Blöde Frauengene! Es gibt da nämlich so eine Sache, die Frauen unheimlich gut können. Wobei hier das Unheimliche hervorzuheben ist. Wir haben da so eine bestimmte „Fähigkeit“. Zerdenken nenne ich sie liebevoll. Und es ist jedes Mal eine Höllenfahrt. Angeblich wissen Männer viel schneller, was sie wollen, als wir Frauen das tun. Darum beneide ich meine männlichen Mitmenschen auch sehr. Laut einer aktuellen Studie – ja, manchmal muss auch ich das sagen – wissen Männer innerhalb kürzester Zeit, ob eine Frau für sie Beziehungs- oder nur Fickpotential hat. Und während sich so manche Frau tagelang den Kopf darüber zerbricht, ob er denn jetzt zu ihr passt, sie wirklich gerne hat oder sie irgendetwas „falsch“ gemacht haben könnte, sind die meisten Männer schon wieder ganz woanders. Oder sie sind immer noch da und warten geduldig, bis Frau alles zerdacht hat.
Feinsäuberlich in alle möglichen Einzelteile werden Situationen und Geschehnisse zerlegt. Ob man dort vielleicht zu viel, da vielleicht zu wenig gemacht hat. Bedeutet diese SMS jetzt wirklich mehr oder hat er das nur aus einer Laune heraus geschrieben? Könnte es sein, dass morgen alles wieder anders ist? Bin ich zu dick, zu dünn, zu blöd oder zu intelligent? Habe ich mich beim Blasen dumm angestellt? Vielleicht hätte ich den Sack doch besser vorsichtiger angreifen sollen? Hätten wir wirklich schon so schnell miteinander schlafen sollen? Hab ich da vielleicht zu viel und an anderer Stelle zu wenig gesagt? Gefällt ihm meine Intimrasur möglicherweise nicht?
Ja, so ein Frauenhirn ist manchmal wirklich sehr, sehr, sehr anstrengend. Im Gegensatz dazu hat es ein Mann oft wesentlich einfacher mit sich selbst. Nicht nur, dass Männer offensichtlich ein besseres Körpergefühl haben, sie zerdenken auch nicht alles und jeden Scheiß. Die sind da viel intuitiver und bodenständiger. Während viele Damen mit ihren Gedanken auf anderen Sphären schweben, verpassen die Männchen nicht die Welt um sich herum. Eher das Gegenteil ist der Fall. An dieser Stelle möchte ich jedoch mit einem alten Vorurteil aufräumen: Wir Frauen verlieben uns nicht, weil wir einen guten ONS hatten. Mal abgesehen davon, dass wir uns selten so schnell verlieben, können wir durchaus sehr gut Sex und Gefühle trennen. Also wenn ich jetzt mal von mir ausgehe. Wäre ja eine Katastrophe gewesen, wenn ich mich jedes Mal verliebt hätte. Nicht, dass es jetzt sooo oft passiert wäre, also die ONS. Aber ich verliebe mich halt auch nicht in jeden dahergelaufenen Trottel. Das Fatale sind nette Männer. Sobald ein Mann nett zu uns ist, geht so ein automatisches Programm los. Also, wenn er uns auch gefällt natürlich. Nicht nur, weil er nett ist. Er wird auf Beziehungstauglichkeit abgecheckt. Solange nicht sicher ist, ob er besteht, führen wir uns auf, als seien wir verliebt. Damit er nicht gleich wieder abhaut. Wir sind aber nicht sofort verliebt, wir zerdenken nur gerade. Und dazu brauchen wir ein Pokerface. Ist gemein? Ja, finde ich auch.
Viel gemeiner ist jedoch, dass wir damit den Männern die Entscheidungsmacht über unsere Beziehungen in die Hände legen. Während wir also so am Zerdenken sind und vielleicht nach einiger Zeit drauf kommen, dass er gut zu uns passen würde, hat er die Entscheidung bereits getroffen. Hat sie für ihn Beziehungspotential, wird er wohl brav ihre „Verliebtsheitsphase“ abwarten oder auch mitmachen, weil er es ja bereits ist – verliebt. Ist sie jedoch nur Fickpotential, braucht Frau sich nicht wundern, wenn er nach zwei Wochen ihren Namen nicht mehr weiß. Für ihn ist die Geschichte ja schon erledigt. Spätestens seit Sex and the City sollten wir wissen: „Er steht einfach nicht so auf dich!“. Ja, so einfach ist das. Wenn Mann wirklich will, dann macht er auch. Da gibt es nicht viel zu zerdenken.
Manchmal habe ich es wirklich satt, dieses Frauengen. Und wenn dann wieder-zum gefühlten 100sten Mal-eine Freundin mit dem Satz zu mir kommt: „Er war so süß und lieb zu mir und nachdem wir uns gesehen haben, meldet er sich nicht mehr“ hält mich nur die Freundschaft davon ab, ihren Kopf nicht bis zur Bewusstlosigkeit gegen einen Tisch zu schlagen.