Noch zwölf U-Bahn-Stationen, bis ich endlich zu Hause bin. Die Party war lustig, aber viel zu früh zu Ende. Ich hab voll einen sitzen. Eigentlich hätte ich gerne weiter gefeiert, aber die anderen waren alle zu müde. Wenn ich in Maßen trinke, werde ich immer sehr geil. Ich zähle dann im Kopf durch, welche Männer ich anrufen könnte, damit wir uns noch treffen. Aber ich tue es dann doch nicht. Ich hätte gerne was Neues, Frisches. Altbewährtes hat sich zwar bewährt, ist aber immer noch alt. Wird auch nicht mehr neu. Außer ich würde bei einem Unfall mein Gedächtnis verlieren. Für diesen Fall habe ich eine Liste über Altbewährtes. Denn wer möchte eine schlechte Erfahrung nochmal wiederholen? Nein, danke!
Ich habe ein Faible für jüngere Männer. Warum? Ganz einfach. Jüngere Männer strengen sich meistens mehr an, haben eine bessere Ausdauer und spielen nicht immer das gleiche Sexprogramm durch. Natürlich kann man sie nicht alle in einen Topf werfen, aber die Erfahrung hat mich einiges gelehrt. Jüngere Männer sind oft wissbegierig und lernwillig. Bei älteren kann es schon mal vorkommen, dass sie beleidigt sind, wenn man ihnen sagt, dass das gerade nicht ganz so toll ist. Schon mehrmals musste ich mir anhören: „Bis jetzt hat noch keine gemeckert!“ Um Himmels willen, nein? Dass Männer über die Anzahl ihrer Sexualpartnerinnen lügen, ist zwar bekannt, aber dennoch kann ich mir nicht vorstellen…nunja, es ist so: Er sagt mir, er hatte 70 Frauen. Ich hab mal irgendwas gehört, dass man bei Männern die gesagte Anzahl durch drei dividieren soll oder so. Kommen wir also theoretisch auf 23 und eine Halbe (z.B. sie hat ihm einen geblasen). Knapp 23 Frauen soll es nicht aufgefallen sein, dass er absolut nicht dazu fähig ist, ihre Klitoris zu finden? So stark kann ich mich anatomisch nicht von anderen Frauen unterscheiden. Wären es tatsächlich 70 Frauen fänd ich das Ganze ja noch dramatischer. Folgende Hypothese: Sagen wir es sind 22, weil die erste zählt ja nicht. Da war er noch Jungmann und da darf man sich noch irren. Und war die erste nur ein One Night Stand, dann hatte die zweite einen kompletten Neuling an der Angel. So sind es also nur noch 21, die zählen. Rechnen wir mich weg, kommen wir auf 20. 20 Frauen haben ihren Kitzler also woanders als ich. Interessant! Gehen wir lieber von einer realistischeren, aber viel traurigeren Hypothese
aus. 20 Frauen haben sich an einer Stelle befummeln lassen, die kaum ein Gefühl verursacht. Sie haben ihn in dem Wissen gelassen, dass das schon gut so ist. Warum? Entweder wollten sie gar keinen Sex oder aber- und das leuchtet mir mehr ein- sie wissen es selbst einfach nicht. Vielleicht war die ein oder andere auch einfach zu schüchtern, um etwas zu sagen. Aber es müsste doch mehr Frauen als nur mich geben, die etwas gesagt haben?! Anscheinend nicht, denn „bis jetzt hat noch keine gemeckert“. Da fährt der also sein Programm rauf und runter, um im Endeffekt nur sich selbst etwas Gutes getan zu haben. Und das nicht mal mit Absicht. Deswegen bevorzuge ich jüngere Männer. Manch einer Frau konnte ich damit auch schon Freude bereiten. Zumindest wurde mir die Zufriedenheit der darauffolgenden Sexualpartnerinnen teilweise geschildert. Aber es kann ja nicht die Aufgabe von ein paar Frauen sein, die sich mit ihrer Sexualität auseinandersetzen, all den Männern zu helfen und zu zeigen, wie es im Fundament aussieht?! Da müssen die Damen schon auch mal selbst Hand anlegen und ihre Berührungsängste loslassen. Überall wollen wir emanzipiert sein, aber beim Sex belügen wir uns und alle anderen. Dabei ist der weibliche Orgasmus eine so wundervolle Angelegenheit. Und wie sollen Männer wissen, was für uns gut ist, wenn wir es ihnen nicht zeigen? Verdammt nochmal, sie haben halt keine Muschi!
Ich werde aus meinen Gedanken gerissen. Schräg gegenüber in der U-Bahn sitzen drei jüngere, süße Kerle und pöbeln mich an: „Na Schnucki, wo geht’s denn noch hin? Magst noch mit uns Party machen?“ Ich sehe mir die drei näher an. Der, der mich angesprochen hat, ist mit Abstand der Süßeste. Ich stehe auf und gehe auf die kleine Gruppe zu. Langsam beuge ich mich dem Kerlchen entgegen und flüstere ihm ins Ohr: „Magst du mit zu mir kommen und wir stellen ein paar unartige Sachen miteinander an?“ Mit großen Augen starrt er mich an und wird knallrot. So schnell war der wohl noch nie nüchtern. „Dachte ich mir schon.“, entgegne ich ihm und setze mich zurück auf meinen Platz. Eines haben dann doch viele Männer gemeinsam, egal ob jung oder alt: Sie haben gerne eine große Klappe, aber nicht immer ist auch etwas dahinter!