...oder doch die sichere Nummer?
„Es gibt zwei Arten von Menschen und ich mag beide nicht“, las ich neulich auf Twitter. Ganz so eingeschränkt würde ich das vielleicht nicht sehen. Was der Typ damit meinte, weiß ich auch nicht, aber es brachte mich zum Nachdenken. Für viele Männer gibt es zwei grobe Kategorien von Frauen: Die sichere Nummer und die verbotene Frucht. Natürlich gibt es viele verschiedene Variationen und Abstufungen und manche sind ganz und gar uninteressant. Aber ich gehe jetzt mal von den Frauen aus, die einem Mann auffallen. Leider sind einige Männer von Haus aus feige. Ich würde da auf keinen Fall alle in eine Kategorie stecken (nein, wirklich nicht), aber männliche Bequemlichkeit führt oft dazu, dass ein Mann sich lieber die sichere Nummer als Partnerin wählt.
Die genauen Hintergründe kann ich nur erahnen. Möglicherweise brauchen manche einen Menschen, von dem sie immer und trotz viel Blödsinn bedingungslos geliebt werden, egal was passiert. Eine Person, die einiges mit sich machen lässt und hin und wieder sind das auch Menschen mit minderem Bildungsniveau (aber nicht immer!). Ich habe schon oft Männer getroffen, deren Partnerinnen durchaus sehr nette Menschen sind, aber viel drauf haben sie nicht. Ich denke, je stärker eine Frau wird, umso weniger Männer wollen mit ihr zusammen sein. Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass Frauen durch die Emanzipation ihre Passivität großteils abgelegt haben und immer öfter als Konkurrentinnen wahrgenommen werden. Das süße, jungfräuliche, brave Liebchen wird immer mehr abgelöst durch die selbstständige Powerfrau, die weiß, was sie will. Natürlich führt das zu Problemen. Denn eine Frau, die weiß, was sie will, wird sich nicht allzu lange irgendeinen Scheiß gefallen lassen.
Ich arbeite derzeit an einer Studie über Sexualität im weiblichen Lebenslauf und musste traurigerweise feststellen (war mir zwar im Vorhinein auch schon bewusst, aber wenn man es nochmal schwarz auf weiß liest, trifft es einen nochmal ins Herz), dass unglaublich viele Frauen der älteren Generation ihre Sexualität nie entwickeln konnten oder durften. Sei es jetzt durch strenge, antisexuelle Erziehung oder die Tabuisierung der weiblichen Sexualität innerhalb einer Gesellschaft. Die meisten von ihnen kennen bis ins hohe Alter ihre Bedürfnisse nicht und können diese somit auch nicht artikulieren. Und wenn sie sie kennen, dann trauen sie sich dennoch nicht immer, offen darüber zu sprechen. Der koitale Akt als „Gesetz“ in der Ehe hatte bis vor ein paar Jahren noch einen eigenen Paragraphen. Lang ist das noch nicht her, dass Frauen sich dem sexuell dominierenden Mann hingaben, weil sie dachten, dass sie es müssen und es teilweise wirklich mussten. Und noch heute kommt es durchaus vor, dass Frauen mit ihren Männern schlafen, weil sie Angst davor haben, verlassen oder betrogen zu werden. Oder es werden Affären als willkommenes „Geschenk“ hingenommen, um dem Mann nicht mehr sexuell ‚dienen‘ zu müssen. Ja, das ist teilweise noch immer so.
Doch parallel dazu hat sich die weibliche Sexualität in vielen Gesellschaften weiterentwickelt. Einige Muster sind noch tief in uns verankert, aber viele Frauen schaffen sich ihre eigene sexuelle Identität. Einer meiner Leser stellte einmal fest, dass es noch immer einen krassen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, die mit mehreren Sexualpartnern verkehren. Männer sind die Helden, Frauen die Huren! Immer noch. Es gibt heutzutage auch noch Zeitungsartikel, die Frauen, welche über 10 Sexualpartner hatten, die Wahrscheinlichkeit einer Ehe absprechen. Kein Mann will eine Frau, die mit zu vielen Männern Sex hatte. Aber warum nicht? Und woher soll er das denn wissen, wenn ich es ihm nicht sage? Ich bin mir z.B. sicher, dass einige Menschen, die meinen Blog lesen, sich immer wieder denken: „Na die hatte sicher jede Menge Typen im Bett!“ Natürlich wird hier brav die Schublade geöffnet und ich hineingeworfen. Und das nur, weil ich eine Frau bin, die über Sexualität spricht und für sich selbst herausfindet, was sie will. Meine Zahl bleibt natürlich unter Verschluss, aber ich kann euch sagen, dass sie nicht abnormal hoch ist. Ich kenne Frauen, die um einige mehr hatten und welche, die natürlich drunter sind. Man braucht nicht unzählige Sexualpartner, um zu wissen, welche Bedürfnisse man hat. Man braucht nur welche, mit denen man seine Bedürfnisse teilen und leben kann.
Aber als sexuell selbstbewusste Frau wird man schnell von vielen Männern als die verbotene Frucht abgestempelt. Die könnte ja zu anstrengend werden und dann muss man sich vielleicht darum bemühen, sie zu halten. Ach Gott, wie mühsam! Die nehmen dann lieber eine von den sicheren Nummern und denken an die verbotene Frucht, während die sichere Nummer neben ihnen schläft. Das „Problem“ bei der verbotenen Frucht ist: wenn man sie einmal gekostet hat, wird man ihren Geschmack so schnell auch nicht mehr vergessen. Wir alle suchen Leidenschaft, aber sie ist nur gut, wenn sie auch wieder zu Ende geht. Ich hatte auch eine verbotene Frucht. Ja, es gibt auch Männer, die diese Rolle einnehmen können. Immer wenn wir uns sahen, mussten wir uns haben. Für eine Nacht. Aber mit ihm zusammen sein? Oh nein, viel zu mühsam! So gesehen tendieren Frauen wohl mit der Zeit auch dazu, sich lieber eine sichere Nummer zu suchen. Ich persönlich habe meine Probleme damit. Wie kann man mit jemandem zusammen sein, den man nur so lala findet? Und wer für den einen eine verbotene Frucht ist, kann für einen anderen doch die sichere Nummer sein. Vielleicht müssen wir auch einfach weg von diesem Kategorie denken? Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die innerhalb einer Beziehung beides für ihren Partner sein können. Leidenschaft und Liebe gehören doch zusammen und bevor ich mich langweile, habe ich lieber einen Mann, den ich ab und zu ‚bändigen‘ muss. Und natürlich finde ich es auch großartig, wenn er das bei mir genauso macht. Und trotzdem können wir uns darauf verlassen, eine sichere gemeinsame Basis zu haben. Männer, die sich nur die sichere Variante suchen, sind für mich schlussendlich Luschen. Denn ein richtiger Mann kann es auch mit einer richtigen Frau aufnehmen.