Wann ist ein Mann ein Mann?

...oder: Wie Männer ihre Lust zeigen dürfen!

Die Rolle des Mannes in unserer heutigen Gesellschaft ist nicht unbedingt eine leichte. Ich verstehe die Orientierungslosigkeit vieler und es ist definitiv schwieriger geworden. Die klassische Rollenverteilung fällt zunehmend weg, auch wenn es immer noch viele Menschen gibt, die gerne traditionelle Beziehungen leben. Aber es gibt auch immer mehr Frauen, die das nicht mehr wollen. Und auch viele Männer sehnen sich nach anderen Formen der Beziehung als der Mutter-Vater-Kind Geschichte. Im Rahmen meiner Ausbildung lerne ich so vieles und oft begegnen mir durch diese Arbeit Menschen, die Dinge besser formulieren können als ich. Und wenn ich dann endlich die Worte gefunden habe, die ich suchte, dann schreibe ich natürlich gleich einen Text darüber.

Es gibt nun mal Männer und Frauen, das kann man nicht leugnen. Manch eine/r (vor allem die lästigen Genderexperten) schreit: „Wir sind alle Menschen!“ Ja natürlich sind wir das, aber warum sollen wir uns deswegen unser Geschlecht absprechen lassen? Im Tierreich gibt es ja auch Männchen und Weibchen und nicht nur Tiere und es gibt ja auch ganz viele verschiedene Arten von Tieren. Welch eine Farce wäre das, wenn man einen Frosch in die selbe “Kategorie” stecken würde wie einen Löwen? Gerade die Vielfältigkeit der Menschheit und der Tierwelt ist es doch, die unsere Welt so wunderbar macht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass durch den zwanghaften Versuch, uns alle gleich machen zu wollen, das Besondere verloren geht. Und wir sind jede/r für sich besonders, egal ob Mann oder Frau. Aber ein Mann wird niemals das fühlen können, was eine Frau fühlt und umgekehrt. Schon gar nicht beim Sex! Nirgends sind wir mehr Mann und Frau, als bei dieser wunderbaren Sache. Und das ist vollkommen in Ordnung so. Nur weil wir uns durch unsere Geschlechter voneinander unterscheiden heißt es ja nicht, dass wir unser Menschsein, schon gar nicht unsere Individualität verlieren. Aber genug davon, ich musste das nur mal klar stellen.

Während eines Seminars sprachen wir mit unserem Lehrgangsleiter über Fallbeispiele aus seiner Praxis. Es kommt immer öfter vor, dass Frauen mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind, weil der männliche Partner seine eigene Sexualität auf ihrer aufbaut. Wie das zu verstehen ist? Es gibt Männer (und davon mittlerweile sogar recht viele), die ihre Lust abhängig von der Lust des Anderen machen. Viele Frauen kennen Sätze wie: „Du bist ja gar nicht gekommen, alles in Ordnung?“ oder „Kommst du bald?“ oder „Bist du gekommen?“. Dieses Phänomen tritt sehr häufig auf und ich weiß gar nicht, wie oft Frauen schon versucht haben zu erklären, dass wir nicht jedes Mal einen vaginalen Orgasmus brauchen um guten Sex zu haben. Es gibt Frauen, die während dem Sex überhaupt nicht kommen können. Dann liegt das aber nicht am Mann. Er ist deswegen kein schlechter Liebhaber, absolut nicht! Es ist nicht fair, die Verantwortung für guten Sex in eine Hand zu legen. Indem ein Mann seine Lust von einer Frau abhängig macht, übergibt er ihr die Verantwortung dafür. „Es macht mir nur Spaß, wenn du Spaß hast!“ ist ein gefährlicher Satz. Er signalisiert der Frau: Du musst jetzt Spaß haben, sonst hat er auch nichts davon. Und damit sind wir aber weit entfernt von leidenschaftlichem Sex, weil unsere Energie nun nicht mehr in uns und bei der Sache ist.

Unser Vortragender hat etwas ganz wunderbares gesagt: Frauen wollen keine Arschlöcher und keine Weicheier, sie wollen einfach einen Mann, der bei sich ist. Einen Mann, der seine Lust wahrnimmt, spürt und sie auch offen zeigen kann. Natürlich kann man dabei auch Rücksicht auf die Bedürfnisse des Gegenübers nehmen. Das Eine schließt das Andere ja nicht aus! Kein Egoficker und auch keinen von denen, die nur Spaß haben, wenn Frau Spaß hat. Wenn eine Frau nicht mehr die Verantwortung für beide tragen muss (gilt natürlich auch andersrum), entsteht der Spaß beim Sex fast von alleine. Niemand spürt mich selbst so gut, wie ich es tue. Und ich kann nur loslassen und ganz bei mir sein, wenn es der andere auch tut. Sobald derjenige jedoch jede meiner Körperregungen genau wahrnimmt und analysiert, geht der Spaß logischerweise flöten. Lustvoll gehen lassen und gemeinsam in Ekstase verfallen lautet die Devise. Wenn sich etwas nicht so gut anfühlt oder man etwas nicht will, kann man den Mund ja jederzeit aufmachen und etwas sagen. Sich auf jemanden einlassen bedeutet, man selbst zu sein. Ich glaube nur, dass das nicht jeder versteht.

Sex ist keine einstudierte Perfomance. Ein Mann ist ein Mann, wenn er spürt was er mag und das auch leben kann. Wenn er seine Fantasien artikuliert und zu sich steht. Nichts ist schöner als ein Mann, der weiß was er will und sich das auch nehmen kann. Das gilt für Frauen übrigens genau so. Ein Blowjob bspw. wird zu einem unvergesslichen Erlebnis für beide, wenn jeder für sich Lust daran empfindet und es gerne hat. Das weiß ich aus eigener Erfahrung;) Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es geht nicht ums Arschloch sein und nicht darum rücksichtslos eine Frau zu ficken. Es geht darum, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und sie auch leben zu können. Und ihr Männer dürft auch eure wunderbaren Orgasmen erleben, ohne das wir Frauen vorher das halbe Haus Zusammengebrüllt haben. Vertraut mir, es ist in Ordnung so – weniger Druck und mehr Leidenschaft ist die Devise und dann ist ein Mann auch ein Mann!

 

Wenn es um die Größe geht…

...oder vielleicht doch eher um den Durchmesser.

Derzeit begegnet mir immer wieder das Thema Penisgrößen und männliche Komplexe. Ein Mann, mit dem ich mich mal beiläufig unterhielt erklärte mir das so anschaulich, dass ich heute noch ein wenig Mitleid mit euch Männern habe. Was eine Frau – sexuell gesehen – zu bieten hat erkennt man(n) meist relativ schnell. Unsere Brustgröße lässt sich in den meisten Fällen realistisch einschätzen und unsere Ärsche sind ebenfalls zu erahnen. Vaginas weichen nur selten wirklich extrem von der Norm ab und so weiß ein Mann, der sexuelles Interesse an einer Frau hat, das oft recht schnell. Ja, es gibt push up BHs und es kann natürlich passieren, dass unter einem vorgegaukelten C-Cup plötzlich ein A hervorspringt. Aber diese Art Frauen erkennt man recht schnell und Männer die sich darauf einlassen wissen das oft schon vorher. Eine wirklich selbstbewusste Frau steht – meiner Meinung nach – auch zu ihren A Brüsten. Ich persönlich finde ja, dass manchen Frauen kleinere Brüste hervorragend stehen. Aber egal, ist nicht das Thema;)

Frauen haben einfach den Vorteil, dass sie mehr Geschlechtsteile besitzen als Männer. Zumindest sekundäre. Und diese sind für viele Männer gar nicht sooo unwichtig. Auf Reize reagiert die Biologie des Mannes ja bekanntlich sehr gut. Aber wir Frauen haben weniger woran wir uns festhalten können. Und ja, männliche Komplexe sind berechtigt: Das Auspacken der Überraschung, die ihr uns zu bieten habt, ist tatsächlich wichtig! Es heißt immer wieder, dass die Größe nicht zählt. Aber ganz richtig ist das bekanntlich leider nicht. Natürlich gibt es keine Standardgröße, die jede Frau braucht, um guten Sex zu haben und ja oft hängt es auch mit der Performance und vor allem mit dem Durchmesser zusammen. Es gibt Männer, die mit einem Riesenprügel absolut nicht umgehen können und das kann sehr unangenehm werden (einen 30cm Schwanz will fast keine Frau und geht sich auch nicht sonderlich gut aus, rein biologisch). Und es gibt Männer, die leider von der Natur nicht sehr groß gesegnet wurden. Das ist eine Tatsache. So, wie manche Frauen kleinere Brüste haben und andere größere. Trotzdem heißt es nicht, dass Schwänze welche von der Norm abweichen (egal ob zu groß oder zu klein) automatisch besser oder schlechter „arbeiten“. Auch das ist individuell. Er soll mich ausfüllen, aber nicht aufspießen!

