“Frühlingsgemogle”

Selten liebe ich so bedingungslos und hingebungsvoll. Aber ich tue es.

Der Frühling hat zaghaft seinen Weg zu uns gefunden und mit ihm der Drang des Menschen und natürlich auch der Tiere, sich sexuell wieder etwas mehr zu betätigen. Frühlingsgefühle nennt man das so lieb, wenn die Hormone wieder aus dem Winterschlaf erwachen und leicht bis mittelgradig schwer verrückt spielen. Lyrik und Poesie haben viel über dieses Thema geschrieben und so manch einer besingt sie auch. Von Filmen wollen wir hier nicht mehr sprechen. Ein paar kleine Frühlingsgeschichten habe auch ich für euch:

Marie lernte einen interessanten, gutaussehenden und charismatischen Typen kennen. Sie versanden sich gut, schickten sich Musik und kleine, selbstgedrehte Filmchen, verknallten sich ein bisschen ineinander. Er wohnt einige Kilometer von ihr entfernt, aber eines Tages machte er sich auf den Weg und besuchte diese wunderbare, fremde Frau. An jenem Wochenende sprühte sie nur so vor Liebe und Jugendlichkeit. Sie dachte nicht mehr darüber nach, welche Probleme, aufgrund der weiten Entfernung, eine mögliche Beziehung mit sich bringen würde. Sie lebte und genoss und das tat auch er. Die Frühlingsgefühle überschwappten sie in unaufhaltsamer Geschwindigkeit, bis die Ernüchterung folgte und alles wieder weg war. Also er ist weg, die Gefühle schon noch da. Aber durch seine Abwesenheit konnte Marie beginnen, wieder zu denken und wir wissen, was passiert, wenn Frauen zerdenken! Das Ende ist kurz und bündig: Nach Herzschmerz kommt der Alkohol, gefolgt von Erkenntnis und Stolz bis hin zur wiedergewonnenen Freiheit.

Petra befand sich in einem katastrophalen Zustand. Sie liebte jemanden, der ihre Gefühle nicht erwidern konnte, aber sie liebte mit voller Kraft. Hingebungsvoll kümmerte sie sich und machte alles für das Objekt ihrer Begierde. Irgendwann musste sie einsehen, dass das Ganze keinen Sinn mehr hat und verließ die Beziehung schweren Herzens. Eine Phase der Trauer und leichten Selbstzerstörung folgte und selbst Freunde oder ihre Therapeutin konnten nicht viel machen. Petra entschied sich, vollgepackt mit Kompromissen, zurückzugehen und eine mögliche Freundschaft aufzubauen. Es geht ihr besser, sie wirkt gefasst. Ich denke, dass sie im Moment aufgehört hat, zu zerdenken. Immerhin ist sie ein Mensch, der meistens einen kühlen Kopf bewahrt, auch wenn ein Waldbrand außer Kontrolle gerät. Ihr liebevolles Herz ist einfach auf der Suche, aber wessen Herz ist das nicht?

Anna lebt nach außen gerne die Starke. Sie liebt es, allen anderen, Ratschläge in Sachen Liebe zu erteilen nur sie selbst hat große Angst davor. Es kam, wie es kommen musste. Ein Mann, den sie mochte und der sich für sie interessierte, trat auf einmal in ihr Leben. Sie war verwirrt, eingeschüchtert und rang nach jedem Strohhalm. Innerhalb eines Monats durchlebten die beiden Turteltäubchen sämtliche Höhen und Tiefen, die man so haben kann. Auch er war verwirrt, schien selbst nicht so genau zu wissen, was er will. Heiß und kalt spielten sie miteinander, wollten sich nicht festlegen. Aus Angst! Jetzt sind die Gefühle am abschwächen, der Alltag hat schnell wieder die Oberhand gewonnen. Dabei möchte Anna sehr gerne diese scheiß 3 – 6 Monate frische Liebe, von denen einem immer wieder erzählt wird. Manchmal zweifelt sie daran, dass Wissenschaftler Liebe richtig definieren. Denn an ihr kann es nun wirklich nicht liegen.

Marie, mit dem wunderschönen Höhenflug und dem fast ebenso raschen Fall, Petra, mit der intensiven, unerwiderten Liebe und Anna, mit der Angst vor Bindungen und dem verlorenen Glauben an die Wissenschaft, haben aber auch etwas gemeinsam. Sie sind Freundinnen und als solche lieben sie sich Aufrichtig. Die Probleme mit der Liebe können noch so groß sein, der Schmerz noch so tief, die Angst viel zu groß. Sie können aufeinander zählen. Wenn die Frühlingsgefühle sich als eine Mogelpackung entlarven, gibt es sie, die die Scherben wieder versuchen aufzuklauben. Und dabei geht es nicht immer darum, alles wieder gutzumachen. Es ist nur wichtig, dass sie füreinander da sind.

Zu Beginn schrieb ich, dass ich hingebungsvoll und bedingungslos liebe. Vielleicht dachte der eine oder andere daran, dass ich den Mann für mein Leben gefunden habe. Nein, das habe ich nicht. Aber ich habe die besten Freunde, die ich jemals hatte und dafür bin ich jeden Tag dankbar. In diesem Sinne widme ich diese Zeilen zwei ganz besonderen Menschen, die wissen, dass ich sie damit meine. Ihr werdet immer ein Teil meines Herzens sein.

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