Wann ist ein Mann ein Mann?

...oder: Wie Männer ihre Lust zeigen dürfen!

Die Rolle des Mannes in unserer heutigen Gesellschaft ist nicht unbedingt eine leichte. Ich verstehe die Orientierungslosigkeit vieler und es ist definitiv schwieriger geworden. Die klassische Rollenverteilung fällt zunehmend weg, auch wenn es immer noch viele Menschen gibt, die gerne traditionelle Beziehungen leben. Aber es gibt auch immer mehr Frauen, die das nicht mehr wollen. Und auch viele Männer sehnen sich nach anderen Formen der Beziehung als der Mutter-Vater-Kind Geschichte. Im Rahmen meiner Ausbildung lerne ich so vieles und oft begegnen mir durch diese Arbeit Menschen, die Dinge besser formulieren können als ich. Und wenn ich dann endlich die Worte gefunden habe, die ich suchte, dann schreibe ich natürlich gleich einen Text darüber.

Es gibt nun mal Männer und Frauen, das kann man nicht leugnen. Manch eine/r (vor allem die lästigen Genderexperten) schreit: „Wir sind alle Menschen!“ Ja natürlich sind wir das, aber warum sollen wir uns deswegen unser Geschlecht absprechen lassen? Im Tierreich gibt es ja auch Männchen und Weibchen und nicht nur Tiere und es gibt ja auch ganz viele verschiedene Arten von Tieren. Welch eine Farce wäre das, wenn man einen Frosch in die selbe “Kategorie” stecken würde wie einen Löwen? Gerade die Vielfältigkeit der Menschheit und der Tierwelt ist es doch, die unsere Welt so wunderbar macht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass durch den zwanghaften Versuch, uns alle gleich machen zu wollen, das Besondere verloren geht. Und wir sind jede/r für sich besonders, egal ob Mann oder Frau. Aber ein Mann wird niemals das fühlen können, was eine Frau fühlt und umgekehrt. Schon gar nicht beim Sex! Nirgends sind wir mehr Mann und Frau, als bei dieser wunderbaren Sache. Und das ist vollkommen in Ordnung so. Nur weil wir uns durch unsere Geschlechter voneinander unterscheiden heißt es ja nicht, dass wir unser Menschsein, schon gar nicht unsere Individualität verlieren. Aber genug davon, ich musste das nur mal klar stellen.

Während eines Seminars sprachen wir mit unserem Lehrgangsleiter über Fallbeispiele aus seiner Praxis. Es kommt immer öfter vor, dass Frauen mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind, weil der männliche Partner seine eigene Sexualität auf ihrer aufbaut. Wie das zu verstehen ist? Es gibt Männer (und davon mittlerweile sogar recht viele), die ihre Lust abhängig von der Lust des Anderen machen. Viele Frauen kennen Sätze wie: „Du bist ja gar nicht gekommen, alles in Ordnung?“ oder „Kommst du bald?“ oder „Bist du gekommen?“. Dieses Phänomen tritt sehr häufig auf und ich weiß gar nicht, wie oft Frauen schon versucht haben zu erklären, dass wir nicht jedes Mal einen vaginalen Orgasmus brauchen um guten Sex zu haben. Es gibt Frauen, die während dem Sex überhaupt nicht kommen können. Dann liegt das aber nicht am Mann. Er ist deswegen kein schlechter Liebhaber, absolut nicht! Es ist nicht fair, die Verantwortung für guten Sex in eine Hand zu legen. Indem ein Mann seine Lust von einer Frau abhängig macht, übergibt er ihr die Verantwortung dafür. „Es macht mir nur Spaß, wenn du Spaß hast!“ ist ein gefährlicher Satz. Er signalisiert der Frau: Du musst jetzt Spaß haben, sonst hat er auch nichts davon. Und damit sind wir aber weit entfernt von leidenschaftlichem Sex, weil unsere Energie nun nicht mehr in uns und bei der Sache ist.

Unser Vortragender hat etwas ganz wunderbares gesagt: Frauen wollen keine Arschlöcher und keine Weicheier, sie wollen einfach einen Mann, der bei sich ist. Einen Mann, der seine Lust wahrnimmt, spürt und sie auch offen zeigen kann. Natürlich kann man dabei auch Rücksicht auf die Bedürfnisse des Gegenübers nehmen. Das Eine schließt das Andere ja nicht aus! Kein Egoficker und auch keinen von denen, die nur Spaß haben, wenn Frau Spaß hat. Wenn eine Frau nicht mehr die Verantwortung für beide tragen muss (gilt natürlich auch andersrum), entsteht der Spaß beim Sex fast von alleine. Niemand spürt mich selbst so gut, wie ich es tue. Und ich kann nur loslassen und ganz bei mir sein, wenn es der andere auch tut. Sobald derjenige jedoch jede meiner Körperregungen genau wahrnimmt und analysiert, geht der Spaß logischerweise flöten. Lustvoll gehen lassen und gemeinsam in Ekstase verfallen lautet die Devise. Wenn sich etwas nicht so gut anfühlt oder man etwas nicht will, kann man den Mund ja jederzeit aufmachen und etwas sagen. Sich auf jemanden einlassen bedeutet, man selbst zu sein. Ich glaube nur, dass das nicht jeder versteht.

Sex ist keine einstudierte Perfomance. Ein Mann ist ein Mann, wenn er spürt was er mag und das auch leben kann. Wenn er seine Fantasien artikuliert und zu sich steht. Nichts ist schöner als ein Mann, der weiß was er will und sich das auch nehmen kann. Das gilt für Frauen übrigens genau so. Ein Blowjob bspw. wird zu einem unvergesslichen Erlebnis für beide, wenn jeder für sich Lust daran empfindet und es gerne hat. Das weiß ich aus eigener Erfahrung;) Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es geht nicht ums Arschloch sein und nicht darum rücksichtslos eine Frau zu ficken. Es geht darum, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und sie auch leben zu können. Und ihr Männer dürft auch eure wunderbaren Orgasmen erleben, ohne das wir Frauen vorher das halbe Haus Zusammengebrüllt haben. Vertraut mir, es ist in Ordnung so – weniger Druck und mehr Leidenschaft ist die Devise und dann ist ein Mann auch ein Mann!

 

Zuerst denken…

...dann ficken!