Wenn eine Frau einen neuen, interessanten Mann kennen lernt und die beiden zunächst mal ein paar Dates ohne Sex haben, kommt trotzdem irgendwann die Angst auch bei einer Frau dazu, dass sein Penis nicht passen könnte. Vor allem, wenn wir uns verlieben. Wir mögen diesen Mann dann ja wirklich und wir hoffen, dass er uns sexuell auch befriedigen kann. Der Moment, bis Frau endlich Gewissheit hat, kann manchmal sehr nervenaufreibend sein. In einer Folge der amerikanischen Serie „New Girl“ hat die beste Freundin der Hauptdarstellerin große Angst, dass der Penis ihres zukünftigen Mannes nicht passt. Sie haben beschlossen, erst nach der Hochzeit Sex zu haben. Diese Tatsache ist zwar irgendwie romantisch, aber sie führt auch zu großem Druck. Nicht nur bei den Männern! Als sie das mit ihren Freundinnen bespricht (ja, wir reden natürlich darüber), versucht ihre beste Freundin ihr die Angst zu nehmen mit Aussagen wie: „Die Größe des Hammers ist unwichtig, Hauptsache er weiß damit richtig zu nageln.“ Die Mehrheit der anwesenden Frauengruppe widerspricht ihr, denn so egal ist es leider nicht!

Dennoch kann Liebe einiges besser machen. Und ich gehe hier nicht von Extremfällen aus. Ein Mann, der bei einer Erektion fast bewusstlos wird weil sein Penis so viel Blut braucht ist genauso arm dran, wie jeder der mit einem sogenannten Micropenis herumläuft. Aber dazwischen gibt es extrem viele Varianten und Abstufungen. Es gibt dicke kleine und lange dünne. Lange dicke und kleinere dünne. Welche mit Krümmung und schiefe. Manche haben sogar einen Knick. Hin und wieder ist die Eichel riesengroß und bei anderen richtig klein. Der eine hat ein kleines Pralles Säckchen, beim anderen hängt es schlapp herunter usw. Aber all das ist vollkommen egal, wenn der Mann dazu passt. Wirklich!

Wenn Frau wirklich liebt, dann sind „Penisprobleme“ schnell in Griff zu bekommen. Es gibt ja einen ganzen Markt dazu, der sehr hilfreich ist, um trotz biologischer „Probleme“, wunderbaren Sex zu haben. Nur eine richtig effektive OP gibt es für Penisse nicht. Brüste kann sich theoretisch jede Frau vergrößern oder verkleinern lassen, sowie auch Schamlippen gerichtet oder gefärbt werden können. Aber bis auf einen einzigen medizinischen Eingriff (und der macht aus einem kleinen Penis jetzt auch keinen Prügel), gibt es keine Hilfe für Männer! Das ist nicht fair, ich weiß. Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich nicht ein Bild eines für mich perfekten Penisses im Kopf habe. Das habe ich. Ja, es gibt Penisse die besonders schön und ästhetisch sind. So wie Männer ihre Vorstellungen von perfekten Brüsten, Ärschen und/oder Vaginas haben. Aber: Nicht jeder Mann, den ich einmal geliebt habe, hat dieser Vorstellung auch entsprochen. Und das war egal!

Wir wünschen uns einfach, dass es ohne Hilfe passt. Wir wollen spontan und jederzeit Sex mit dem Mann unserer Träume haben können, ohne Hilfe und/oder ohne Schmerzen. Aber wenn der Traumpartner diesem einen Wunsch nicht nachkommen kann, dann wird wahre Liebe daran auch nicht scheitern. Sex ist wichtig! Aber nur Sex ist bei weitem nicht alles. Ich habe schon Männer von der „Bettkante gestoßen“, die sehr attraktiv (oben wie unten) waren, weil ihr Gesamtpaket einfach nicht passte. Sei es der Geruch, die Art wie sie sprechen oder einfach ihre zu große Arroganz (manche würden auch sagen, dass die Chemie wohl nicht gepasst hat). Wenn es alleine nur um Sex geht, ist die Größe oder eigentlich die Dicke eines Penisses durchaus relevant, ja. Ich schlafe nicht noch einmal mit einem Mann, dessen Penis mich nicht glücklich machen konnte (klingt hart, ist aber so!). Wenn ich ihn nicht liebe, sehe ich keinen Sinn darin, es nochmal mit ihm zu tun. So wie Männer manchmal richtig geile Frauen einfach nur ficken wollen. Aber wenn es um Liebe geht, muss nicht immer alles perfekt sein. Das heißt aber nicht, dass Frauen nicht auch enttäuscht von der männlichen Überraschung sein können. Aber sie werden alles daran setzen, dass es dennoch passt. Es gibt genug Stellungen, Toys und Beckenbodenübungen, um auch mit abweichenden Penisgrößen richtig Spaß zu haben. Und das ist meine Antwort auf die Frage, ob die Größe wirklich zählt.

Der aktuelle Bedarf an Aufklärung!

Passend zum Weltaidstag...

Anlässlich des Weltaidstages möchte ich euch einmal näher bringen, wie schlecht es um die Bildung unserer Jugend (auch was Sexualität betrifft) steht. Österreich klagt darüber, dass die Zahlen neu Infizierter mit dem HI-Virus gestiegen ist. Wundern tut mich das nicht unbedingt! Wie ihr bereits wisst, ist Sexualität ein großes Thema in meinem Leben. Sowohl beruflich, als auch persönlich. Ich lege viel Wert darauf, seinen eigenen Körper kennen zu lernen, Sexualität zu erkunden und neues auszuprobieren. Sexualität ist für mich ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung und von Gesundheit. Ich kann das jedoch nur so betrachten, weil ich meine eigenen Erfahrungen gesammelt habe und gereift bin. Ich habe als Mädchen auch viel Blödsinn gemacht und ich kann mich noch sehr gut an meine Gefühle vor meinem ersten Aidstest erinnern. Den größten Teil meiner Aufklärung verdanke ich meinen Freunden und meiner Mutter. An Sexualunterricht in der Schule kann ich mich nicht erinnern. Ja, wir haben in Biologie das ein oder andere durchgemacht. Aber wie man ein Kondom einer Banane überzieht, hat meine Mutter mir beigebracht. Dennoch erlebte auch ich junge Männer, denen die Tatsache, dass ich die Pille nehme gereicht hat.

Meine engste Freundin hat mich neulich auf eine „sexuelle Praktik“ aufmerksam gemacht, von der ich davor noch nie etwas gehört hatte: Urethralverkehr. Sie selbst hat das nur zufällig durch einen Facebookstatus eines Freundes entdeckt. Hierbei wird die Harnröhre penetriert. Normalerweise wird diese Praktik nur bei heterosexuellen Paaren angewendet, aber es gibt auch Fälle von homosexuellen Männern, die das betreiben. Dabei wird die Harnröhre Stück für Stück gedehnt, bis der Penis hinein kann. Mir stellten sich die Nackenhaare auf. Der Gedanke, einen Penis in meine Harnröhre zu pressen, schreckt mich wirklich ab. Abgesehen von den Bakterien, die da in meine Blase einziehen könnten. Folgen können natürlich Blasenentzündungen bis hin zur Inkontinenz sein. Naja, wer in jungen Jahren schon eine Windel tragen möchte, soll sich da keinen Zwang antun. Wiedermal so eine Sache, die angeblich durch Pornos zu uns drang.

