Komm, lass uns ein Spiel spielen. Ich küsse dich und du küsst mich. Wir lachen gemeinsam über das Leben. Ich fahre mit dir an schöne Plätze und erzähle dir, dass ich ehrlich zu dir bin. So wie du zu mir. Du gibst mir zu verstehen, dass du mich toll findest. Ich gebe es zurück. Die Zeit bleibt stehen und der Tag gehört uns. Wir denken nicht ans Schlafengehen, denn die Nacht ist noch jung und alles wird von einer seltsamen Magie überzogen. Unsere Küsse machen süchtig, also gehen wir dieser Sucht nach. Wie ein Junkie, der das Heroin in seinen Venen spürt, der Stoff seinen Geist benebelt, ihm seinen Kummer und Schmerz nehmen. Mir ist schwindelig, du sagst, es gehe dir genauso. Wir sehen einander tief in die Augen und die Welt um uns herum verschwimmt. Du nimmst meine Hand, ich lasse sie wieder los. Ich liebe dich nicht und du liebst mich nicht, aber wir lieben uns in diesem Moment. In diesem Moment, aber keineswegs für immer. Ein Rausch von Gefühlen der Erregung und des Verlangens machen uns zu natürlichen Wesen. Ich will dich in mir spüren, mit allem, was du hast, aber wir geben der Versuchung nicht nach. Welch ein magischer Moment voller Chemie und Spannung. Bis zu dem Zeitpunkt, als du etwas ganz bestimmtes zu mir sagst: „Ich rufe dich morgen an!“
Die Worte hallen in meinem Kopf wider. Nimm sie bitte wieder zurück, denn damit hast du alles zerstört. Ich wollte glücklich in mein Bett gehen und nicht an morgen denken. Die Magie noch ein Stück weit tragen. Aber du kannst diese Worte nicht mehr zurücknehmen und ich frage mich: „Wieso hast du sie gesagt?“ Du hast den Moment der Magie in eine Schiene der Klischees und unausgesprochenen Lügen geworfen. Damit hast du meine Erinnerung an diesen Abend zerschlagen. Alles weg und das mit nur einem Satz. Ich habe dir gesagt, dass ich keine Spielchen spiele, du hast gesagt, dass du es auch nicht tust. Und dennoch hast du mir unfreiwillig eine Spieleinladung geschickt. Unfreiwillig von mir aus, denn ich spiele mit offenen Karten. Game over. Für dich, nicht für mich!
So einen Abend kann man nur einmal erleben und die Möglichkeit, es wieder genauso zu machen, ist ausradiert, sobald man die Pforten des leidigen, nie endenwollenden Spiels erreicht. Ich ziehe meinen Joker, denn ich weiß, dass ich das nicht will. Ich steige aus und behalte meinen Einsatz. Das ist es mir nicht wert. Ich ärgere mich, weil du nicht respektierst, dass ich nicht mit gezinkten Karten spiele, also lege ich sie vor dir auf den Tisch. Du bleibst auf dem Spielfeld, ohne zu sehen, dass ich längst nicht mehr da bin. Ich bin nicht so wie du und du bist nicht so wie ich. Du setzt auf alles, ich auf nichts und dazwischen gibt es nur ein oder. Das letzte Spiel vor diesem habe ich verloren und es hat mich ein Vermögen gekostet. Ich kann es mir nicht mehr leisten zu spielen. Du schon?
Lügen werden bestraft, also hüte deine Zunge vor Versprechen, welche du nicht vorhast zu halten. Versprich mir nur eine Sache: Dass du mir nichts versprichst! Wer die Regeln bricht, der hat schon gewonnen und so ziehe ich von dannen. Sag mir nicht, dass du es tust, wenn du es nicht tust. Ich weiß, wer will, der kann. Und wer nicht will, der hat schon. Ich will nicht mehr. Dein Ball ging ins „Out“, aber du hast die Ansage des Linienrichters überhört. That’s the game, honey! Du wolltest mit dem Feuer spielen aber pass auf, dass du dich nicht verbrennst. Meine Haut ist feuerfest.
Du spielst gut, aber leider mit der Falschen. Mein Morgen ist nicht dein Morgen, das ist offensichtlich. Aber ich habe es gewusst, denn du hast laut „Schach“ gerufen. Nur hast du mein geflüstertes „Matt“ überhört. Und dabei habe ich nicht einmal geschummelt. Du hast nur einen Punkt in der Spielanleitung nicht genau gelesen: „Ich fahre mit dir an schöne Plätze und erzähle dir, dass ich ehrlich zu dir bin.“