„Viele reflektieren sexuelle Praktiken nicht. Weder danach und schon gar nicht davor. Dabei wissen viele nicht, auf was sie sich dabei psychisch eigentlich einlassen. Wenn dann ein Gefühl von Scham oder Ekel mit der jeweiligen Praktik gekoppelt wird, entstehen auf lange Sicht Sexualstörungen.“ So wurde mir neulich aus psychologischer Sicht erklärt, was unreflektierte Sexualerlebnisse auslösen können. Jeder von uns ist  neugierig und das ist auch gut so. Die meisten probieren in jungen Jahren vieles aus, um ihre Erfahrungen zu sammeln. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht auch so meine Zeit gebraucht habe um zu erkennen was ich gerne habe und was nicht.

Heute weiß ich, welche Art von Sexualität mir persönlich gefällt und was ich brauche, um mich wohl zu fühlen. Manche wissen das schon in jungen Jahren, andere bis an ihr Lebensende nicht. Da Sexualität noch immer ein kompliziertes Thema in unserer Gesellschaft darstellt, fehlt vielen Menschen immer noch die Fähigkeit, Sexualität zu reflektieren. Oft richtet man sich nach den Maßstäben, die die Gesellschaft uns auferlegt. Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass wir Statistiken auf keinen Fall zu ernst nehmen können. Vor allem im Bereich der Sexualität sind quantitative Erhebungen nur wenig Aussagekräftig, weil viele Menschen bei solchen Befragungen unehrlich sind. Hat etwas mit Scham- und Schuldgefühlen zu tun. Und die Ergebnisse solcher Studien werden von Geldgebern gerne so Manipuliert, wie sie zu sein haben. Wenn ich weiß, dass ich etwas nicht will, dann sollte ich es auch nicht tun. Auch wenn die Statistiken oder vielleicht sogar meine Freunde mich als Außenseiter oder prüde klassifizieren.

Viele, vor allem junge Menschen, lassen sich davon zu sehr beeinflussen und denken nicht viel darüber nach, bevor sie bestimmte Dinge mit sich tun lassen. Wenn man sich näher mit der Materie auseinandersetzt, wird man schnell feststellen, dass es zu unzähligen Themen, total unterschiedliche Meinungen gibt. Eines dieser Themen ist Analsex. Diese sexuelle Praktik war bis 2003! in 13 Staaten der USA noch ungesetzlich. Ich musste sehr lachen, als ich das las. Das Wort Sodomie bedeutet eigentlich Analsex und wird im Deutschen fälschlicherweise mit Zoophilie (Sex mit Tieren) gleichgesetzt. Sodom und Gomorra! Natürlich wiedermal ein Ursprung aus der Bibel. Sämtliche Sexualpraktiken, welche nicht der Fortpflanzung dienen und als pervers eingestuft werden gelten als sodomisiert. Dadurch bekommt Analsex eine gewisse verbotene, geheimnisvolle Rolle (ein wunderbar sarkastischer Text dazu). Ist bis heute noch so. Und da man gerne das macht, was irgendwie verboten oder unmoralisch ist, probiert fast jede/r das auch irgendwann einmal aus. Ich persönlich lasse mein Hintertürchen vorzugsweise verschlossen, vor allem gegenüber Sexualpartnern, die ich noch nicht gut genug kenne. Solche Praktiken beinhalten für mich Vorbereitungszeit und Vertrauen. Denn immerhin „liefert“ man sich als Frau hierbei in gewisser Weise stärker aus als bei „normalem“ Geschlechtsverkehr.

Viele Leute mögen beim Sex das Spiel mit Macht und Schmerz. Manche mehr, manche weniger. Jedem das seine. Einige Frauen mögen es, von Männern dominiert, teilweise sogar richtig verletzt zu werden. Und auch viele Männer haben starke sexuelle Gewaltphantasien. Manche brauchen auch Frauen, die den Takt angeben. Dieses Machtspiel hat viel mit verbotenen und tabuisierten Praktiken zu tun. Vor allem in unseren Breitengraden ist Sexualität stark mit Gewalt und Macht verbunden. Ich nenne es Pornoficken. Ob es einen Zusammenhang mit der Übersexualisierung und dieser Art von Sexualität gibt, kann ich hier nicht behaupten (dafür habe ich zu wenig recherchiert), aber ich würde es annehmen. Jugendliche sehen ständig Pornos, Analsex ist dabei oft ein wesentlicher Bestandteil, aber es fehlt ihnen die Kompetenz, gesehenes auch realistisch zu reflektieren. Die Vorbereitungszeit für eine Analsexszene wird natürlich nicht gezeigt, wäre aber wohl hilfreich.

Ich selbst habe mich für tantrische Sexualität entschieden und mittlerweile einige Menschen kennen gelernt, die diese Art von Sexualität ebenfalls für sich entschieden haben. Die Philosophie ist dabei eine ganz andere und würde den Rahmen dieses Textes wohl sprengen. Natürlich gibt es auch im tantrischen die Möglichkeit von Analsex, wird aber ohne diesem Machtgefälle und dem klassischen Pornogeficke praktiziert. Hier gibt es keine Tabus. Schon gar keine mit religiösem Hintergrund. Das Körperbild und damit der Körper und all seine Öffnungen werden hier ganz anders betrachtet. Eine Freundin von mir hat vor kurzem einen interessanten Mann kennen gelernt, der tantrische Sexualität praktiziert. Einer meiner Artgenossen also. Sie kennt das (noch) nicht und hat mich panisch angerufen und gefragt, was sie da eigentlich tun muss. Zu ihrer Überraschung konnte ich sie rasch beruhigen und ihr diese Art von Sexualität schmackhaft machen. Ich bin gespannt, wie es bei den beiden weiter geht;).