Durch diese neue Information musste ich natürlich wieder mal recherchieren. Rasch fand ich ein Jugendforum, indem ein Junge sich darüber beklagte, dass seine Freundin ein zu kleines Loch hätte und der Geschlechtsverkehr unmöglich sei, da sie dabei zu große Schmerzen hätte. Ich war fassungslos, als ich weiterlas. Ein anderer User machte darauf aufmerksam, dass er möglicherweise das „falsche Loch“ getroffen hätte. Denn eine Frau hat nun einmal drei Löcher da unten. MÄDCHEN antworteten darauf, dass sie nur zwei Löcher hätten und ob der User, der Frauen drei Löcher zuschreibt, vielleicht verrückt wäre. Noch immer bin ich fassungslos darüber. Ich weiß natürlich nicht, wie alt diese Jugendlichen sind, die sich in diesem Forum bewegen. Aber, dass wir(Frauen) drei Löcher haben, lernen wir eigentlich schon recht früh. An das kann ich mich aus dem Biologieunterricht noch erinnern. Und selbst an mir gesehen hab ich sie auch schon. Alle drei!!! Wie wenig Bezug haben Menschen zu ihrem Körper, dass sie so etwas nicht wissen? Sie haben es doch an sich! Wo ist denn die natürliche Neugier hin?

Im Zuge weiterer Recherchen fand ich schnell ein Mädchenforum, indem die Userinnen sich zwar mit ihrer Vagina auseinander setzen, sie jedoch als hässlich und unästhetisch empfinden. Sie wundern sich darüber, dass Schamlippen unterschiedlich lang sein können. Oder dass die Haut dort unten dunkler ist, als die restliche Haut. Junge Mädchen überlegen sich, die Schamlippen operieren zu lassen, weil sie sich selbst als anders und nicht schön empfinden. Scheinbar erklärt ihnen niemand, dass das vollkommen in Ordnung so ist. Sie lernen aus pornographischen Materialien. Es ist bekannt, dass weibliche Pornostars sich gerne ihre Schamlippen angleichen und ihre Haut bleichen lassen. Kein Wunder, dass junge Mädchen sich da komisch fühlen. Ihnen wird offensichtlich nicht erklärt, was natürlich und was unnatürlich ist. Und sie verlieren den Bezug zu ihrem Körper. Wissen nicht einmal mehr, wie viele Löcher sie da unten haben.

Wie sollen sie dann wissen, wie man richtig verhütet und sich damit vor Krankheiten schützen? Dr. Sommer ist wohl auch nicht mehr das, was es einmal war. Kinder haben so viele Fragen. Aber wohin mit ihnen, wenn sie niemanden haben, den sie ansprechen können? Eine Kollegin von mir arbeitet in einer Schule, in der es viele Kinder mit Migrationshintergund gibt. Sie fragen viel über Sex, vor allem auch die Jungs. Ob sie denn auch Handschellen beim Sex verwenden würde z.B.!!! Woher die das wohl haben?! Mit einer Kollegin entwickelte sie die Idee, einen Sexualunterricht für die Kinder zu starten. Der Direktor lehnte das ab, da die Eltern der Kinder (überwiegend Moslems), ein Problem damit hätten und er keinen Streit verursachen will. Muss ich noch mehr dazu sagen? Das passiert heute in unseren Schulen. Pädagogen wollen, aber dürfen nicht. Ihnen sind teilweise einfach die Hände gebunden. Sie können den Kindern nur Tipps geben, zu separaten Beratungsstellen zu gehen. Warum kann das denn bitte nicht die Schule machen? Ich bin für Einheitlichen und richtigen Sexualunterricht an JEDER Schule. Denn Sexualität macht vor Religion doch nicht halt. Sie gehört zur Natur des Menschen. Wenn unsere Kinder nicht lernen dürfen, was zur Sexualität gehört und wie man mit ihr umgeht, wird sich die Situation in Zukunft wohl noch mehr verschlimmern. Wir müssen bei den Kleinsten anfangen, damit sie später eine gesunde Sexualität leben können. In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen ersten Dezember. Denkt mal darüber nach!

„Das ist ja eh ähnlich wie Sadomaso!“

Oder auch nicht...

Vor kurzem erklärte mir eine unscheinbare Barbekanntschaft, warum er so eine tolle Ehe hat: Viel Sex! Fast jeden Tag. Wie lange die beiden verheiratet sind? Zwei Jahre. Süß! Das Foto, welches er in seinem I-(Schrott)Phone gespeichert hatte, zeigte eine Frau von hinten, in einem kurzen, hautengen Latex- oder Lederkleid. Eine kurvige, schön weibliche Figur. Mit einem prallen Hintern. Das Foto schien von professioneller Natur zu sein. Ob er sich da, mit der Ehe vielleicht getäuscht hat? In Flirtlaune war er jedenfalls. Und dreimal meinte er zu meiner Freundin, die mit mir an der Bar saß, dass sie ihn doch mal anrufen solle. Ihre Abschmetterversuche wurden von ihm nicht registriert, ich habe mich köstlich amüsiert. Der ach so glücklich verheiratete Mann, der jeden Tag Sex hat will sich unbedingt mit meiner Freundin treffen. Sie nicht! Liegt aber nicht daran, dass er „verheiratet“ ist. Er interessiert sie einfach nicht.

Irgendwann fing der gute Mann an, über Pornos zu sprechen. Was wir denn davon halten würden? Finde ich ganz vergnüglich (Pornos und ihn) und ich kläre ihn kurzerhand auf, in welcher beruflichen Sparte ich mich bewege. Das interessiert den Mann, der fast jeden Tag Sex hat natürlich. Irgendwann kommen wir bei dem Thema sexuelle Vorlieben an. Er steht auf Sadomaso. Mir relativ wurscht. Jedem das seine. Und dann bin ich an der Reihe. Ja, ich praktiziere vorrangig tantrischen Sex. Was das denn genau sei, will er wissen. Ist nicht der erste der es wissen will und sicher auch nicht der letzte. Ein paar meiner Leser haben mich auch schon gefragt, ob ich nicht mal einen Artikel über tantrische Sexualität schreiben kann. Ja und Nein!

Tantra ist eine Lebensphilosophie. Sexualität ist nur ein Teil davon. Um sie zu verstehen, muss man erst das Tantra an sich verstehen und das ist gar nicht so einfach. Es gibt kaum gute Fachbücher dazu. Manche Bücher versprechen eine Anleitung für sexuelles Glück. Gequirlte Scheiße!!! Jemand, der Tantra versteht, wird nie zwischen Tür und Angel erklären können, was es ist. Die großen Meister haben oft versucht in Schriften dazulegen was es ist und wie es funktioniert. Aber lesen bringt es nicht. Man braucht einen Lehrer. Oder man verändert sein Bewusstsein von alleine und findet dadurch heraus, was Tantra bedeutet. Ich möchte es trotzdem versuchen, wenigstens in ein paar Worten ein bisschen etwas darüber zu schreiben.

Das Wort „Tantra“ kommt aus dem altindischen Sanskrit und bedeutet übersetzt so etwas wie „Erweiterung“ oder auch „Vereinigung der Gegensätze“. Eine korrekte Übersetzung gibt es jedoch bis heute nicht, da es in unserer Sprache dafür leider keinen Ausdruck gibt. Jeder Mensch besteht aus Energie und steht damit auch immer in Verbindung mit der Energie der anderen. Ich habe einmal darüber geschrieben, dass man sich gut aussuchen soll, mit wem man ins Bett geht, da man durch den Energieaustausch, der dabei geschieht, immer ein Stück der Energie des anderen in sich behält. Tantra beschäftigt sich viel mit dem Problem der Spaltung des Körpers und des Geistes. Es geht darum, beides wieder miteinander zu verbinden. Durch diese massive Einschränkung unserer Sexualität (weil der Kopf der Herrscher über unseren Körper wurde) verstumpft der Mensch. Die logische Folge sind Pornographie oder auch extreme sexuelle Handlungen in Verbindung mit Schmerz. Der Mensch möchte sich wieder spüren.

