ein gefährlicher Satz. Er signalisiert der Frau: Du musst jetzt Spaß haben, sonst hat er auch nichts davon. Und damit sind wir aber weit entfernt von leidenschaftlichem Sex, weil unsere Energie nun nicht mehr in uns und bei der Sache ist.

Unser Vortragender hat etwas ganz wunderbares gesagt: Frauen wollen keine Arschlöcher und keine Weicheier, sie wollen einfach einen Mann, der bei sich ist. Einen Mann, der seine Lust wahrnimmt, spürt und sie auch offen zeigen kann. Natürlich kann man dabei auch Rücksicht auf die Bedürfnisse des Gegenübers nehmen. Das Eine schließt das Andere ja nicht aus! Kein Egoficker und auch keinen von denen, die nur Spaß haben, wenn Frau Spaß hat. Wenn eine Frau nicht mehr die Verantwortung für beide tragen muss (gilt natürlich auch andersrum), entsteht der Spaß beim Sex fast von alleine. Niemand spürt mich selbst so gut, wie ich es tue. Und ich kann nur loslassen und ganz bei mir sein, wenn es der andere auch tut. Sobald derjenige jedoch jede meiner Körperregungen genau wahrnimmt und analysiert, geht der Spaß logischerweise flöten. Lustvoll gehen lassen und gemeinsam in Ekstase verfallen lautet die Devise. Wenn sich etwas nicht so gut anfühlt oder man etwas nicht will, kann man den Mund ja jederzeit aufmachen und etwas sagen. Sich auf jemanden einlassen bedeutet, man selbst zu sein. Ich glaube nur, dass das nicht jeder versteht.

Sex ist keine einstudierte Perfomance. Ein Mann ist ein Mann, wenn er spürt was er mag und das auch leben kann. Wenn er seine Fantasien artikuliert und zu sich steht. Nichts ist schöner als ein Mann, der weiß was er will und sich das auch nehmen kann. Das gilt für Frauen übrigens genau so. Ein Blowjob bspw. wird zu einem unvergesslichen Erlebnis für beide, wenn jeder für sich Lust daran empfindet und es gerne hat. Das weiß ich aus eigener Erfahrung;) Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es geht nicht ums Arschloch sein und nicht darum rücksichtslos eine Frau zu ficken. Es geht darum, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und sie auch leben zu können. Und ihr Männer dürft auch eure wunderbaren Orgasmen erleben, ohne das wir Frauen vorher das halbe Haus Zusammengebrüllt haben. Vertraut mir, es ist in Ordnung so – weniger Druck und mehr Leidenschaft ist die Devise und dann ist ein Mann auch ein Mann!

 

Gute Liebhaber…

„Schöne Männer sind nicht gut im Bett, weil sie es nie sein mussten.“, verkündet Samantha Jones lautstark in einer Folge Sex and the City. Ich wehre mich vehement gegen solche Aussagen. Sie erinnern mich an die Statistiken, die Naturwissenschaftler an Massenmedien verkaufen: „75% aller Frauen über 25 hatten noch nie einen vaginalen Orgasmus“. Welche Frauen? Wie viele haben sie denn befragt und woher kommt diese Stichprobe? Geht es nur um Sex oder auch Selbstbefriedigung? Ich wurde nicht gefragt. Meine Freundinnen auch nicht. Vielleicht aber ist die Hypothese von Samantha Jones, obwohl sie eine fiktive Person ist, aussagekräftiger als jene der Wissenschaftler? Immerhin hat sie eine eigene persönliche empirische Studie nachzuweisen. Und diese haben wir alle, wenn es um unsere eigenen Erfahrungen geht. „Barkeeper sind besser im Bett als DJs“ und „kleine Männer haben im Durchschnitt größere Penisse“ sind Aussagen, die jede/jeder nur für sich selbst treffen kann. Und die Hypothese bleibt auch so lange aufrecht, bis man sie selbst widerlegt hat. Das ist Wissenschaft!

