Neulich sagte meine Freundin zu mir: „Sex zerstört alles!“ Ich denke noch immer über diese Aussage nach, weil ich einfach nicht weiß, was ich darüber denken soll. Das ist so eine von den Aussagen, die jeder irgendwann mal sagt und keiner weiß genau, warum. Denn was macht Sex so schlecht, dass es etwas zerstört? “Naja, wenn man mit seinem besten Freund Sex hat, zerstört man eine Freundschaft”, höre ich da welche aufschreien. Schwachsinn! Wenn ich mit meinem besten Freund schlafe muss es eine sexuelle Anziehung gegeben haben und wenn es die gibt, dann ist man nicht „platonisch“ befreundet. “Kann sich ja auch erst mit der Zeit entwickeln, die sexuelle Begierde”, schreien ein paar andere. Ja, wenn man sich von Kind auf kennt und miteinander aufwächst und dann geschlechtsreif wird, vielleicht. Oder man sieht den besten Freund tatsächlich wie einen Bruder. Dann könnte man vorsichtig sogar von „inzestuöser“ Sexualität sprechen. Obwohl das biologisch natürlich nicht stimmt, gefühlsmäßig trifft das aber vielleicht zu.
Sex ist doch eine sehr schöne Sache. Schläft eine Frau bei dem ersten Date mit einem Mann, ist das Resultat in den meisten Fällen, dass es bei einem ONS bleibt. Zumindest der Statistik nach. Aber was hat der Sex da zerstört? Vielleicht hat er die beiden ja vor etwas anderem gerettet? Woher soll ich denn vorher wissen, ob jener der Richtige für mich gewesen wäre? „Hätten wir nur nicht so schnell miteinander geschlafen…“ Auch Schwachsinn! Wenn man sich sexuell begehrt, dann soll man es doch bitte treiben dürfen. Ich glaube, dass die Aussage: „Schlafe nie zu schnell mit einem Mann“ von Frauen stammt, die Liebe und Sex verwechseln. Denn wenn ein Mann sich wirklich total in mich verliebt, schläft er lieber früher als später mit mir. Also ist mein Fazit dabei: Bin ich geil und ist er geil, dann lasst es uns doch treiben wie die … Das Herz eines Mannes damit gewinnen zu wollen, ist zwar eine süße Idee, legt der Frau jedoch eine schwierige und total erniedrigende Rolle auf.
Gut, andere These: Sex kann- Achtung Aufklärung- zu Krankheit und/oder Schwangerschaft führen. Jap, gibt ja einige Menschen in unserer „zivilisierten“ Gesellschaft, die scheinbar noch nie etwas von einem Kondom gehört haben. Junge Mädchen nehmen die Anti-Baby-Pille nur vor dem Sex, weil ihre FrauenärztInnen (Achtung, ich gendere!) oder Eltern es nicht für nötig gehalten haben, ihnen zu erklären, dass man die jeden Tag nehmen muss. Viele wissen nicht, dass manche Krankheiten auch von Oralsex übertragen werden können und wieder andere glauben, wenn er seinen Penis rechtzeitig rauszieht, verhütet man richtig. Aber eigentlich ist es hier auch nicht der Sex, der alles zerstört. So manch einer liebt sein zunächst ungewolltes Kind mehr als alles andere auf der Welt und würde es um nichts mehr missen wollen. Die Zerstörung sehe ich hier eigentlich in der eigenen Unverantwortlichkeit und Unwissenheit. Und wie ein altes Sprichwort so schön sagt: „Unwissenheit schützt vor Torheit nicht!“
Anderer Punkt: Gerüchte besagen, je länger man verheiratet ist, umso weniger hat man Sex. Sehr schade. Einer (meistens der Mann, kenne aber auch umgekehrte Fälle) will jedoch sehr gerne regelmäßig besteigen und bestiegen werden. Ist halt ein Dilemma. Muss man sich dann wohl wen anderen suchen. Führt aber zu Ehekrisen und oft, logischerweise, zu Scheidungen. Aber als Grund würde ich hier nicht den Sex, sondern den fehlenden Sex sehen. Und wer fragt eigentlich mal nach, warum die Paare keinen Sex mehr haben? Die Chemie sollte sich eigentlich nicht allzu sehr verändert haben. Somit hat auch hier der Sex nichts zerstört, er hätte wohl eher etwas retten können.
Das einzige, was Sex wirklich zerstört, ist die Psyche eines Menschen. Und das auch nur, wenn er nach den ICD-11 als sexsüchtig diagnostiziert wurde. Solch eine krankhafte Veranlagung haben jedoch nur 0,5 – 5% der westlichen Bevölkerung. Auch wenn manch einer gerne behauptet, sexsüchtig zu sein, so ist die wahre Sexsucht keine Erkrankung, mit der man gerne hausieren geht. Hier besteht also durchaus Zerstörungsmacht bis hin zum Suizid.
Sexualität ist eine natürliche Sache, für die wir uns nicht genieren müssen. Sie zerstört nur dann etwas, wenn wir sie als Macht-, Druck- oder Pflichtmittel sehen! Vielleicht zerstören wir ja die Sexualität und nicht die Sexualität zerstört etwas? Kein Thema ist so natürlich und unnatürlich zugleich. Und dennoch reden wir viel zu wenig darüber. Also, lasst uns doch bitte mehr über Sex reden. Nehmen wir der Sexualität endlich das Etikett des Verbotenen. Eva wurde im Paradies von der Schlange verführt und hat den Apfel gegessen. Wir alle wissen wohl, welche Schlange sie tatsächlich verführt hat. Und was ist bitte daran verwerflich, dass Adam sehen wollte, wie der Saft des Apfels über Evas wunderbaren, nackten Frauenkörper läuft?! Ich finde das sehr sexy.