Neben vielen anderen Bereichen, nehmen sich nur wenige Menschen noch wirklich Zeit für Sex. Dabei soll gerade Sexualität ein Energiespender, ein Krafttank sein. Das kann er aber nur sein, wenn der Mensch diese Energie auch sinnvoll für sich nützen kann. Frauen haben im tantrischen einen sehr hohen Stellenwert, weil sie viel Energie aufnehmen können. Aber auch Männer können, die sexuelle Energie für sich nützen. Im Tantra geht es nicht darum, wie oft jemand kommt, wie lange er durchhält oder was er alles kann. Sex ist da eher eine gemeinsame Meditation. Jede Zelle des Körpers wird dabei wahrgenommen und gespürt. Manchmal bewegt man sich, manchmal atmet man einfach nur gemeinsam und lässt nur wenige Muskeln spielen. Man beschäftigt sich ausgiebig mit dem eigenen und dem Körper des anderen. Es gibt keine Tabus. Man geht so weit, wie es beide wollen. Es werden Pausen gemacht, miteinander kommuniziert. Es gibt auch tantrische Rituale, bei denen man sich stundenlang liebkost, nebenbei etwas isst und ein wenig Alkohol trinkt. Den Körper Stück für Stück erforscht. Alles ohne Penetration.

Die sogenannte Kundalinienergie (zwischen Vagina od. Penis und After), wird dadurch aktiviert. Die größte Kraft und der beste Treibstoff unseres Körpers. Da man für tantrischen Sex, einiges an Zeit braucht, ist das nicht unbedingt eine Praktik, die man jeden Tag „anwenden“ kann. Braucht man aber auch nicht. Männer können durch diese Technik einen bis zu 10mal stärkeren Orgasmus bekommen als normal. Und für Frauen ist die ganze Angelegenheit sowieso der Hammer, weil damit die vaginalen Orgasmen viel leichter entstehen können. Eine „tantrische Einheit“ löst so viel Lebensenergie aus, dass man getrost ein paar Tage auf Sex verzichten kann. Verzicht ist übrigens auch eine Möglichkeit, die Energie zu bündeln. Der Mann darf sich dabei so lange nicht selbst anfassen, bis er mit seiner Partnerin wieder im Bett landet. Dank der tantrischen Technik, hält er dennoch sehr lange durch. Tantra ist körperliche Kommunikation zwischen Menschen. Der Körper wird erspürt und damit ganz anders wahrgenommen. Da braucht man kein Pornoficken dazu.

Möglicherweise sind jetzt viele Fragen offen geblieben bzw. neue Entstanden. Das ist okay! Ich habe versucht, etwas zu erklären, was nicht einfach so zu erklären ist. Dabei entstehen dann auch immer wieder recht vergnüglich, traurige Missverständnisse. Die unscheinbare Barbekanntschaft meinte zu mir: „Das ist ja eh ähnlich wie Sadomaso!“ Ähm! Ich sagte einfach nur Ja. Ich wollte nicht weiter nachfragen, wie er darauf kommt und was er genau meint. Andererseits sollte ich da vielleicht nochmal nachfragen. Seine Nummer hat meine Freundin ja…

Zuerst denken…

...dann ficken!

„Viele reflektieren sexuelle Praktiken nicht. Weder danach und schon gar nicht davor. Dabei wissen viele nicht, auf was sie sich dabei psychisch eigentlich einlassen. Wenn dann ein Gefühl von Scham oder Ekel mit der jeweiligen Praktik gekoppelt wird, entstehen auf lange Sicht Sexualstörungen.“ So wurde mir neulich aus psychologischer Sicht erklärt, was unreflektierte Sexualerlebnisse auslösen können. Jeder von uns ist  neugierig und das ist auch gut so. Die meisten probieren in jungen Jahren vieles aus, um ihre Erfahrungen zu sammeln. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht auch so meine Zeit gebraucht habe um zu erkennen was ich gerne habe und was nicht.

Heute weiß ich, welche Art von Sexualität mir persönlich gefällt und was ich brauche, um mich wohl zu fühlen. Manche wissen das schon in jungen Jahren, andere bis an ihr Lebensende nicht. Da Sexualität noch immer ein kompliziertes Thema in unserer Gesellschaft darstellt, fehlt vielen Menschen immer noch die Fähigkeit, Sexualität zu reflektieren. Oft richtet man sich nach den Maßstäben, die die Gesellschaft uns auferlegt. Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass wir Statistiken auf keinen Fall zu ernst nehmen können. Vor allem im Bereich der Sexualität sind quantitative Erhebungen nur wenig Aussagekräftig, weil viele Menschen bei solchen Befragungen unehrlich sind. Hat etwas mit Scham- und Schuldgefühlen zu tun. Und die Ergebnisse solcher Studien werden von Geldgebern gerne so Manipuliert, wie sie zu sein haben. Wenn ich weiß, dass ich etwas nicht will, dann sollte ich es auch nicht tun. Auch wenn die Statistiken oder vielleicht sogar meine Freunde mich als Außenseiter oder prüde klassifizieren.

Viele, vor allem junge Menschen, lassen sich davon zu sehr beeinflussen und denken nicht viel darüber nach, bevor sie bestimmte Dinge mit sich tun lassen. Wenn man sich näher mit der Materie auseinandersetzt, wird man schnell feststellen, dass es zu unzähligen Themen, total unterschiedliche Meinungen gibt. Eines dieser Themen ist Analsex. Diese sexuelle Praktik war bis 2003! in 13 Staaten der USA noch ungesetzlich. Ich musste sehr lachen, als ich das las. Das Wort Sodomie bedeutet eigentlich Analsex und wird im Deutschen fälschlicherweise mit Zoophilie (Sex mit Tieren) gleichgesetzt. Sodom und Gomorra! Natürlich wiedermal ein Ursprung aus der Bibel. Sämtliche Sexualpraktiken, welche nicht der Fortpflanzung dienen und als pervers eingestuft werden gelten als sodomisiert. Dadurch bekommt Analsex eine gewisse verbotene, geheimnisvolle Rolle (ein wunderbar sarkastischer Text dazu). Ist bis heute noch so. Und da man gerne das macht, was irgendwie verboten oder unmoralisch ist, probiert fast jede/r das auch irgendwann einmal aus. Ich persönlich lasse mein Hintertürchen vorzugsweise verschlossen, vor allem gegenüber Sexualpartnern, die ich noch nicht gut genug kenne. Solche Praktiken beinhalten für mich Vorbereitungszeit und Vertrauen. Denn immerhin „liefert“ man sich als Frau hierbei in gewisser Weise stärker aus als bei „normalem“ Geschlechtsverkehr.

Viele Leute mögen beim Sex das Spiel mit Macht und Schmerz. Manche mehr, manche weniger. Jedem das seine. Einige Frauen mögen es, von Männern dominiert, teilweise sogar richtig verletzt zu werden. Und auch viele Männer haben starke sexuelle Gewaltphantasien. Manche brauchen auch Frauen, die den Takt angeben. Dieses Machtspiel hat viel mit verbotenen und tabuisierten Praktiken zu tun. Vor allem in unseren Breitengraden ist Sexualität stark mit Gewalt und Macht verbunden. Ich nenne es Pornoficken. Ob es einen Zusammenhang mit der Übersexualisierung und dieser Art von Sexualität gibt, kann ich hier nicht behaupten (dafür habe ich zu wenig recherchiert), aber ich würde es annehmen. Jugendliche sehen ständig Pornos, Analsex ist dabei oft ein wesentlicher Bestandteil, aber es fehlt ihnen die Kompetenz, gesehenes auch realistisch zu reflektieren. Die Vorbereitungszeit für eine Analsexszene wird natürlich nicht gezeigt, wäre aber wohl hilfreich.