Lange Rede, kurzer Sinn: Hätte ich nicht die Kompetenz, Sexualität zu reflektieren und damit herauszufinden, was ich mag und was nicht, hätte ich heute nicht diese erfüllende Sexualität, die ich nun einmal habe. Ich habe auch schon darüber geschrieben, dass nicht alle Menschen sexuell miteinander kompatibel sind und auch das ist vollkommen in Ordnung. Aber man sollte sich auf keinen Fall zu Dingen drängen lassen, die einem nicht gefallen nur um jemand anderem etwas Gutes zu tun oder um ihm/ihr zu gefallen. Ich muss mich selbst spüren, um zu wissen was ich will. Aber ich muss mir dabei auch immer bewusst sein, welche Dinge mir die Gesellschaft vorgibt und welche Dinge ich auch tatsächlich von mir aus möchte. Ausprobieren? Ja bitte! Nein sagen, weil man seine eigenen Grenzen kennt? Auf jeden Fall! Man darf niemals vergessen, dass bestimmte Sexualpraktiken, überlegt und gut vorbereitet sein sollten, um eine Wahrscheinlichkeit einer Sexualstörung zu vermeiden. Ich weiß, dass viele von euch das wissen, aber ich weiß auch, dass es einige nicht tun und damit mein Appell an all jene, die es nicht tun: „Zuerst denken, dann kann ich auch hemmungs- und bedenkenlos ficken!“

Die verbotene Frucht…

...oder doch die sichere Nummer?

„Es gibt zwei Arten von Menschen und ich mag beide nicht“, las ich neulich auf Twitter. Ganz so eingeschränkt würde ich das vielleicht nicht sehen. Was der Typ damit meinte, weiß ich auch nicht, aber es brachte mich zum Nachdenken. Für viele Männer gibt es zwei grobe Kategorien von Frauen: Die sichere Nummer und die verbotene Frucht. Natürlich gibt es viele verschiedene Variationen und Abstufungen und manche sind ganz und gar uninteressant. Aber ich gehe jetzt mal von den Frauen aus, die einem Mann auffallen. Leider sind einige Männer von Haus aus feige. Ich würde da auf keinen Fall alle in eine Kategorie stecken (nein, wirklich nicht), aber männliche Bequemlichkeit führt oft dazu, dass ein Mann sich lieber die sichere Nummer als Partnerin wählt.

Die genauen Hintergründe kann ich nur erahnen. Möglicherweise brauchen manche einen Menschen, von dem sie immer und trotz viel Blödsinn bedingungslos geliebt werden, egal was passiert. Eine Person, die einiges mit sich machen lässt und hin und wieder sind das auch Menschen mit minderem Bildungsniveau (aber nicht immer!). Ich habe schon oft Männer getroffen, deren Partnerinnen durchaus sehr nette Menschen sind, aber viel drauf haben sie nicht. Ich denke, je stärker eine Frau wird, umso weniger Männer wollen mit ihr zusammen sein. Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass Frauen durch die Emanzipation ihre Passivität großteils abgelegt haben und immer öfter als Konkurrentinnen wahrgenommen werden. Das süße, jungfräuliche, brave Liebchen wird immer mehr abgelöst durch die selbstständige Powerfrau, die weiß, was sie will. Natürlich führt das zu Problemen. Denn eine Frau, die weiß, was sie will, wird sich nicht allzu lange irgendeinen Scheiß gefallen lassen.

Ich arbeite derzeit an einer Studie über Sexualität im weiblichen Lebenslauf und musste traurigerweise feststellen (war mir zwar im Vorhinein auch schon bewusst, aber wenn man es nochmal schwarz auf weiß liest, trifft es einen nochmal ins Herz), dass unglaublich viele Frauen der älteren Generation ihre Sexualität nie entwickeln konnten oder durften. Sei es jetzt durch strenge, antisexuelle Erziehung oder die Tabuisierung der weiblichen Sexualität innerhalb einer Gesellschaft. Die meisten von ihnen kennen bis ins hohe Alter ihre Bedürfnisse nicht und können diese somit auch nicht artikulieren. Und wenn sie sie kennen, dann trauen sie sich dennoch nicht immer, offen darüber zu sprechen. Der koitale Akt als „Gesetz“ in der Ehe hatte bis vor ein paar Jahren noch einen eigenen Paragraphen. Lang ist das noch nicht her, dass Frauen sich dem sexuell dominierenden Mann hingaben, weil sie dachten, dass sie es müssen und es teilweise wirklich mussten. Und noch heute kommt es durchaus vor, dass Frauen mit ihren Männern schlafen, weil sie Angst davor haben, verlassen oder betrogen zu werden. Oder es werden Affären als willkommenes „Geschenk“ hingenommen, um dem Mann nicht mehr sexuell ‚dienen‘ zu müssen. Ja, das ist teilweise noch immer so.

Doch parallel dazu hat sich die weibliche Sexualität in vielen Gesellschaften weiterentwickelt. Einige Muster sind noch tief in uns verankert, aber viele Frauen schaffen sich ihre eigene sexuelle Identität. Einer meiner Leser stellte einmal fest, dass es noch immer einen krassen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, die mit mehreren Sexualpartnern verkehren. Männer sind die Helden, Frauen die Huren! Immer noch. Es gibt heutzutage auch noch Zeitungsartikel, die Frauen, welche über 10 Sexualpartner hatten, die Wahrscheinlichkeit einer Ehe absprechen. Kein Mann will eine Frau, die mit zu vielen Männern Sex hatte. Aber warum nicht? Und woher soll er das denn wissen, wenn ich es ihm nicht sage? Ich bin mir z.B. sicher, dass einige Menschen, die meinen Blog lesen, sich immer wieder denken: „Na die hatte sicher jede Menge Typen im Bett!“ Natürlich wird hier brav die Schublade geöffnet und ich hineingeworfen. Und das nur, weil ich eine Frau bin, die über Sexualität spricht und für sich selbst herausfindet, was sie will. Meine Zahl bleibt natürlich unter Verschluss, aber ich kann euch sagen, dass sie nicht abnormal hoch ist. Ich kenne Frauen, die um einige mehr hatten und welche, die natürlich drunter sind. Man braucht nicht unzählige Sexualpartner, um zu wissen, welche Bedürfnisse man hat. Man braucht nur welche, mit denen man seine Bedürfnisse teilen und leben kann.

