Wenn man ein Studium ausgesucht hat, welches zu 90% aus Frauen besteht und im Freundeskreis männliche Freunde fehlen, dann kann es passieren, dass man als Frau plötzlich ein Problem mit Frauen hat. Zumindest geht es mir so. Früher hatte ich sehr viele Männer als Freunde. Ich war damals zwar noch jünger, aber ein Luder war ich dennoch. Trotzdem konnte ich mit Männern sehr gut befreundet sein. Ich genieße die Atmosphäre von Testosteron. Deswegen gehe ich auch gerne zum Public Viewing. Bier, Männer, die voller Enthusiasmus grölen, und ein sehr angenehmer Ausgleich zu den vielen Frauen in meinem Leben. Ich vermisse Männerfreundschaften.
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es sich nicht geil anfühlt, die einzige Frau in einer Männerrunde zu sein. Auf eine Frau wird eher Rücksicht genommen und der ein oder andere begehrt sie auch. Ob es unfair ist, wenn man dabei seine Reize spielen lässt? Ich denke, das kommt ganz darauf an, wie viel man spielt. Ein bisschen flirten, ein bisschen blödeln. Das ist schon okay. Immerhin habe ich keinen Schwanz, das ist offensichtlich und das mit den Titten lässt sich, in meinem Fall, auch nur schwer verbergen. Und wäre es nicht gegen jegliches biologische Gesetz, wenn man die Sexualität ganz aus dem Spiel lässt?
Mir fehlt einfach dieses: „Och ist das süß“- Gen. Wenn mir jemand ein Foto von seinem Baby zeigt, dann kann ich das einfach nicht sagen. Es sprudelt auch nicht so aus mir heraus. Ich denke mir dann eher so Sachen wie: „Könnte mal ein hübscher junger Mann werden“ oder so etwas in der Art. Aber kann man das auch sagen? „Das wächst sich noch aus!“ Eltern finden ihre Kinder immer total schön und ganz toll. „Die Nase hat’s eindeutig vom Papa.“ Das kann man sagen und während ich es eigentlich komisch finde, ein Kind mit der Nase eines erwachsenen Mannes zu sehen, verstehen die Eltern das als ein Kompliment. Seltsam? Ja, es ist seltsam, eine Pädagogin zu sein, die Kinder nicht sonderlich mag. Aber ich bin ja auch Wissenschaftlerin und Pädagogik gibt es nicht nur für Kinder. Ja, der Name sagt das zwar, aber unser Feld hat sich (durch lebenslanges Lernen) auf den gesamten Lebenslauf ausgebreitet. Sexualpädagogik bei Kleinkindern wäre wohl auch etwas fehl am Platz. Obwohl es auch da Arbeitsfelder gibt, die sehr wichtig sind.
Zurück zum eigentlichen Thema: Ich mag die meisten Frauen nicht sonderlich. Wenn ich mich selbst dabei ertappe, gerade ein frauentypisches Klischee zu erfüllen, ärgere ich mich grün und blau. Frauen reden viel, aber sie reden auch viel um den heißen Brei. Das Eigentliche geht bei den stundenlangen „Warum will er mich denn nur nicht?“-Analysen irgendwann verloren. Frauen können tatsächlich irrsinnig lange sauer sein wegen einer Sache, die manch einer am nächsten Tag nicht mehr weiß. Zickenalarm! Mag ich auch nicht. Ich bekomme dann manchmal sogar Schnappatmung, weil ich nicht mehr zuhören kann. Meine engsten Freundinnen sind nicht ganz so mühsam, obwohl das auch zyklusbedingt ist. Und damit meine ich nicht den Menstruationszyklus, sondern eher Zyklen, die auf Grund der verschiedenen Lebensphasen entstehen. Andere Freundinnen von mir halte ich nur in einer bestimmten Dosis aus. Die haben das komplette Frauenpaket mitbekommen. Und aus meinem Studium hab ich mir genau die ausgesucht, die am besten mit mir klar kommen und mir zumindest ein bisschen ähnlich sind. So einfach bin ich nämlich auch nicht. Ich schreibe nicht nur so, ja, ich rede die meiste Zeit auch so.
Und was bitte soll dieses Gendern? Echt jetzt! Ich fühle mich absolut NICHT in meiner Weiblichkeit bedroht, wenn jemand in seinem Vortrag „werte Kollegen“ statt „werte Kollegen und Kolleginnen“ sagt. Ich finde es sogar seltsam und es dauert länger. Ich mach mich immer lustig über das Gendern und betone dann das I ganz speziell bei „KollegInnen”. Find ich total unnötig. Meine Brüste fallen nicht ab, wenn man mich nicht mit „-Innen” anspricht und das „Problem“ ist damit jetzt auch nicht unbedingt gelöst. Welches Problem eigentlich? Darüber müsste ich jetzt wohl noch einen politisch angehauchten Text verfassen oder gleich ein Buch schreiben. Zeit zu kurz, verschiebe ich auf morgen. Emanzipation und so.
Bin ich weniger weiblich, wenn ich mich mit Männern besser verstehe? Bin ich weniger weiblich, wenn ich das „Och, ist das süß“-Gen nicht besitze? Bin ich weniger weiblich, wenn ich nicht „richtig“ angesprochen werde und mich das einfach nicht tangiert? Mein Kalender, meine Zigaretten und mein Laptop sind rosa, meine Fingernägel lackiert und ich verwende jeden Tag Mascara und Parfüm. Ab und zu weine ich und ich kann auch stundenlang über ein und denselben Blödsinn reden. Hin und wieder trage ich High Heels und ich lästere über andere Frauen. Damit habe ich wohl genug Klischees erfüllt. Ich bin definitiv eine Frau und ich fühle mich in keinster Weise benachteiligt oder unterdrückt. Und wisst ihr warum? Weil ich es einfach nicht zulasse!