Ich selbst habe mich für tantrische Sexualität entschieden und mittlerweile einige Menschen kennen gelernt, die diese Art von Sexualität ebenfalls für sich entschieden haben. Die Philosophie ist dabei eine ganz andere und würde den Rahmen dieses Textes wohl sprengen. Natürlich gibt es auch im tantrischen die Möglichkeit von Analsex, wird aber ohne diesem Machtgefälle und dem klassischen Pornogeficke praktiziert. Hier gibt es keine Tabus. Schon gar keine mit religiösem Hintergrund. Das Körperbild und damit der Körper und all seine Öffnungen werden hier ganz anders betrachtet. Eine Freundin von mir hat vor kurzem einen interessanten Mann kennen gelernt, der tantrische Sexualität praktiziert. Einer meiner Artgenossen also. Sie kennt das (noch) nicht und hat mich panisch angerufen und gefragt, was sie da eigentlich tun muss. Zu ihrer Überraschung konnte ich sie rasch beruhigen und ihr diese Art von Sexualität schmackhaft machen. Ich bin gespannt, wie es bei den beiden weiter geht;).

Lange Rede, kurzer Sinn: Hätte ich nicht die Kompetenz, Sexualität zu reflektieren und damit herauszufinden, was ich mag und was nicht, hätte ich heute nicht diese erfüllende Sexualität, die ich nun einmal habe. Ich habe auch schon darüber geschrieben, dass nicht alle Menschen sexuell miteinander kompatibel sind und auch das ist vollkommen in Ordnung. Aber man sollte sich auf keinen Fall zu Dingen drängen lassen, die einem nicht gefallen nur um jemand anderem etwas Gutes zu tun oder um ihm/ihr zu gefallen. Ich muss mich selbst spüren, um zu wissen was ich will. Aber ich muss mir dabei auch immer bewusst sein, welche Dinge mir die Gesellschaft vorgibt und welche Dinge ich auch tatsächlich von mir aus möchte. Ausprobieren? Ja bitte! Nein sagen, weil man seine eigenen Grenzen kennt? Auf jeden Fall! Man darf niemals vergessen, dass bestimmte Sexualpraktiken, überlegt und gut vorbereitet sein sollten, um eine Wahrscheinlichkeit einer Sexualstörung zu vermeiden. Ich weiß, dass viele von euch das wissen, aber ich weiß auch, dass es einige nicht tun und damit mein Appell an all jene, die es nicht tun: „Zuerst denken, dann kann ich auch hemmungs- und bedenkenlos ficken!“

Nichtbeziehungsgeneration?

Beziehungsratgeber ade!

Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel von einer jungen Frau gelesen, die über die Bindungsangst der Männer ihrer Generation schreibt. Sie ist Anfang 30 und muss feststellen, dass die meisten Männer in ihrem Alter vor richtigen Beziehungen davonlaufen. Also beschließt sie, Beziehungsratgeber zu kaufen und herauszufinden, was sie denn falsch macht. In fast jedem Buch wird ihr erklärt, dass sie sich rar machen, auf keinen Fall zu früh mit ihm ins Bett gehen und seinen Jagdinstikt fördern soll. Also legt sie los mit ihrem Projekt und befolgt sämtliche Anweisungen. Natürlich funktioniert das ganze Spiel recht gut, aber sie lässt es dann doch sein. Sie habe nämlich keine Lust, sich verstellen zu müssen. Damit schicke ich ihr einen gedanklichen High-Five und schließe mich ihrer Meinung an. Das Interessante ist, dass es teilweise wohl tatsächlich so abläuft. Je weniger Interesse eine Frau an einem Mann zeigt, desto interessanter ist sie für ihn.

Eine meiner Freundinnen hatte vor kurzem einen ONS (wurde auch mal wieder Zeit). Am nächsten Tag musste sie in die Arbeit, also schlich sie sich aus seiner Wohnung. Am Abend zuvor hatten sie Nummern ausgetauscht und siehe da, ein paar Stunden später kam schon: „Wohin bist du denn verschwunden?“ Seit über einer Woche meldet er sich bereits regelmäßig. Sie findet ihn ganz süß, ist aber nicht verknallt in ihn. Zeit hat sie derzeit nur begrenzt, also ist sie fast schon dazu gezwungen, sich rar zu machen. Das macht sie scheinbar sehr interessant für ihn. Jagdinstikt aktiviert! Mission erfüllt. Sie werden sich wieder treffen. Weil er so hartnäckig ist. Die Frage, die sich stellt, ist, ob er auch so reagiert hätte, wenn sie noch länger in seinem Bett geblieben wäre, den Tag „gezwungenermaßen“ mit ihm verbracht hätte? In den meisten Fällen schreckt das die Männer so sehr ab, dass sie zwar versprechen, sich wieder zu melden, es dann aber oft nur tun, um den nächsten Fick klarzumachen. Manchmal kommt auch gar nichts mehr.

Judith aus dem Artikel schreibt dazu: „Der heutige Mann vertritt anscheinend das gleiche Wertesystem wie meine Oma.“ Damit meint sie die offensichtliche Tatsache, dass eine sexuell selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will, nicht das beste Beziehungsmaterial darstellt. Zumindest wird das vielerorts behauptet und aus eigenen und erzählten Erfahrungen kann ich das leider nur bestätigen. Je mehr eine Frau weiß, was sie im Bett will, desto weniger will der Mann mit ihr zusammen sein. Er will zwar immer wieder mit ihr schlafen (weil es ja ganz toll ist), aber die Frau, die er vielleicht eines Tages heiraten möchte, sollte eher die heilige Maria verkörpern als Maria Magdalena. Heutzutage gibt es immer noch Artikel in Frauenmagazinen, die bspw. folgende Titel tragen: „Frauen, die mit mehr als 11 Männern Sex hatten, werden niemals heiraten.“ – „Die durchschnittliche Frau hatte mit 8,9 Männern Sex.“ Ähm, okay?! Wollen solche Artikel in uns Frauen Schuldgefühle wecken? Dürfen wir noch immer nicht unseren Gelüsten nachgehen? Und warum sollten über 11 Geschlechtspartner verhindern, dass ich einen Mann treffe, der mich eines Tages heiraten wird? Und so etwas in unserer Zeit! Da kommt mir manchmal wirklich der Gedanke, ob vielleicht Männer solche Artikel geschrieben haben. Zumindest haben sie wohl die Studien zu den genannten Zahlen gemacht.

Dennoch muss man betonen, dass man wie immer auf keinen Fall alle Männer in eine Schublade stecken darf. Ich habe herausgefunden, dass die Männer aus der Generation meiner Mutter (40+) teilweise wesentlich reflektierter und offener geworden sind. Sie sind selten „Opfer“ der Scheidungen ihrer Eltern geworden, sondern waren eher selbst an ihnen beteiligt. Sie haben gelernt, dass Frauen heutzutage unabhängiger und selbstständiger sind und können damit meistens auch besser umgehen. Die Männer meiner Generation (25+) waren oftmals „Opfer“ der Scheidungen ihrer Eltern. Selten waren die Scheidungsraten so hoch wie bei den Kindern bzw. deren Eltern meiner Generation. Viele Männer sind vorrangig mit Frauen aufgewachsen. Sie haben zwar gelernt, dass Frauen unabhängig und selbstständig sind, vermissten/vermissen jedoch die klassische Familienkonstellation. Eine mögliche Erklärung für das „bindungsunfähige Verhalten“ meiner Generation? Und welche Rolle spielt dabei auch die Angst vor Enttäuschungen oder gar etwas zu verpassen? Fehlt den jungen Männern einfach noch die Reife für die nötige Reflexion? Aber auch die Frauen meiner Generation tendieren bereits zu vermehrter Bindungsunfähigkeit. Dennoch haben wir eine biologische, innere Uhr, die uns fast dazu zwingt, mit Anfang 30 endlich den Mann für eine Familiengründung zu finden. Und dieses Problem fällt für Männer weg. Ja, Judith hat recht, wenn sie schreibt, dass Männer damit die Macht über unsere Beziehungen haben.

Neulich fragte mich ein Freund, warum es immer noch so ist, dass Frauen von Männern erwarten, dass jene den ersten Schritt machen. Warum die old-school- Version noch immer so gefragt ist. Gegenfrage: Warum erwarten Männer immer noch von Frauen, dass sie brave marienartige Engelwesen voller Unschuld sind? Das ist doch auch old-school! Das ist leider ein Henne – Ei Problem, auf das ich keine baldige Antwort erwarte. Aber ich erwarte, dass sowohl Männer als auch Frauen ihre emotionalen und sexuellen Bedürfnisse mehr gemeinsam reflektieren. Und was ist dafür noch immer die beste Methode? Kommunikation!