Aber als sexuell selbstbewusste Frau wird man schnell von vielen Männern als die verbotene Frucht abgestempelt. Die könnte ja zu anstrengend werden und dann muss man sich vielleicht darum bemühen, sie zu halten. Ach Gott, wie mühsam! Die nehmen dann lieber eine von den sicheren Nummern und denken an die verbotene Frucht, während die sichere Nummer neben ihnen schläft. Das „Problem“ bei der verbotenen Frucht ist: wenn man sie einmal gekostet hat, wird man ihren Geschmack so schnell auch nicht mehr vergessen. Wir alle suchen Leidenschaft, aber sie ist nur gut, wenn sie auch wieder zu Ende geht. Ich hatte auch eine verbotene Frucht. Ja, es gibt auch Männer, die diese Rolle einnehmen können. Immer wenn wir uns sahen, mussten wir uns haben. Für eine Nacht. Aber mit ihm zusammen sein? Oh nein, viel zu mühsam! So gesehen tendieren Frauen wohl mit der Zeit auch dazu, sich lieber eine sichere Nummer zu suchen. Ich persönlich habe meine Probleme damit. Wie kann man mit jemandem zusammen sein, den man nur so lala findet? Und wer für den einen eine verbotene Frucht ist, kann für einen anderen doch die sichere Nummer sein. Vielleicht müssen wir auch einfach weg von diesem Kategorie denken? Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die innerhalb einer Beziehung beides für ihren Partner sein können. Leidenschaft und Liebe gehören doch zusammen und bevor ich mich langweile, habe ich lieber einen Mann, den ich ab und zu ‚bändigen‘ muss. Und natürlich finde ich es auch großartig, wenn er das bei mir genauso macht. Und trotzdem können wir uns darauf verlassen, eine sichere gemeinsame Basis zu haben. Männer, die sich nur die sichere Variante suchen, sind für mich schlussendlich Luschen. Denn ein richtiger Mann kann es auch mit einer richtigen Frau aufnehmen.

Wife & Whore

Versaut, abgestumpft und so unglaublich verdorben. So viel wird über Sex gesprochen, ständig sind wir damit konfrontiert. Sex sells! Wenn ich jemandem erzähle, dass ich im Bereich der Sexualpädagogik meine Zukunft sehe, entstehen in vielen Menschen (vorrangig bei Männern) sexuell angehauchte Bilder. Die Lehrerin mit dem Rohrstock, die dem bösen Jungen eine Lektion erteilt, weil er ihr nicht hörig ist. Wenn man sich als Frau mit Sexualität beschäftigt, wird man automatisch in eine Schublade gesteckt. Manche Männer sind eingeschüchtert, andere wollen ihr Können sofort unter Beweis stellen und wieder andere wollen über ihre sexuellen Probleme reden. Ganz ehrlich: Es ist nicht einfach und es macht auch nicht immer Spaß! Aber es ist nun einmal ein Bereich, der mich sehr interessiert und in dem es immer noch unglaublich viele Themen gibt, die man auch thematisieren muss. Lieber führe ich mit jemandem eine Debatte über Problembereiche der Sexualität, als mir anzuhören, wie viele Frauen ein Typ an einem Wochenende flachgelegt hat und wie oft er zusätzlich masturbiert. Ja, solche Dinge kommen vor.

Unsere Gesellschaft ist überpornografisiert. Sex ist Macht und Gier. Jeder will es, am liebsten sofort und ohne Komplikationen. Geiles Pornoficken mit männlichem Ejakulat auf dem weiblichen, empfangenden Körper. Das allzeit bereite lüsterne Weib mit weit aufgerissenem Mund. Die Frau als passive Rolle in der Sexualität. Verdorben und gleichzeitig heilig. Rein soll sie sein, fast jungfräulich und unschuldig. Aber im selben Atemzug muss sie wissen, was sie zu tun hat, um einen Mann „bei der Stange“ zu halten. Engel und Hure. In der Geschlechterforschung auch „good woman (wife)“ und „bad woman (whore)“ genannt. Ein sozial konstruiertes Bild von der guten Ehefrau und der Männerfresserin. Miteinander kaum kompatibel. Nicht mal in einem Pornofilm.

Ständig sind wir dieser Überreizung ausgesetzt, messen unsere Sexualität an der Statistik der anderen. Wie oft in der Woche sollte ein Paar Sex haben? Wie viele Sexualpartner sollte man ausprobieren? Welche Nationalitäten versprechen gute LiebhaberInnen, welche schlechte? Wo ist der scheiß G-Punkt? Es ist schön zu wissen, dass es auch Menschen gibt, die die ursprüngliche Sexualität noch zu erfassen versuchen. Für Sex braucht man Zeit und die nötige Reife. Eine Freundin meinte letztens zu mir: „Ich denke, ich habe zu jung angefangen, mich dann richtig ausgelebt und jetzt will ich das alles so nicht mehr.“ Ein Freund von mir sagte vor kurzem etwas ähnliches. Er fühlte sich abgestumpft und ausgelaugt. Zu viel emotionsloser Pornosex. Hat er jetzt auch keine Lust mehr dazu.

Mit dem Alter verändern sich meistens die Wahrnehmung und auch die Qualität von Sexualität. Vorausgesetzt, man ist fähig zur Reflexion und Entwicklung. Die Frage ist dabei auch, ab wann findet Sexualität statt? Sex ist für die meisten der Zeitpunkt, bei dem man anfängt, die Schamgegend eines anderen Menschen mit offensichtlicher Absicht zu erregen. Für manche ist es auch erst der Zeitpunkt einer Penetration. Wieder andere sehen Küssen oder sogar Flirten als sexuelle Aktivität. Viele Frauen zählen Männer nur zu ihren Sexualpartnern, wenn sich der koitale Akt vollzogen hat. Einige Männer wiederum zählen fast alles. Deswegen haben die auch im Durchschnitt immer mehr Sexualpartner. Wieder ein Beweis dafür, wie schlecht man einer Statistik trauen kann. Ist nämlich immer Definitionssache. Wir alle bauen mit der Zeit eine sexuelle Identität auf. Diese verändert sich im Laufe des Lebens durch unsere Erfahrungen. Setzt man sich damit auseinander, kann man Stück für Stück herausfinden, was einem gefällt und diese Bedürfnisse auch kommunizieren.