Was ich damit sagen möchte? Nichts in unserer Welt kann man eindeutig pauschalisieren. Außer vielleicht erwiesene physikalische Gesetze. Aber die absolute Wahrheit gibt es nicht. Zumindest keine, die für alle gemeinsam gilt. Schon gar nicht, wenn es um Sexualität geht. Für die eine kann ein Mann der absolute Knüller im Bett sein, während er für eine andere eher langweilig war. Eine Frau riecht für einen bestimmten Mann verdammt gut, während ein anderer Mann den Geruch derselben Frau absolut nicht leiden kann. Manch eine Frau braucht einen großen Penis, um genug spüren zu können. Eine andere hat großen Spaß an einem Durchschnittspenis. Kommt ja auch immer darauf an, wie gut mein Beckenboden trainiert ist oder wo sich meine Erregungspunkte befinden. Was ist also dann ein guter Liebhaber?

Wir glauben, ein guter Liebhaber sei jener, der von sich aus weiß, was er zu tun hat. Ein Mann, der eine Frau einfach nimmt und ihre Wünsche von ihren Augen ablesen kann. Aber mal ganz ehrlich: Männer sind auch nur Menschen. Wenn die das wirklich könnten, würden wir uns selbst tatsächlich die Rolle des schwachen Geschlechts auferlegen! Aber das können wir nicht verlangen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Mann zu treffen, der das wirklich kann, ist viel zu gering. Wenn 75% der Frauen über 25 keinen vaginalen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr haben, dann ist es meistens unsere eigene Schuld. Wie soll uns denn bitte ein Mann unsere weibliche Anatomie erklären? Das könnten ein Gynäkologe und manch ein Gigolo eventuell, aber dennoch bin ich nicht an denselben Stellen erregbar, wie die Frau davor. Das weiß ich selbst immer noch am besten.

Und ab wann ist ein Mann schön? Einer, der mir gut gefällt, muss nicht zwangsweise für andere schön sein. Ja, es gibt bestimmte „Idealtypen“, aber dennoch werde ich immer jemanden finden, dem diese oder jene Person nicht gefällt. Wenn ich also davon ausgehe, dass alle schönen Männer nicht gut im Bett sind, müsste ich ja nur mit Männern schlafen, die ich nicht so attraktiv finde und das möchte ich eigentlich nicht. Denn er soll mich optisch ja auch in gewisser Weise ansprechen.

Es gibt keine guten und schlechten LiebhaberInnen im eigentlichen Sinn. Aber es gibt guten und schlechten Sex. Dieser ist jedoch situationsbedingt. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Wollen wir in eine Person investieren oder nicht? Und damit meine ich jetzt nicht, gleich eine Beziehung aufzubauen. Es geht darum, sich auf jemanden einzulassen. Wie viele ONS waren schlecht, weil man schon zu müde war und sich nicht mehr wirklich um den Sex kümmern wollte? Vorher war man noch richtig geil und gut drauf, aber langsam wird man nüchtern (egal ob von Alkohol oder Hormonen) und dann ist es nur noch so lala. Sex ist ja nicht einfach nur daliegen und machen lassen, Sex ist Arbeit und Sport. Schöner Sport und angenehme Arbeit, wenn man investiert. Es geht um zwei Menschen, die gemeinsam ein Erlebnis teilen und nicht um zwei Menschen, die jeder für sich irgendwas tun.

Natürlich gibt es Männer, die nicht fähig dazu sind, auf eine Frau einzugehen. Aber den meisten Männern ist es wichtig, eine Frau befriedigen zu können. Und natürlich gibt es Frauen, die einfach nur daliegen, obwohl viele Männer sich freuen würden, wenn sie ihnen zeigen würden, was sie gerne möchten. Und genau hier wird investiert. Der Mann, der Rücksicht auf die Bedürfnisse einer Frau nimmt, und die Frau, die etwas gibt, das beiden gut tut. Wir achten viel zu wenig darauf, dass Sex immer etwas zwischen zwei Personen ist. Wir sollten uns bewusst darüber sein, dass wir für Geschlechtsverkehr immer eine zweite Person brauchen. Es geht um Menschen und nicht um Sexspielzeug! Und dann verstehen wir auch, dass wir andere nicht als schlechte LiebhaberInnen abstempeln können (ganz selten vielleicht, aber im Normalfall nicht), sondern, dass nur der Sex an sich nicht gut war. Und das Schöne daran ist, dass wir unsere Sexualität immer selbst in die Hand nehmen können.