Wife & Whore

Versaut, abgestumpft und so unglaublich verdorben. So viel wird über Sex gesprochen, ständig sind wir damit konfrontiert. Sex sells! Wenn ich jemandem erzähle, dass ich im Bereich der Sexualpädagogik meine Zukunft sehe, entstehen in vielen Menschen (vorrangig bei Männern) sexuell angehauchte Bilder. Die Lehrerin mit dem Rohrstock, die dem bösen Jungen eine Lektion erteilt, weil er ihr nicht hörig ist. Wenn man sich als Frau mit Sexualität beschäftigt, wird man automatisch in eine Schublade gesteckt. Manche Männer sind eingeschüchtert, andere wollen ihr Können sofort unter Beweis stellen und wieder andere wollen über ihre sexuellen Probleme reden. Ganz ehrlich: Es ist nicht einfach und es macht auch nicht immer Spaß! Aber es ist nun einmal ein Bereich, der mich sehr interessiert und in dem es immer noch unglaublich viele Themen gibt, die man auch thematisieren muss. Lieber führe ich mit jemandem eine Debatte über Problembereiche der Sexualität, als mir anzuhören, wie viele Frauen ein Typ an einem Wochenende flachgelegt hat und wie oft er zusätzlich masturbiert. Ja, solche Dinge kommen vor.

Unsere Gesellschaft ist überpornografisiert. Sex ist Macht und Gier. Jeder will es, am liebsten sofort und ohne Komplikationen. Geiles Pornoficken mit männlichem Ejakulat auf dem weiblichen, empfangenden Körper. Das allzeit bereite lüsterne Weib mit weit aufgerissenem Mund. Die Frau als passive Rolle in der Sexualität. Verdorben und gleichzeitig heilig. Rein soll sie sein, fast jungfräulich und unschuldig. Aber im selben Atemzug muss sie wissen, was sie zu tun hat, um einen Mann „bei der Stange“ zu halten. Engel und Hure. In der Geschlechterforschung auch „good woman (wife)“ und „bad woman (whore)“ genannt. Ein sozial konstruiertes Bild von der guten Ehefrau und der Männerfresserin. Miteinander kaum kompatibel. Nicht mal in einem Pornofilm.

Ständig sind wir dieser Überreizung ausgesetzt, messen unsere Sexualität an der Statistik der anderen. Wie oft in der Woche sollte ein Paar Sex haben? Wie viele Sexualpartner sollte man ausprobieren? Welche Nationalitäten versprechen gute LiebhaberInnen, welche schlechte? Wo ist der scheiß G-Punkt? Es ist schön zu wissen, dass es auch Menschen gibt, die die ursprüngliche Sexualität noch zu erfassen versuchen. Für Sex braucht man Zeit und die nötige Reife. Eine Freundin meinte letztens zu mir: „Ich denke, ich habe zu jung angefangen, mich dann richtig ausgelebt und jetzt will ich das alles so nicht mehr.“ Ein Freund von mir sagte vor kurzem etwas ähnliches. Er fühlte sich abgestumpft und ausgelaugt. Zu viel emotionsloser Pornosex. Hat er jetzt auch keine Lust mehr dazu.

Mit dem Alter verändern sich meistens die Wahrnehmung und auch die Qualität von Sexualität. Vorausgesetzt, man ist fähig zur Reflexion und Entwicklung. Die Frage ist dabei auch, ab wann findet Sexualität statt? Sex ist für die meisten der Zeitpunkt, bei dem man anfängt, die Schamgegend eines anderen Menschen mit offensichtlicher Absicht zu erregen. Für manche ist es auch erst der Zeitpunkt einer Penetration. Wieder andere sehen Küssen oder sogar Flirten als sexuelle Aktivität. Viele Frauen zählen Männer nur zu ihren Sexualpartnern, wenn sich der koitale Akt vollzogen hat. Einige Männer wiederum zählen fast alles. Deswegen haben die auch im Durchschnitt immer mehr Sexualpartner. Wieder ein Beweis dafür, wie schlecht man einer Statistik trauen kann. Ist nämlich immer Definitionssache. Wir alle bauen mit der Zeit eine sexuelle Identität auf. Diese verändert sich im Laufe des Lebens durch unsere Erfahrungen. Setzt man sich damit auseinander, kann man Stück für Stück herausfinden, was einem gefällt und diese Bedürfnisse auch kommunizieren.

Wenn man wirklich Spaß daran hat, wie in einem Porno zu ficken, dann ist das auch okay. Genauso, wie es in Ordnung ist, SM zu praktizieren oder sich der tantrischen Sexualität zu öffnen. Aber durch die Entwicklung der eigenen Sexualität ist man nun auch nicht mehr mit jedem Menschen sexuell kompatibel. Sex wird damit individuell und unterschiedlich. Jetzt stehen wir also nicht mehr nur vor der Herausforderung, einen Partner fürs Leben zu finden, sondern wir müssen auch jemanden finden, der ähnliche sexuelle Bedürfnisse hat. Und wie finden wir das heraus? Wir müssen darüber kommunizieren. Wir müssen wissen, was wir uns von Sex erwarten und was wir bereit sind zu geben. Eine Frau, die gerne Fesselspielchen spielt, wird irgendwann frustriert sein, wenn sie eine Ehe mit einem sexuell anders gestimmten Mann führt, der es gerne einfach und altmodisch hat. Vor kurzem habe ich einen Artikel über ebendiese Situation gelesen. Als die Frau ihren Partner mit ihren Bedürfnissen konfrontierte, hatte sie das Glück, dass er ihre Wünsche mit ihr teilt. Damit konnte eine Ehe mehr gerettet werden.

Egal, was man uns über Sex erzählen will, nur jeder/jede für sich kann herausfinden, was er/sie sich wünscht. Pornos können manche in ihrer Sexualität bereichern und inspirieren, während andere (vorrangig jüngere Menschen) ein verfälschtes Bild bekommen können. Wir müssen unsere Kinder vor dieser Überreizung schützen, damit sie eines Tages ihre eigene sexuelle Identität entwickeln können. Ich meine damit jedoch nicht, dass die „Big Lie“ (wissenschaftliche Bezeichnung der Asexualisierung von Kindheit durch Verbote und Tabuisierung) weitergeführt werden soll, sondern dass wir auch mit unseren Kindern über Sexualität kommunizieren müssen. Und nichts anderes machen Sexualpädagogen.

Gute Liebhaber…

„Schöne Männer sind nicht gut im Bett, weil sie es nie sein mussten.“, verkündet Samantha Jones lautstark in einer Folge Sex and the City. Ich wehre mich vehement gegen solche Aussagen. Sie erinnern mich an die Statistiken, die Naturwissenschaftler an Massenmedien verkaufen: „75% aller Frauen über 25 hatten noch nie einen vaginalen Orgasmus“. Welche Frauen? Wie viele haben sie denn befragt und woher kommt diese Stichprobe? Geht es nur um Sex oder auch Selbstbefriedigung? Ich wurde nicht gefragt. Meine Freundinnen auch nicht. Vielleicht aber ist die Hypothese von Samantha Jones, obwohl sie eine fiktive Person ist, aussagekräftiger als jene der Wissenschaftler? Immerhin hat sie eine eigene persönliche empirische Studie nachzuweisen. Und diese haben wir alle, wenn es um unsere eigenen Erfahrungen geht. „Barkeeper sind besser im Bett als DJs“ und „kleine Männer haben im Durchschnitt größere Penisse“ sind Aussagen, die jede/jeder nur für sich selbst treffen kann. Und die Hypothese bleibt auch so lange aufrecht, bis man sie selbst widerlegt hat. Das ist Wissenschaft!