Wenn man wirklich Spaß daran hat, wie in einem Porno zu ficken, dann ist das auch okay. Genauso, wie es in Ordnung ist, SM zu praktizieren oder sich der tantrischen Sexualität zu öffnen. Aber durch die Entwicklung der eigenen Sexualität ist man nun auch nicht mehr mit jedem Menschen sexuell kompatibel. Sex wird damit individuell und unterschiedlich. Jetzt stehen wir also nicht mehr nur vor der Herausforderung, einen Partner fürs Leben zu finden, sondern wir müssen auch jemanden finden, der ähnliche sexuelle Bedürfnisse hat. Und wie finden wir das heraus? Wir müssen darüber kommunizieren. Wir müssen wissen, was wir uns von Sex erwarten und was wir bereit sind zu geben. Eine Frau, die gerne Fesselspielchen spielt, wird irgendwann frustriert sein, wenn sie eine Ehe mit einem sexuell anders gestimmten Mann führt, der es gerne einfach und altmodisch hat. Vor kurzem habe ich einen Artikel über ebendiese Situation gelesen. Als die Frau ihren Partner mit ihren Bedürfnissen konfrontierte, hatte sie das Glück, dass er ihre Wünsche mit ihr teilt. Damit konnte eine Ehe mehr gerettet werden.

Egal, was man uns über Sex erzählen will, nur jeder/jede für sich kann herausfinden, was er/sie sich wünscht. Pornos können manche in ihrer Sexualität bereichern und inspirieren, während andere (vorrangig jüngere Menschen) ein verfälschtes Bild bekommen können. Wir müssen unsere Kinder vor dieser Überreizung schützen, damit sie eines Tages ihre eigene sexuelle Identität entwickeln können. Ich meine damit jedoch nicht, dass die „Big Lie“ (wissenschaftliche Bezeichnung der Asexualisierung von Kindheit durch Verbote und Tabuisierung) weitergeführt werden soll, sondern dass wir auch mit unseren Kindern über Sexualität kommunizieren müssen. Und nichts anderes machen Sexualpädagogen.

Gute Liebhaber…

„Schöne Männer sind nicht gut im Bett, weil sie es nie sein mussten.“, verkündet Samantha Jones lautstark in einer Folge Sex and the City. Ich wehre mich vehement gegen solche Aussagen. Sie erinnern mich an die Statistiken, die Naturwissenschaftler an Massenmedien verkaufen: „75% aller Frauen über 25 hatten noch nie einen vaginalen Orgasmus“. Welche Frauen? Wie viele haben sie denn befragt und woher kommt diese Stichprobe? Geht es nur um Sex oder auch Selbstbefriedigung? Ich wurde nicht gefragt. Meine Freundinnen auch nicht. Vielleicht aber ist die Hypothese von Samantha Jones, obwohl sie eine fiktive Person ist, aussagekräftiger als jene der Wissenschaftler? Immerhin hat sie eine eigene persönliche empirische Studie nachzuweisen. Und diese haben wir alle, wenn es um unsere eigenen Erfahrungen geht. „Barkeeper sind besser im Bett als DJs“ und „kleine Männer haben im Durchschnitt größere Penisse“ sind Aussagen, die jede/jeder nur für sich selbst treffen kann. Und die Hypothese bleibt auch so lange aufrecht, bis man sie selbst widerlegt hat. Das ist Wissenschaft!

Was ich damit sagen möchte? Nichts in unserer Welt kann man eindeutig pauschalisieren. Außer vielleicht erwiesene physikalische Gesetze. Aber die absolute Wahrheit gibt es nicht. Zumindest keine, die für alle gemeinsam gilt. Schon gar nicht, wenn es um Sexualität geht. Für die eine kann ein Mann der absolute Knüller im Bett sein, während er für eine andere eher langweilig war. Eine Frau riecht für einen bestimmten Mann verdammt gut, während ein anderer Mann den Geruch derselben Frau absolut nicht leiden kann. Manch eine Frau braucht einen großen Penis, um genug spüren zu können. Eine andere hat großen Spaß an einem Durchschnittspenis. Kommt ja auch immer darauf an, wie gut mein Beckenboden trainiert ist oder wo sich meine Erregungspunkte befinden. Was ist also dann ein guter Liebhaber?

Wir glauben, ein guter Liebhaber sei jener, der von sich aus weiß, was er zu tun hat. Ein Mann, der eine Frau einfach nimmt und ihre Wünsche von ihren Augen ablesen kann. Aber mal ganz ehrlich: Männer sind auch nur Menschen. Wenn die das wirklich könnten, würden wir uns selbst tatsächlich die Rolle des schwachen Geschlechts auferlegen! Aber das können wir nicht verlangen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Mann zu treffen, der das wirklich kann, ist viel zu gering. Wenn 75% der Frauen über 25 keinen vaginalen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr haben, dann ist es meistens unsere eigene Schuld. Wie soll uns denn bitte ein Mann unsere weibliche Anatomie erklären? Das könnten ein Gynäkologe und manch ein Gigolo eventuell, aber dennoch bin ich nicht an denselben Stellen erregbar, wie die Frau davor. Das weiß ich selbst immer noch am besten.

Und ab wann ist ein Mann schön? Einer, der mir gut gefällt, muss nicht zwangsweise für andere schön sein. Ja, es gibt bestimmte „Idealtypen“, aber dennoch werde ich immer jemanden finden, dem diese oder jene Person nicht gefällt. Wenn ich also davon ausgehe, dass alle schönen Männer nicht gut im Bett sind, müsste ich ja nur mit Männern schlafen, die ich nicht so attraktiv finde und das möchte ich eigentlich nicht. Denn er soll mich optisch ja auch in gewisser Weise ansprechen.

Es gibt keine guten und schlechten LiebhaberInnen im eigentlichen Sinn. Aber es gibt guten und schlechten Sex. Dieser ist jedoch situationsbedingt. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Wollen wir in eine Person investieren oder nicht? Und damit meine ich jetzt nicht, gleich eine Beziehung aufzubauen. Es geht darum, sich auf jemanden einzulassen. Wie viele ONS waren schlecht, weil man schon zu müde war und sich nicht mehr wirklich um den Sex kümmern wollte? Vorher war man noch richtig geil und gut drauf, aber langsam wird man nüchtern (egal ob von Alkohol oder Hormonen) und dann ist es nur noch so lala. Sex ist ja nicht einfach nur daliegen und machen lassen, Sex ist Arbeit und Sport. Schöner Sport und angenehme Arbeit, wenn man investiert. Es geht um zwei Menschen, die gemeinsam ein Erlebnis teilen und nicht um zwei Menschen, die jeder für sich irgendwas tun.