Was ich damit sagen möchte? Nichts in unserer Welt kann man eindeutig pauschalisieren. Außer vielleicht erwiesene physikalische Gesetze. Aber die absolute Wahrheit gibt es nicht. Zumindest keine, die für alle gemeinsam gilt. Schon gar nicht, wenn es um Sexualität geht. Für die eine kann ein Mann der absolute Knüller im Bett sein, während er für eine andere eher langweilig war. Eine Frau riecht für einen bestimmten Mann verdammt gut, während ein anderer Mann den Geruch derselben Frau absolut nicht leiden kann. Manch eine Frau braucht einen großen Penis, um genug spüren zu können. Eine andere hat großen Spaß an einem Durchschnittspenis. Kommt ja auch immer darauf an, wie gut mein Beckenboden trainiert ist oder wo sich meine Erregungspunkte befinden. Was ist also dann ein guter Liebhaber?

Wir glauben, ein guter Liebhaber sei jener, der von sich aus weiß, was er zu tun hat. Ein Mann, der eine Frau einfach nimmt und ihre Wünsche von ihren Augen ablesen kann. Aber mal ganz ehrlich: Männer sind auch nur Menschen. Wenn die das wirklich könnten, würden wir uns selbst tatsächlich die Rolle des schwachen Geschlechts auferlegen! Aber das können wir nicht verlangen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Mann zu treffen, der das wirklich kann, ist viel zu gering. Wenn 75% der Frauen über 25 keinen vaginalen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr haben, dann ist es meistens unsere eigene Schuld. Wie soll uns denn bitte ein Mann unsere weibliche Anatomie erklären? Das könnten ein Gynäkologe und manch ein Gigolo eventuell, aber dennoch bin ich nicht an denselben Stellen erregbar, wie die Frau davor. Das weiß ich selbst immer noch am besten.

Und ab wann ist ein Mann schön? Einer, der mir gut gefällt, muss nicht zwangsweise für andere schön sein. Ja, es gibt bestimmte „Idealtypen“, aber dennoch werde ich immer jemanden finden, dem diese oder jene Person nicht gefällt. Wenn ich also davon ausgehe, dass alle schönen Männer nicht gut im Bett sind, müsste ich ja nur mit Männern schlafen, die ich nicht so attraktiv finde und das möchte ich eigentlich nicht. Denn er soll mich optisch ja auch in gewisser Weise ansprechen.

Es gibt keine guten und schlechten LiebhaberInnen im eigentlichen Sinn. Aber es gibt guten und schlechten Sex. Dieser ist jedoch situationsbedingt. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Wollen wir in eine Person investieren oder nicht? Und damit meine ich jetzt nicht, gleich eine Beziehung aufzubauen. Es geht darum, sich auf jemanden einzulassen. Wie viele ONS waren schlecht, weil man schon zu müde war und sich nicht mehr wirklich um den Sex kümmern wollte? Vorher war man noch richtig geil und gut drauf, aber langsam wird man nüchtern (egal ob von Alkohol oder Hormonen) und dann ist es nur noch so lala. Sex ist ja nicht einfach nur daliegen und machen lassen, Sex ist Arbeit und Sport. Schöner Sport und angenehme Arbeit, wenn man investiert. Es geht um zwei Menschen, die gemeinsam ein Erlebnis teilen und nicht um zwei Menschen, die jeder für sich irgendwas tun.

Natürlich gibt es Männer, die nicht fähig dazu sind, auf eine Frau einzugehen. Aber den meisten Männern ist es wichtig, eine Frau befriedigen zu können. Und natürlich gibt es Frauen, die einfach nur daliegen, obwohl viele Männer sich freuen würden, wenn sie ihnen zeigen würden, was sie gerne möchten. Und genau hier wird investiert. Der Mann, der Rücksicht auf die Bedürfnisse einer Frau nimmt, und die Frau, die etwas gibt, das beiden gut tut. Wir achten viel zu wenig darauf, dass Sex immer etwas zwischen zwei Personen ist. Wir sollten uns bewusst darüber sein, dass wir für Geschlechtsverkehr immer eine zweite Person brauchen. Es geht um Menschen und nicht um Sexspielzeug! Und dann verstehen wir auch, dass wir andere nicht als schlechte LiebhaberInnen abstempeln können (ganz selten vielleicht, aber im Normalfall nicht), sondern, dass nur der Sex an sich nicht gut war. Und das Schöne daran ist, dass wir unsere Sexualität immer selbst in die Hand nehmen können.

Sex zerstört alles?!

Neulich sagte meine Freundin zu mir: „Sex zerstört alles!“ Ich denke noch immer über diese Aussage nach, weil ich einfach nicht weiß, was ich darüber denken soll. Das ist so eine von den Aussagen, die jeder irgendwann mal sagt und keiner weiß genau, warum. Denn was macht Sex so schlecht, dass es etwas zerstört? “Naja, wenn man mit seinem besten Freund Sex hat, zerstört man eine Freundschaft”, höre ich da welche aufschreien. Schwachsinn! Wenn ich mit meinem besten Freund schlafe muss es eine sexuelle Anziehung gegeben haben und wenn es die gibt, dann ist man nicht „platonisch“ befreundet. “Kann sich ja auch erst mit der Zeit entwickeln, die sexuelle Begierde”, schreien ein paar andere. Ja, wenn man sich von Kind auf kennt und miteinander aufwächst und dann geschlechtsreif wird, vielleicht. Oder man sieht den besten Freund tatsächlich wie einen Bruder. Dann könnte man vorsichtig sogar von „inzestuöser“ Sexualität sprechen. Obwohl das biologisch natürlich nicht stimmt, gefühlsmäßig trifft das aber vielleicht zu.

Sex ist doch eine sehr schöne Sache. Schläft eine Frau bei dem ersten Date mit einem Mann, ist das Resultat in den meisten Fällen, dass es bei einem ONS bleibt. Zumindest der Statistik nach. Aber was hat der Sex da zerstört? Vielleicht hat er die beiden ja vor etwas anderem gerettet? Woher soll ich denn vorher wissen, ob jener der Richtige für mich gewesen wäre? „Hätten wir nur nicht so schnell miteinander geschlafen…“ Auch Schwachsinn! Wenn man sich sexuell begehrt, dann soll man es doch bitte treiben dürfen. Ich glaube, dass die Aussage: „Schlafe nie zu schnell mit einem Mann“ von Frauen stammt, die Liebe und Sex verwechseln. Denn wenn ein Mann sich wirklich total in mich verliebt, schläft er lieber früher als später mit mir. Also ist mein Fazit dabei: Bin ich geil und ist er geil, dann lasst es uns doch treiben wie die … Das Herz eines Mannes damit gewinnen zu wollen, ist zwar eine süße Idee, legt der Frau jedoch eine schwierige und total erniedrigende Rolle auf.

Gut, andere These: Sex kann- Achtung Aufklärung- zu Krankheit und/oder Schwangerschaft führen. Jap, gibt ja einige Menschen in unserer „zivilisierten“ Gesellschaft, die scheinbar noch nie etwas von einem Kondom gehört haben. Junge Mädchen nehmen die Anti-Baby-Pille nur vor dem Sex, weil ihre FrauenärztInnen (Achtung, ich gendere!) oder Eltern es nicht für nötig gehalten haben, ihnen zu erklären, dass man die jeden Tag nehmen muss. Viele wissen nicht, dass manche Krankheiten auch von Oralsex übertragen werden können und wieder andere glauben, wenn er seinen Penis rechtzeitig rauszieht, verhütet man richtig. Aber eigentlich ist es hier auch nicht der Sex, der alles zerstört. So manch einer liebt sein zunächst ungewolltes Kind mehr als alles andere auf der Welt und würde es um nichts mehr missen wollen. Die Zerstörung sehe ich hier eigentlich in der eigenen Unverantwortlichkeit und Unwissenheit. Und wie ein altes Sprichwort so schön sagt: „Unwissenheit schützt vor Torheit nicht!“

Anderer Punkt: Gerüchte besagen, je länger man verheiratet ist, umso weniger hat man Sex. Sehr schade. Einer (meistens der Mann, kenne aber auch umgekehrte Fälle) will jedoch sehr gerne regelmäßig besteigen und bestiegen werden. Ist halt ein Dilemma. Muss man sich dann wohl wen anderen suchen. Führt aber zu Ehekrisen und oft, logischerweise, zu Scheidungen. Aber als Grund würde ich hier nicht den Sex, sondern den fehlenden Sex sehen. Und wer fragt eigentlich mal nach, warum die Paare keinen Sex mehr haben? Die Chemie sollte sich eigentlich nicht allzu sehr verändert haben. Somit hat auch hier der Sex nichts zerstört, er hätte wohl eher etwas retten können.

Das einzige, was Sex wirklich zerstört, ist die Psyche eines Menschen. Und das auch nur, wenn er nach den ICD-11 als sexsüchtig diagnostiziert wurde. Solch eine krankhafte Veranlagung haben jedoch nur 0,5 – 5% der westlichen Bevölkerung. Auch wenn manch einer gerne behauptet, sexsüchtig zu sein, so ist die wahre Sexsucht keine Erkrankung, mit der man gerne hausieren geht. Hier besteht also durchaus Zerstörungsmacht bis hin zum Suizid.

Sexualität ist eine natürliche Sache, für die wir uns nicht genieren müssen. Sie zerstört nur dann etwas, wenn wir sie als Macht-, Druck- oder Pflichtmittel sehen! Vielleicht zerstören wir ja die Sexualität und nicht die Sexualität zerstört etwas? Kein Thema ist so natürlich und unnatürlich zugleich. Und dennoch reden wir viel zu wenig darüber. Also, lasst uns doch bitte mehr über Sex reden. Nehmen wir der Sexualität endlich das Etikett des Verbotenen. Eva wurde im Paradies von der Schlange verführt und hat den Apfel gegessen. Wir alle wissen wohl, welche Schlange sie tatsächlich verführt hat. Und was ist bitte daran verwerflich, dass Adam sehen wollte, wie der Saft des Apfels über Evas wunderbaren, nackten Frauenkörper läuft?! Ich finde das sehr sexy.

Der Weg zum Orgasmus!

10 Wege, wie sie garantiert zum Orgasmus kommen. Schon wieder so eine Schlagzeile, bei der mir das davor Gegessene fast hochkommt. So genannte „Experten“ schreiben Gebrauchsanleitungen für Frau und Mann, damit sie einem Phänomen endlich auf die Schliche kommen. Wie kopflastig und klassisch vertrottelt das ist. Liegen manche Leute dann echt im Bett und unterbrechen zwischendurch, weil sie mal schnell eine Seite weiterblättern müssen? „So, Schatzi, und jetzt ist es Zeit, das Kissen unter mein Becken zu legen. Und jetzt ganz langsam…oh ja…ich spüre was.“ Oi! Aber es gibt ja sogar Menschen, die während des Sex an ihr Handy gehen, also muss es wohl wahr sein.

Wegen solcher Artikel, die sich leider großer Popularität erfreuen, glauben manche Menschen wirklich, dass ihr Körper wie eine Maschine funktioniert. Wenn man diesen Schalter und jenen Hebel drückt, dann passiert dies und jenes. Mag bei dem ein oder anderen vielleicht tatsächlich funktionieren, kann aber nicht wirklich toll sein. Sexualität ist weg vom Kopf und hin zu unserer Natur. Sex ist animalisch und leidenschaftlich, Gefühl und Gedankenleere. Deswegen streben wir auch so sehr nach Orgasmen. Aber es wurden Richtlinien entwickelt, die es uns erschweren. Mir ist es schon mal passiert, dass ein Mann mir nach dem Sex vorwarf, ich hätte keinen Orgasmus gehabt und er würde das wissen, weil er weiß wie eine Frau sich aufführt, wenn sie einen Orgasmus hat. Mag ja sein, dass die ein oder andere die komplette Nachbarschaft zusammenbrüllt, wenn es so weit ist. Muss ich auch manchmal mitanhören. Aber nicht jeder Mensch ist gleich und schon gar nicht jede Frau. Ich habe Männer erlebt, die beim Sex wie Gorillas mit Brunftschreien um sich werfen, während andere ganz in sich gekehrt und eher ruhig sind. Und so ist das auch bei Frauen. Die Energie im Körper verstärkt sich, wenn man in sich bleibt, bis es so weit ist. Angeblich ist man während eines Orgasmus für ein paar Augenblicke taub und blind. Keine Ahnung, ich hab noch nie darauf geachtet. Hab da keine Zeit dafür. Aber was definitiv stimmt, ist, dass man für einen Moment alles um sich herum vergisst. In diesem Moment, in dem sich die gesamte Energie entleert, die man angesammelt hat, kann es passieren, dass man schreien muss. Oder aber, man muss es nicht. Mein ganzer Körper zuckt, wenn ich einen Orgasmus hatte. Also, bei einem vaginalen, versteht sich. Ist bei einem klitoralen wieder anders. Da zuckt nur untenrum in der bestimmten Zone etwas. Daher kann ein Mann einer Frau nicht vorwerfen, dass sie keinen Orgasmus hatte, weil sie jetzt vielleicht nicht gebrüllt hat oder ihr Körper nicht nachzuckt. Die Frage sollte lauten: „Hattest du einen vaginalen oder klitoralen Orgasmus?“ Das ist ein großer Unterschied. Und ja, Sex kann auch ohne diese beiden sehr schön sein und sich gut für uns anfühlen. Männer wissen ja nicht, wie körperlich anstrengend vaginale Orgasmen für uns sind.

Vor kurzem habe ich in einer Frauenrunde endlich mal über Selbstbefriedigung sprechen können. Tun Frauen viel zu selten. Wir tauschen uns da nicht richtig aus. Dabei finde ich es sehr interessant, neue Techniken kennenzulernen. Ich glaube, dass die weibliche Selbstbefriedigung deswegen ein so tabuisiertes Thema ist, weil sie so kompliziert individuell ist. Bei Frauen ist es eher unwahrscheinlich, dass sie sich in einer Gruppe treffen und gemeinsam masturbieren. Männer haben es da mal wieder einfacher. Da hängt alles außen herum. Schnell lernt ein Mann, damit umzugehen. Er kann sich selbst dabei auch noch so toll zusehen. Können wir nicht. Also, wir können uns schon vor einen Spiegel legen, aber wer hat schon so einen großen Spiegel gleich vor seinem Bett stehen und schaut sich selbst dabei auch immer zu? Wir müssen in uns hinein, wenn wir etwas über uns herausfinden wollen. Es ist warm, weich, feucht und dunkel. Ich denke, dass viele Frauen davor zurückschrecken. Dafür sind Hilfsmittel wie Vibratoren eine ganz tolle Sache. Die einen machen es gerne nur mit ihrer Hand, die anderen genießen ihr Spielzeug. Manch eine steht mehr auf klitorale, andere auf vaginale Orgasmen. Da hat letztens eine zu mir gesagt, dass sie erstere lieber mag. Ich kann ihr da jetzt unterstellen, was ich will. Mir geht es so nicht. Vielleicht ist es ihr einfach nur zu anstrengend oder sie hatte noch keine vaginalen Orgasmen. Keine Ahnung, ich bin ja nicht in ihrem Körper, aber ich selbst bin davon überzeugt, dass Frauen beides haben können und noch einiges mehr. Sie müssen es nur selbst herausfinden.

Seht ihr, wie kompliziert das ist?! Orgasmus ist nicht gleich Orgasmus. Und der Sex ist jetzt auch nicht schlechter, weil Frau „nur“ einen klitoralen hatte. Wie ihr seht, gibt es auch Frauen, die das lieber mögen. Für Orgasmen und vor allem für guten Sex gibt es keine Gebrauchsanweisung! Was ich Frauen raten würde, die Orgasmusprobleme haben? Spielt an euch selbst herum. Findet heraus, was ihr gerne habt und was nicht. Probiert Spielzeuge aus und macht es euch verdammt nochmal selbst. Dann könnt ihr euch auch das holen, was ihr braucht. Man lernt bei Selbstbefriedigung seinen Körper unwahrscheinlich gut kennen. Spürt Muskeln, die man vorher gar nicht kannte, erlebt Pulsieren, welches überraschen kann. Und dann heißt es Kopf aus und Körper an. Scheißegal, ob man dabei brüllt oder nicht, der Körper zuckt oder krampft. Hauptsache, es fühlt sich einfach richtig gut an! Also lasst die Spiele beginnen.