Natürlich gibt es Männer, die nicht fähig dazu sind, auf eine Frau einzugehen. Aber den meisten Männern ist es wichtig, eine Frau befriedigen zu können. Und natürlich gibt es Frauen, die einfach nur daliegen, obwohl viele Männer sich freuen würden, wenn sie ihnen zeigen würden, was sie gerne möchten. Und genau hier wird investiert. Der Mann, der Rücksicht auf die Bedürfnisse einer Frau nimmt, und die Frau, die etwas gibt, das beiden gut tut. Wir achten viel zu wenig darauf, dass Sex immer etwas zwischen zwei Personen ist. Wir sollten uns bewusst darüber sein, dass wir für Geschlechtsverkehr immer eine zweite Person brauchen. Es geht um Menschen und nicht um Sexspielzeug! Und dann verstehen wir auch, dass wir andere nicht als schlechte LiebhaberInnen abstempeln können (ganz selten vielleicht, aber im Normalfall nicht), sondern, dass nur der Sex an sich nicht gut war. Und das Schöne daran ist, dass wir unsere Sexualität immer selbst in die Hand nehmen können.

Sex zerstört alles?!

Neulich sagte meine Freundin zu mir: „Sex zerstört alles!“ Ich denke noch immer über diese Aussage nach, weil ich einfach nicht weiß, was ich darüber denken soll. Das ist so eine von den Aussagen, die jeder irgendwann mal sagt und keiner weiß genau, warum. Denn was macht Sex so schlecht, dass es etwas zerstört? “Naja, wenn man mit seinem besten Freund Sex hat, zerstört man eine Freundschaft”, höre ich da welche aufschreien. Schwachsinn! Wenn ich mit meinem besten Freund schlafe muss es eine sexuelle Anziehung gegeben haben und wenn es die gibt, dann ist man nicht „platonisch“ befreundet. “Kann sich ja auch erst mit der Zeit entwickeln, die sexuelle Begierde”, schreien ein paar andere. Ja, wenn man sich von Kind auf kennt und miteinander aufwächst und dann geschlechtsreif wird, vielleicht. Oder man sieht den besten Freund tatsächlich wie einen Bruder. Dann könnte man vorsichtig sogar von „inzestuöser“ Sexualität sprechen. Obwohl das biologisch natürlich nicht stimmt, gefühlsmäßig trifft das aber vielleicht zu.

Sex ist doch eine sehr schöne Sache. Schläft eine Frau bei dem ersten Date mit einem Mann, ist das Resultat in den meisten Fällen, dass es bei einem ONS bleibt. Zumindest der Statistik nach. Aber was hat der Sex da zerstört? Vielleicht hat er die beiden ja vor etwas anderem gerettet? Woher soll ich denn vorher wissen, ob jener der Richtige für mich gewesen wäre? „Hätten wir nur nicht so schnell miteinander geschlafen…“ Auch Schwachsinn! Wenn man sich sexuell begehrt, dann soll man es doch bitte treiben dürfen. Ich glaube, dass die Aussage: „Schlafe nie zu schnell mit einem Mann“ von Frauen stammt, die Liebe und Sex verwechseln. Denn wenn ein Mann sich wirklich total in mich verliebt, schläft er lieber früher als später mit mir. Also ist mein Fazit dabei: Bin ich geil und ist er geil, dann lasst es uns doch treiben wie die … Das Herz eines Mannes damit gewinnen zu wollen, ist zwar eine süße Idee, legt der Frau jedoch eine schwierige und total erniedrigende Rolle auf.

Gut, andere These: Sex kann- Achtung Aufklärung- zu Krankheit und/oder Schwangerschaft führen. Jap, gibt ja einige Menschen in unserer „zivilisierten“ Gesellschaft, die scheinbar noch nie etwas von einem Kondom gehört haben. Junge Mädchen nehmen die Anti-Baby-Pille nur vor dem Sex, weil ihre FrauenärztInnen (Achtung, ich gendere!) oder Eltern es nicht für nötig gehalten haben, ihnen zu erklären, dass man die jeden Tag nehmen muss. Viele wissen nicht, dass manche Krankheiten auch von Oralsex übertragen werden können und wieder andere glauben, wenn er seinen Penis rechtzeitig rauszieht, verhütet man richtig. Aber eigentlich ist es hier auch nicht der Sex, der alles zerstört. So manch einer liebt sein zunächst ungewolltes Kind mehr als alles andere auf der Welt und würde es um nichts mehr missen wollen. Die Zerstörung sehe ich hier eigentlich in der eigenen Unverantwortlichkeit und Unwissenheit. Und wie ein altes Sprichwort so schön sagt: „Unwissenheit schützt vor Torheit nicht!“

Anderer Punkt: Gerüchte besagen, je länger man verheiratet ist, umso weniger hat man Sex. Sehr schade. Einer (meistens der Mann, kenne aber auch umgekehrte Fälle) will jedoch sehr gerne regelmäßig besteigen und bestiegen werden. Ist halt ein Dilemma. Muss man sich dann wohl wen anderen suchen. Führt aber zu Ehekrisen und oft, logischerweise, zu Scheidungen. Aber als Grund würde ich hier nicht den Sex, sondern den fehlenden Sex sehen. Und wer fragt eigentlich mal nach, warum die Paare keinen Sex mehr haben? Die Chemie sollte sich eigentlich nicht allzu sehr verändert haben. Somit hat auch hier der Sex nichts zerstört, er hätte wohl eher etwas retten können.

Das einzige, was Sex wirklich zerstört, ist die Psyche eines Menschen. Und das auch nur, wenn er nach den ICD-11 als sexsüchtig diagnostiziert wurde. Solch eine krankhafte Veranlagung haben jedoch nur 0,5 – 5% der westlichen Bevölkerung. Auch wenn manch einer gerne behauptet, sexsüchtig zu sein, so ist die wahre Sexsucht keine Erkrankung, mit der man gerne hausieren geht. Hier besteht also durchaus Zerstörungsmacht bis hin zum Suizid.

Sexualität ist eine natürliche Sache, für die wir uns nicht genieren müssen. Sie zerstört nur dann etwas, wenn wir sie als Macht-, Druck- oder Pflichtmittel sehen! Vielleicht zerstören wir ja die Sexualität und nicht die Sexualität zerstört etwas? Kein Thema ist so natürlich und unnatürlich zugleich. Und dennoch reden wir viel zu wenig darüber. Also, lasst uns doch bitte mehr über Sex reden. Nehmen wir der Sexualität endlich das Etikett des Verbotenen. Eva wurde im Paradies von der Schlange verführt und hat den Apfel gegessen. Wir alle wissen wohl, welche Schlange sie tatsächlich verführt hat. Und was ist bitte daran verwerflich, dass Adam sehen wollte, wie der Saft des Apfels über Evas wunderbaren, nackten Frauenkörper läuft?! Ich finde das sehr sexy.

Der Weg zum Orgasmus!

10 Wege, wie sie garantiert zum Orgasmus kommen. Schon wieder so eine Schlagzeile, bei der mir das davor Gegessene fast hochkommt. So genannte „Experten“ schreiben Gebrauchsanleitungen für Frau und Mann, damit sie einem Phänomen endlich auf die Schliche kommen. Wie kopflastig und klassisch vertrottelt das ist. Liegen manche Leute dann echt im Bett und unterbrechen zwischendurch, weil sie mal schnell eine Seite weiterblättern müssen? „So, Schatzi, und jetzt ist es Zeit, das Kissen unter mein Becken zu legen. Und jetzt ganz langsam…oh ja…ich spüre was.“ Oi! Aber es gibt ja sogar Menschen, die während des Sex an ihr Handy gehen, also muss es wohl wahr sein.

Wegen solcher Artikel, die sich leider großer Popularität erfreuen, glauben manche Menschen wirklich, dass ihr Körper wie eine Maschine funktioniert. Wenn man diesen Schalter und jenen Hebel drückt, dann passiert dies und jenes. Mag bei dem ein oder anderen vielleicht tatsächlich funktionieren, kann aber nicht wirklich toll sein. Sexualität ist weg vom Kopf und hin zu unserer Natur. Sex ist animalisch und leidenschaftlich, Gefühl und Gedankenleere. Deswegen streben wir auch so sehr nach Orgasmen. Aber es wurden Richtlinien entwickelt, die es uns erschweren. Mir ist es schon mal passiert, dass ein Mann mir nach dem Sex vorwarf, ich hätte keinen Orgasmus gehabt und er würde das wissen, weil er weiß wie eine Frau sich aufführt, wenn sie einen Orgasmus hat. Mag ja sein, dass die ein oder andere die komplette Nachbarschaft zusammenbrüllt, wenn es so weit ist. Muss ich auch manchmal mitanhören. Aber nicht jeder Mensch ist gleich und schon gar nicht jede Frau. Ich habe Männer erlebt, die beim Sex wie Gorillas mit Brunftschreien um sich werfen, während andere ganz in sich gekehrt und eher ruhig sind. Und so ist das auch bei Frauen. Die Energie im Körper verstärkt sich, wenn man in sich bleibt, bis es so weit ist. Angeblich ist man während eines Orgasmus für ein paar Augenblicke taub und blind. Keine Ahnung, ich hab noch nie darauf geachtet. Hab da keine Zeit dafür. Aber was definitiv stimmt, ist, dass man für einen Moment alles um sich herum vergisst. In diesem Moment, in dem sich die gesamte Energie entleert, die man angesammelt hat, kann es passieren, dass man schreien muss. Oder aber, man muss es nicht. Mein ganzer Körper zuckt, wenn ich einen Orgasmus hatte. Also, bei einem vaginalen, versteht sich. Ist bei einem klitoralen wieder anders. Da zuckt nur untenrum in der bestimmten Zone etwas. Daher kann ein Mann einer Frau nicht vorwerfen, dass sie keinen Orgasmus hatte, weil sie jetzt vielleicht nicht gebrüllt hat oder ihr Körper nicht nachzuckt. Die Frage sollte lauten: „Hattest du einen vaginalen oder klitoralen Orgasmus?“ Das ist ein großer Unterschied. Und ja, Sex kann auch ohne diese beiden sehr schön sein und sich gut für uns anfühlen. Männer wissen ja nicht, wie körperlich anstrengend vaginale Orgasmen für uns sind.

Vor kurzem habe ich in einer Frauenrunde endlich mal über Selbstbefriedigung sprechen können. Tun Frauen viel zu selten. Wir tauschen uns da nicht richtig aus. Dabei finde ich es sehr interessant, neue Techniken kennenzulernen. Ich glaube, dass die weibliche Selbstbefriedigung deswegen ein so tabuisiertes Thema ist, weil sie so kompliziert individuell ist. Bei Frauen ist es eher unwahrscheinlich, dass sie sich in einer Gruppe treffen und gemeinsam masturbieren. Männer haben es da mal wieder einfacher. Da hängt alles außen herum. Schnell lernt ein Mann, damit umzugehen. Er kann sich selbst dabei auch noch so toll zusehen. Können wir nicht. Also, wir können uns schon vor einen Spiegel legen, aber wer hat schon so einen großen Spiegel gleich vor seinem Bett stehen und schaut sich selbst dabei auch immer zu? Wir müssen in uns hinein, wenn wir etwas über uns herausfinden wollen. Es ist warm, weich, feucht und dunkel. Ich denke, dass viele Frauen davor zurückschrecken. Dafür sind Hilfsmittel wie Vibratoren eine ganz tolle Sache. Die einen machen es gerne nur mit ihrer Hand, die anderen genießen ihr Spielzeug. Manch eine steht mehr auf klitorale, andere auf vaginale Orgasmen. Da hat letztens eine zu mir gesagt, dass sie erstere lieber mag. Ich kann ihr da jetzt unterstellen, was ich will. Mir geht es so nicht. Vielleicht ist es ihr einfach nur zu anstrengend oder sie hatte noch keine vaginalen Orgasmen. Keine Ahnung, ich bin ja nicht in ihrem Körper, aber ich selbst bin davon überzeugt, dass Frauen beides haben können und noch einiges mehr. Sie müssen es nur selbst herausfinden.

Seht ihr, wie kompliziert das ist?! Orgasmus ist nicht gleich Orgasmus. Und der Sex ist jetzt auch nicht schlechter, weil Frau „nur“ einen klitoralen hatte. Wie ihr seht, gibt es auch Frauen, die das lieber mögen. Für Orgasmen und vor allem für guten Sex gibt es keine Gebrauchsanweisung! Was ich Frauen raten würde, die Orgasmusprobleme haben? Spielt an euch selbst herum. Findet heraus, was ihr gerne habt und was nicht. Probiert Spielzeuge aus und macht es euch verdammt nochmal selbst. Dann könnt ihr euch auch das holen, was ihr braucht. Man lernt bei Selbstbefriedigung seinen Körper unwahrscheinlich gut kennen. Spürt Muskeln, die man vorher gar nicht kannte, erlebt Pulsieren, welches überraschen kann. Und dann heißt es Kopf aus und Körper an. Scheißegal, ob man dabei brüllt oder nicht, der Körper zuckt oder krampft. Hauptsache, es fühlt sich einfach richtig gut an! Also lasst die Spiele beginnen.

Zu Beginn ein bisschen was zum lachen, aber auch nachdenken…

Noch zwölf U-Bahn-Stationen, bis ich endlich zu Hause bin. Die Party war lustig, aber viel zu früh zu Ende. Ich hab voll einen sitzen. Eigentlich hätte ich gerne weiter gefeiert, aber die anderen waren alle zu müde. Wenn ich in Maßen trinke, werde ich immer sehr geil. Ich zähle dann im Kopf durch, welche Männer ich anrufen könnte, damit wir uns noch treffen. Aber ich tue es dann doch nicht. Ich hätte gerne was Neues, Frisches. Altbewährtes hat sich zwar bewährt, ist aber immer noch alt. Wird auch nicht mehr neu. Außer ich würde bei einem Unfall mein Gedächtnis verlieren. Für diesen Fall habe ich eine Liste über Altbewährtes. Denn wer möchte eine schlechte Erfahrung nochmal wiederholen? Nein, danke!

Ich habe ein Faible für jüngere Männer. Warum? Ganz einfach. Jüngere Männer strengen sich meistens mehr an, haben eine bessere Ausdauer und spielen nicht immer das gleiche Sexprogramm durch. Natürlich kann man sie nicht alle in einen Topf werfen, aber die Erfahrung hat mich einiges gelehrt. Jüngere Männer sind oft wissbegierig und lernwillig. Bei älteren kann es schon mal vorkommen, dass sie beleidigt sind, wenn man ihnen sagt, dass das gerade nicht ganz so toll ist. Schon mehrmals musste ich mir anhören: „Bis jetzt hat noch keine gemeckert!“ Um Himmels willen, nein? Dass Männer über die Anzahl ihrer Sexualpartnerinnen lügen, ist zwar bekannt, aber dennoch kann ich mir nicht vorstellen…nunja, es ist so: Er sagt mir, er hatte 70 Frauen. Ich hab mal irgendwas gehört, dass man bei Männern die gesagte Anzahl durch drei dividieren soll oder so. Kommen wir also theoretisch auf 23 und eine Halbe (z.B. sie hat ihm einen geblasen). Knapp 23 Frauen soll es nicht aufgefallen sein, dass er absolut nicht dazu fähig ist, ihre Klitoris zu finden? So stark kann ich mich anatomisch nicht von anderen Frauen unterscheiden. Wären es tatsächlich 70 Frauen fänd ich das Ganze ja noch dramatischer. Folgende Hypothese: Sagen wir es sind 22, weil die erste zählt ja nicht. Da war er noch Jungmann und da darf man sich noch irren. Und war die erste nur ein One Night Stand, dann hatte die zweite einen kompletten Neuling an der Angel. So sind es also nur noch 21, die zählen. Rechnen wir mich weg, kommen wir auf 20. 20 Frauen haben ihren Kitzler also woanders als ich. Interessant! Gehen wir lieber von einer realistischeren, aber viel traurigeren Hypothese aus. 20 Frauen haben sich an einer Stelle befummeln lassen, die kaum ein Gefühl verursacht. Sie haben ihn in dem Wissen gelassen, dass das schon gut so ist. Warum? Entweder wollten sie gar keinen Sex oder aber- und das leuchtet mir mehr ein- sie wissen es selbst einfach nicht. Vielleicht war die ein oder andere auch einfach zu schüchtern, um etwas zu sagen. Aber es müsste doch mehr Frauen als nur mich geben, die etwas gesagt haben?! Anscheinend nicht, denn „bis jetzt hat noch keine gemeckert“. Da fährt der also sein Programm rauf und runter, um im Endeffekt nur sich selbst etwas Gutes getan zu haben. Und das nicht mal mit Absicht. Deswegen bevorzuge ich jüngere Männer. Manch einer Frau konnte ich damit auch schon Freude bereiten. Zumindest wurde mir die Zufriedenheit der darauffolgenden Sexualpartnerinnen teilweise geschildert. Aber es kann ja nicht die Aufgabe von ein paar Frauen sein, die sich mit ihrer Sexualität auseinandersetzen, all den Männern zu helfen und zu zeigen, wie es im Fundament aussieht?! Da müssen die Damen schon auch mal selbst Hand anlegen und ihre Berührungsängste loslassen. Überall wollen wir emanzipiert sein, aber beim Sex belügen wir uns und alle anderen. Dabei ist der weibliche Orgasmus eine so wundervolle Angelegenheit. Und wie sollen Männer wissen, was für uns gut ist, wenn wir es ihnen nicht zeigen? Verdammt nochmal, sie haben halt keine Muschi!

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen. Schräg gegenüber in der U-Bahn sitzen drei jüngere, süße Kerle und pöbeln mich an: „Na Schnucki, wo geht’s denn noch hin? Magst noch mit uns Party machen?“ Ich sehe mir die drei näher an. Der, der mich angesprochen hat, ist mit Abstand der Süßeste. Ich stehe auf und gehe auf die kleine Gruppe zu. Langsam beuge ich mich dem Kerlchen entgegen und flüstere ihm ins Ohr: „Magst du mit zu mir kommen und wir stellen ein paar unartige Sachen miteinander an?“ Mit großen Augen starrt er mich an und wird knallrot. So schnell war der wohl noch nie nüchtern. „Dachte ich mir schon.“, entgegne ich ihm und setze mich zurück auf meinen Platz. Eines haben dann doch viele Männer gemeinsam, egal ob jung oder alt: Sie haben gerne eine große Klappe, aber nicht immer ist auch etwas dahinter!